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Aktienmarkt : Nach dem Rennen geht es los

Wer am Samstag auf den Sieg von „Pyledriver“ gesetzt hat, hat alles verloren. Wer an der Börse alles auf ein Pferd setzt, kann auch auf hinteren Plätzen gewinnen. Bild: dpa

Im Mai verkaufen, im September zurückkommen, lautet eine alte Börsendevise. Ob das sinnvoll ist, daran scheiden sich die Geister. Aber die Beschäftigung damit lehrt viel über die Börse.

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          Und wieder ist September. Wieder einmal ist in Großbritannien die Rennsaison für dreijährige Vollblutpferde zu Ende gegangen, die wegen der Corona-Pandemie diesmal etwas holprig verlief. Für die Börse ein ganz wichtiges Datum, denn nun ist es Zeit, wieder Aktien zu kaufen – bis zum nächsten Mai.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Sell in May and go away / come back on St. Leger's day“, heißt das Motto, das historisch dafür steht, dass die vermögende britische Elite des 19. und frühen 20. Jahrhunderts während der Rennsaison London und die Börse verließen. Startschuss ist traditionell Anfang Mai mit dem „2000 Guineas“-Rennen in Newmarket nahe Cambridge. Diesmal musste das Rennen jedoch auf den 6. Juni verlegt werden. Saison-Abschluss sind die St Leger Stakes in Doncaster, die diesmal am 12. September stattfanden.

          Schon seit einigen Jahren beobachtet FAZ.NET die Entwicklung der Aktienkurse zwischen dem St. Leger's Day und den 2000 Guineas. Und dabei haben sich einige Aktien herausgeschält, die in den vergangenen Jahren immer zu den Gewinnern gehört haben.

          In diesem Jahr hat die Corona-Pandemie dafür gesorgt, dass sich das Feld der Gewinner-Aktien der diesjährigen „Zwischen-Renn-Saison“ kräftig ausgedünnt hat. Dabei hat die Verlegung der „2000 Guineas“ die Bilanz noch kräftig verbessert. Lagen zum ursprünglichen Renntermin Anfang Mai nur rund 20 Prozent der Aktiennotierungen seit dem St. Legers-Rennen 2019 im Plus, waren es am 6. Juni, als die Pferde endlich liefen, 31 Prozent. Dennoch ist dies der niedrigste Wert seit 2009, wobei aber auch der Mai-Wert kein neuer Negativrekord gewesen wäre.

          Blickt man auf die Zehn-Jahres-Bilanz, so ergibt sich ein ähnliches Bild. Immerhin 77 Aktien hätten in den vergangenen zehn Jahren - hätte man sie nach dem St. Legers-Rennen gekauft und vor den „2000 Guineas“ abgestoßen - jedesmal einen positiven Ertrag gebracht. Das ist weniger als 1 Prozent, aber ein exklusiver Kreis´, dessen Mitgliederzahl stark schwankt: 2017/2018 zählte er 42 Zugehörige, 2018/19 waren es 210 und nun also 77.

          Verheerend wirkte sich die Corona-Pandemie auf die Liste der Dauerbrenner seit 2005 aus. Gleich drei der acht Vorjahresmitglieder schieden aus. Dass es das Online-Reisebuchungs-Portal Booking Holdings nicht mehr schaffte, dürfte man wohl der Corona-Pandemie zuschreiben, auch für die chinesische NWS Holdings, ein Infrastruktur-Konglomerat mit Schwerpunktmäßig im Straßen- und Städtebau mag das zutreffen.

          Auf den ersten Blick scheint das weniger für den Schweizer Warenprüfkonzern SGS zu gelten, dessen Kurs Ende Januar in den Sturzflug überging und der noch immer das Niveau nicht wieder erreicht hat, auf dem dieser nach dem St-Legers-Rennen 2019 lag. Berücksichtigt man aber, dass die Tätigkeit doch zu großen Teilen aus Schulungen und Prüfungen vor Ort besteht, leuchtet der Kurssturz mehr ein. Auslöser war jedoch, dass sich die die deutsche Industriellenfamilie von Finck sich gleichsam Knall auf Fall als Großaktionärin zurückzog und ihren Anteil von mehr als 15 auf nur noch 3 Prozent reduzierte - dies auch nur, weil diese 3 Prozent einer Sperrfrist unterlagen. Im August stießen die von Fincks diese Aktien dann auch ab. Als Grund wird eine vorweggenommene Erbteilung vermutet. Nicht immer also müssen solche Dinge am Unternehmen liegen. Immerhin war die Familie gut 25 Jahre investiert gewesen, hatte aber schon nach der Finanzkrise ihren Anteil von 25 auf 15 Prozent reduziert.

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