https://www.faz.net/-gv6-qwp3

Aktienmarkt : Harte Landung für Air Berlin

Viel Auflauf, aber wenig Applaus: Air Berlin Bild: dpa/dpaweb

Die Aktie von Air Berlin ist im Handelsverlauf unter den Ausgabepreis von zwölf Euro gerutscht. Im Schatten der eher glücklosen Airline feierte der Anlagenbauer Roth & Rau dagegen ein glänzendes Börsendebüt.

          3 Min.

          Im zweiten Anflug ist Air Berlin mit Ach und Krach die Landung an der Börse gelungen: Die Aktie der Berliner Billigfluggesellschaft kostete zur Erstnotiz 12,65 Euro. Damit gab es immerhin einen Zeichnungsgewinn von 5 Prozent. Im weiteren Handelsverlauf indes rutschte die Aktie unter ihren Ausgabepreis von 12 Euro. Zu Handelsschluß lag der Kurs deutlich tiefer bei 11,35 Euro.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Ausgabepreis von 12 Euro liegt am unteren Ende der bereits gesenkten Preisspanne, die zuletzt von 11,50 bis 14,50 Euro reichte. Auch zu dem niedrigen Ausgabepreis war die Nachfrage nur doppelt so hoch wie das Aktienangebot. Das ist wenig, denn eigentlich gilt als Basis für eine gute Kursentwicklung nach dem Börsengang ein ausgewogener Aktionärsmix. Daher suchen die Konsortialführer, in diesem Fall Commerzbank und Morgan Stanley, sich die Aktionäre gerne aus einem Überangebot heraus.

          Zuletzt waren zum Beispiel die Börsengänge von Catoil und Patrizia um das Zwanzigfache überzeichnet gewesen. Die geringe Überzeichnung der Air-Berlin-Emission bringt es mit sich, daß die Zuteilung an Privatanleger in hohem Umfang erfolgte. Jeder Kaufauftrag über bis zu 199 Aktien wurde voll erfüllt. Wer mehr Stücke geordert hat, erhält ein Fixum von 200 Stück und darüber hinaus - bis zu einem Odervolumen von 5000 - die Hälfte der gewünschten Aktien. 10 Prozent der Emission ging an Privatleute.

          Verkaufte Aktien im Wert von 208,7 Millionen Euro

          Aktienpakete in Höhe von 3,5 bis 4 Prozent des Kapitals erhielten die Fondsgesellschaften DWS, Union, Cominvest und Fidelity. Im Schatten von Air Berlin feierte der Anlagenbauer Roth & Rau ein glänzendes Börsendebüt. Die Aktien, am oberen Ende der Preisspanne zu 36 Euro ausgegeben, kosteten zur Erstnotiz 43,50 Euro und stiegen danach weiter.

          Ursprünglich hatte Air Berlin schon am vergangenen Freitag an die Börse gehen wollen. Doch die Nachfrage nach den Aktien war schleppend, und Analysten kritisierten die Preisspanne für das schnell wachsende, aber nicht profitable Unternehmen als zu hoch. Air Berlin, nach Ryanair und Easyjet drittgrößte europäische Billigfluglinie, verschob daraufhin den Börsengang, kappte das Aktienangebot und senkte die Preisspanne von 15 bis 17,50 auf 11,50 bis 14,50 Euro.

          Mit dem Börsengang verkauften die Alteigentümer von Air Berlin zunächst Aktien im Wert von 208,7 Millionen Euro. Sollte in den nächsten Tagen die Mehrzuteilungsoption ausgeübt werden, nähmen die Alteigentümer nochmals 65 Millionen Euro ein. Der Streubesitz läge dann bei 71 Prozent. Dem Unternehmen fließen 234,8 Millionen Euro zu. Damit beläuft sich die gesamte Emission zunächst auf 443,5 Millionen Euro. Mit Mehrzuteilungsoption stiege das Volumen auf 510 Millionen Euro. Damit ist Air Berlin zweitgrößter Börsengang in diesem Jahr nach Wacker-Chemie.

          Werbekampagne mit Johannes B. Kerner

          Gleichwohl erhält Air Berlin wegen des gesenkten Ausgabepreises statt der erhofften knapp 300 Millionen Euro durch den Börsengang nur 195 Millionen Euro netto an Finanzmitteln für das weitere Wachstum, denn 40 Millionen Euro an Kosten verursachte der Börsengang. Dahinter verbergen sich auch Gebühren für die begleitenden Banken und für eine aufwendige Werbekampagne mit dem Fernsehmoderator Johannes B. Kerner. Trotz der fehlenden Millionen zeigte sich Vorstandschef Joachim Hunold in Frankfurt erleichtert und kündigte eine Wachstumsstrategie „ohne Abstriche“ an.

          Experten sehen Air Berlin aber jetzt durchaus unter Finanzierungsdruck. Im laufenden Jahr muß Hunold neun und im kommenden Jahr 13 fest bestellte Flugzeuge bei Airbus abnehmen. Im Jahr 2008 kommen weitere acht Festbestellungen hinzu. Wie weit diese Flugzeuge schon bezahlt sind, ist nicht eindeutig ersichtlich.

          Börsengang von Schmack Biogas

          Mit weniger Schwierigkeiten rechnen Experten beim Börsengang von Schmack Biogas, der für den 24. Mai vorgesehen ist. Der Komplettanbieter von Biogasanlagen aus dem oberpfälzischen Schwandorf machte im Jahr 2005 mit 140 Mitarbeitern 34,1 Millionen Euro Umsatz. Durch eine Kapitalerhöhung will die 1995 gegründete Firma mindestens 30 Millionen Euro durch den Börsengang einsammeln. Analysten der Konsortialbanken Hypo-Vereinsbank, Sal. Oppenheim und BayernLB bewerten das Unternehmen dem Vernehmen nach mit rund 210 Millionen Euro nach Vollzug der Kapitalerhöhung.

          Da das Aktienangebot aus 2,3 Millionen Aktien besteht - 1,2 Millionen aus der Kapitalerhöhung, bis zu 1,1 Millionen Aktien von Alteigentümern -, außerdem der Streubesitz nach dem Börsengang bei rund 47 Prozent liegen soll, läßt sich eine Preisspanne von 25 bis rund 43 Euro je Aktie und ein Emissionsvolumen von 60 bis 100 Millionen Euro errechnen. Die genaue Preisspanne will das Unternehmen spätestens am 18. Mai bekanntgeben.

          147 Biogasanlagen hat Schmack Biogas bereits aufgestellt. Mit dem Erlös aus dem Börsengang will Gründer Ulrich Schmack in den Eigenbetrieb von Biogasanlagen einsteigen. Finanzvorstand Abel zerstreute Bedenken, der Verlust (Ebit) im ersten Quartal von 1,3 Millionen Euro sei richtungweisend für das Gesamtjahr. „Wir werden in diesem Jahr keinen Verlust machen, sondern das Betriebsergebnis des Vorjahres von 2,8 Millionen Euro weiter steigern“, versicherte er.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Baden-Württemberg, Stuttgart: Ein Mercedes-Stern dreht sich auf dem Daimler-Werk in Untertürkheim. Die weltweiten Rückrufe und Verfahren im Zusammenhang mit dem Dieselskandal kosten den Autobauer Daimler für 2019 nochmals bis zu 1,5 Milliarden Euro zusätzlich.

          Folgen des Diesel-Skandals : Nächster Tiefschlag für Daimler

          Analysten und Anleger sind nervös: Der Autokonzern muss einen weiteren Milliardenbetrag für Diesel-Altlasten zurückstellen. Und auch die Van-Sparte leidet unter einer ganzen Reihe hausgemachter Schwierigkeiten. Ein Beobachter spricht von „einem traurigen Tag für alle Beteiligten“.

          F.A.Z. Podcast für Deutschland : 100 Milliarden Euro für die Freundschaft

          Heute jährt sich der Aachener Vertrag zwischen Deutschland und Frankreich. Wie steht es um die deutsch-französische Freundschaft? Und was hat es mit dem militärischen 100-Milliarden-Euro-Projekt auf sich? Außerdem: Was wir aus Jeff Bezos Handyhack lernen können und warum die Dinosaurier wirklich ausstarben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.