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Börsenwoche : Die Welt ist schlecht, das Leben ist schön

Das Schicksal des Immobilienkonzerns Evergrande beschäftigte in dieser Woche die Börsen. Bild: AFP

Am Aktienmarkt betrachtet man gegen Ende der Woche die Evergrande-Krise schon als gelöst. Und eine straffere Geldpolitik als gute Sache. So kann man's auch sehen.

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          Die Börsenwoche begann am Montag mit einem veritablen Schrecken. Zu Handelsbeginn fiel der S&P-500-Index um 1,5 Prozent und baute das Minus bis auf 2,8 Prozent aus. Den F.A.Z.-Index erwischte es noch eine Spur heftiger, so wie das meist ist. Bange war den Anlegern, zum einen vor den Vorgängen rund um das am Rand der Pleite wandelnde chinesische Konglomerat Evergrande, das vor allem aufgrund seines Immobiliengeschäfts besorgt. Und dann noch die Fed: Könnte es sein, dass sie ihre Geldpolitik wirklich strafft und schon bald weniger Anleihen kauft? Aber Aktienkäufer wären wohl Anleihekäufer, wenn sie nicht in jedem fallenden Kurs eine Gelegenheit erblickten und auf Artikel 3 des rheinischen Karnevalsgrundgesetzes bauten: Et hätt noch emmer joot jejange.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Und gut ging’s ja auch. Noch am Montag drehte der S&P 500 nach oben, verringerte sein Minus um 40 Prozent, hielt zwei Tage die Luft an, um am Donnerstag durchzustarten und den Freitagsschluss hinter sich zu lassen. Wieder einmal zeigte sich, dass die Börse kurzfristig vor allem momentane Kollektivstimmungen anzeigt. Wurde zu Wochenbeginn noch diskutiert, ob mit dem unausweichlichen Fall von Evergrande nicht ein zweites Lehman Brothers und damit eine globale Finanzkrise um die Ecke komme, war in der Nacht zum Donnerstag schon wieder alles gut, und der Kurs von Evergrande legte ordentlich zu. Aber was war eigentlich gut?

          Eine vage Aussage des Konzerns, man habe das Problem mit Zinszahlungen auf eine Yuan-Anleihe gelöst und werde auch die Zinsen auf eine Dollar-Anleihe zahlen. Das Szenario einer „kontrollierten Detonation“ scheine weiter am wahrscheinlichsten, schreibt Angelika Millendorfer, Leiterin des Teams Emerging Markets Aktien. Schöne Aussichten.

          Und die Fed? Nun, die schaffte es einmal mehr, den Börsianern Honig um den Bart zu schmieren. Ja, man werde die Anleihekäufe noch in diesem Jahr gewisslich verringern. Aber doch nur, weil die Erholung der Wirtschaft so robust sei. Und die Anleger verschlangen den Köder mitsamt Haken, Leine und Absenkblei, wie man im Englischen sagt. Eine restriktive Fed sei doch nur ein Zeichen, wie prima sich die Wirtschaft erhole – und wen stören da schon höher als erwartet ausgefallene Erstanträge auf Arbeitslosigkeit und ein sinkender Einkaufsmanagerindex? „Die Welt ist schlecht, das Leben ist schön, was ist daran nicht zu versteh’n?“, sangen weiland Andreas Dorau und die Marinas. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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