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Aktienmarkt : Rosneft-Börsengang nimmt konkrete Formen an

  • Aktualisiert am

Zeichnung von Rosneft-Aktien in einer Moskauer Bank Bild: REUTERS

Der Börsengang des russischen Ölkonzerns Rosneft nimmt konkrete Formen an. Strategische Investoren haben bereits ihr Interesse bekundigt. Auf dem Moskauer Aktienmarkt sind nach einem Kursrutsch die Preisvorstellungen ambitioniert.

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          Der Börsengang des russischen Ölkonzerns Rosneft nimmt konkrete Formen an. Zum Wochenauftakt wurden potentielle Investoren informiert, daß die angebotenen Aktien und globalen Aktienzertifikate (Global Depositary Receipts) zwischen 5,85 und 7,85 Dollar je Aktie angeboten werden. Dabei will der russische Staat seine Beteiligung reduzieren. Gleichzeitig ist eine Ausgabe von bis zu 400 Millionen neuen Aktien inklusive einer Mehrzuteilungsoption vorgesehen.

          Das Emissionsvolumen könnte bis zu 11,6 Milliarden Dollar betragen, womit Rosneft die größte Neuemission des Jahres wäre. Allerdings dürfte der Konzern demnächst schon wieder vom größten chinesischen Finanzinstitut Industrial & Commercial Bank of China überrundet werden, das ein Emissionsvolumen von 12 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt hat.

          Größter russischer Börsengang steht noch bevor

          Insgesamt könnte die Marktkapitalisierung von Rosneft nach dem Börsengang zwischen 60 und 80 Milliarden Dollar betragen, hieß es in einer am Montag verbreiteten Unternehmensmitteilung. Derzeit gehört Rosneft dem russischen Staat. Mit dem Anteilsverkauf ist für ihn ein Erlös von bis zu 8,5 Milliarden Dollar möglich. Beim Unternehmen selbst könnten bis zu 3,1 Milliarden Dollar ankommen. Der bislang größte russische Börsengang wird von den Banken ABN Amro Rothschild, Dresdner Kleinwort Wasserstein, JPMorgan Chase, Morgan Stanley und der russischen Sberbank begleitet. Die Erstnotiz ist für den 14. Juli vorgesehen.

          Allerdings ist das Umfeld für den geplanten Börsengang derzeit schwierig. In den vergangenen knapp sieben Wochen ist der russische Aktienmarkt, gemessen am Index MSCI Russia, um 25 Prozent eingebrochen. „Aus wirtschaftlicher Sicht ist es nicht sinnvoll, einen Börsengang dieses Ausmaßes durchzuführen, wenn der Markt derartig schwankt“, zitiert der Finanzinformationsdienst Bloomberg den Manager des Moskauer Nikitsky Russia Fund, Eric Kraus.

          Investoren aus Rußland, Südostasien und Europa

          Eine Folge dieser Korrekturbewegung ist auch, daß die Marktkapitalisierung des vergleichbaren russischen Ölkonzerns Lukoil unter 60 Milliarden Dollar gefallen ist. Nach den Gewinnschätzungen für das laufende Jahr kommt Lukoil am unteren Ende der Schätzungen inzwischen auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11, während es für Rosneft 14 beträgt. „Das sieht teuer aus, zumal Rosneft auch nicht so profitabel wie Lukoil ist“, lautet der Kommentar eines Fondsmanagers in Frankfurt.

          Der Börsenaspirant zeigt sich jedoch in seinen Preisvorstellungen unbeeindruckt. „Das Interesse ist sehr hoch“, sagte der Rosneft-Vorstandsvorsitzende Sergej Bogdantschikow zum Start der Vermarktungsphase. Strategische Investoren aus Rußland, Südostasien und Europa hätten ihr Interesse bekundet. Westliche Investoren nehmen diesen Hinweis als Signal, daß größere Anleger aus der Heimat sowie aus China und Indien schon in den Startlöchern stehen. Rosneft sei nicht sonderlich beunruhigt wegen der Forderungen westlicher Investoren nach einem Preisabschlag gegenüber Lukoil, heißt es. Der Preis signalisiere ein großes Vertrauen seitens des Unternehmens, daß der Börsengang durchkomme.

          Aufstieg zum drittgrößten russischen Ölkonzern

          Auch potentielle Risiken aus laufenden juristischen Verfahren sieht Rosneft als beherrschbar an. Der Vorstandsvorsitzende erwartet „keinen erheblichen Schaden“ aus den Prozessen nach der Zerschlagung des einstigen Wettbewerbers Yukos. Der Aufstieg zum drittgrößten russischen Ölkonzern kam unter fragwürdigen Bedingungen zustande: Das Herzstück von Rosneft, der Ölförderer Yuganskneftegas, gehörte bis 2004 zu dem inzwischen zerschlagenen Yukos-Konzern. Dessen Eigner Michail Chodorkowskij hatte sich mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin überworfen.

          Nach einer Zwangsversteigerung kam Yuganskneftegas über den Umweg der Briefkastenfirma Baikal Finance Group zu Rosneft. Seither sind zahlreiche Klagen von Yukos-Anlegern anhängig, die sich betrogen fühlen. Drohungen werden ausgestoßen, man wolle Käufer von Rosneft-Aktien mit lebenslangen Klagen überziehen. Auch Yukos selbst forderte in der vergangenen Woche die britische Finanzaufsicht FSA auf, den geplanten Börsengang von Rosneft zu verhindern, denn er bedeute den Verkauf gestohlenen Eigentums.

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