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Aktienmarkt : Der Krieg bremst auch Schweizer Aktien aus

An der Schweizer Börse Bild: dpa

Putins Krieg in der Ukraine lässt auch die Kurse Schweizer Unternehmen purzeln. Dies eröffnet Anlegern die Möglichkeit für einen günstigen Einstieg.

          3 Min.

          Als Wladimir Putin seinen Angriffskrieg auf die Ukraine begann, purzelten überall die Aktienkurse – auch in der Schweiz. Allerdings fiel das Minus in der Eidgenossenschaft bisher nicht ganz so stark aus wie andernorts. Der Deutsche Aktienindex (Dax) und der Euro Stoxx 50 sind seit Beginn des Jahres um jeweils rund 9 Prozent gesunken. In der gleichen Zeit hat der Swiss Market Index (SMI), in dem die 20 bedeutendsten Schweizer Unternehmen gelistet sind, „nur“ 5 Prozent verloren.

          Johannes Ritter
          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Gut zwei Wochen nach Kriegsbeginn setzte eine Kurserholung ein. Nach Einschätzung von Lorenz Reinhard, Senior Investment Manager der Genfer Privatbank Pictet, hat das mit dem Nimbus der Eidgenossenschaft als Zufluchtsort in unsicheren Zeiten zu tun: „Es floss mehr Geld in den sicheren Hafen Schweiz und damit auch in den Aktienmarkt.“

          Diese Entwicklung hat auch eine Schattenseite. Die Schweizer Währung wertete auf und erreichte Anfang März sogar kurzzeitig Parität zum Euro. Aktuell kostet ein Euro 1,03 Franken. Für Schweizer Unternehmen ist das keine frohe Botschaft, wie Reinhard anmerkt: „Der starke Franken drückt auf die Gewinne der börsennotierten Unternehmen, die ja rund 90 Prozent ihres Umsatzes im Ausland erwirtschaften.“ Auf die Stabilität und Berechenbarkeit des Schweizer Aktienmarkts verweisend, blickt Reinhard trotzdem zuversichtlich nach vorn: „Der SMI dürfte die Einbußen, die er in den ersten drei Monaten erlitten hat, bis zum Jahresende wieder ausgleichen.“

          Diesen Optimismus leitet der Analyst aus der überdurchschnittlichen Qualität der Titel im SMI ab. „Es gibt viele Schweizer Unternehmen, die auf ihren jeweiligen Feldern eine dominierende Rolle spielen. Das bedeutet, dass sie steigende Preise an ihre Kunden weiterreichen können.“ Diese sogenannte Preissetzungsmacht ist gerade in Zeiten hoher Inflation ein wichtiger Gradmesser für die Beurteilung der Ertragsaussichten von Unternehmen. In diesem Kontext hebt Reinhard den Nahrungsmittelhersteller Nestlé, den Schokoladenproduzenten Lindt & Sprüngli sowie den Pharmakonzern Roche positiv hervor. Für diese drei Unternehmen sagt er tendenziell steigende Kurse voraus.

          Technologiewerte mit Verlusten

          Gleiches gilt für ABB. Der Siemens-Rivale profitiere vom Trend zur Elektrifizierung, der durch den hohen Ölpreis zusätzlich befeuert werde. Und die steigenden Löhne in Verbindung mit Schwierigkeiten, überhaupt Arbeitskräfte zu finden, würden die Robotersparte von ABB stimulieren. Im aktuellen Aktienkurs spiegelt sich diese Zuversicht nicht. Dieser liegt mit 31,20 Franken 12 Prozent unterhalb des Niveaus vom Jahresanfang. Anleger reagierten verschnupft auf die jüngste Entscheidung des Vorstands, über die Abspaltung des Turbolader-Geschäfts wegen der Verunsicherung durch den Ukrainekrieg erst zur Jahresmitte zu befinden.

          Stark unter die Räder kamen an der Börse zuletzt die Technologiewerte VAT, Comet und Temenos. Da diese Hersteller nach wie vor eine hohe Nachfrage verzeichneten, böten sich hier jetzt gute Einstiegschancen, sagt Reinhard, der überdies Straumann für kaufenswert hält. Als führender Anbieter von Zahnimplantaten sei Straumann wenig konjunktursensitiv – und derzeit vergleichsweise günstig zu haben: Seit Jahresbeginn hat die Aktie ein Viertel ihres Wertes verloren.

          Bild: Bloomberg

          Auch die skandalgeplagte Credit Suisse (CS) musste in diesem Jahr schon tüchtig Federn lassen. Die zweitgrößte Bank der Schweiz notiert weit unter Buchwert und bringt nur noch knapp 20 Milliarden Franken auf die Börsenwaage. Trotzdem rät Reinhard von einem Kauf der Aktien ab. Die jüngste Warnung vor einem Gerichtsurteil, das die Bank bis zu eine halbe Milliarde Dollar kosten könne, trage nicht gerade dazu bei, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen.

          Reinhard hält es außerdem für sehr unwahrscheinlich, dass die Credit Suisse zum Ziel einer Übernahme wird. Dazu seien die Risiken und die Hürden zu hoch. Wenn zum Beispiel ein kapitalstarker amerikanischer Investor käme, würde die Bank viele Kunden verlieren, die ganz bewusst bei einer Schweizer Adresse sein wollten.

          Auch mit Blick auf die Luxusgüteranbieter Richemont und Swatch rät Reinhard zur Zurückhaltung. Nach dem starken Kursschub im vergangenen Jahr bremse nun Putins Feldzug die Entwicklung. Zwar liege der Anteil russischer Kunden in der Luxusgüterindustrie nur bei 2 bis 3 Prozent. Aber in der aktuellen Kriegssituation fehle der allgemeine Wohlfühlfaktor, der für den Kauf von teuren Uhren und edlem Schmuck förderlich sei.

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