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Aktienmarkt : Dividende für alle!

Bild: © Alexandros Tzimeros/Smart MAGN

Aktionäre können 2013 mit Rekorddividenden rechnen. Die hohen Summen für 2012 machen Anleger neugierig. Vor allem die Investition in Chemie- und Ölwerte kann sich lohnen.

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          Am Ende ist es immer am schönsten: Kaum ist die Hauptversammlung vorbei, rieselt der Geldregen. Denn am Tag nach dem Aktionärstreffen bekommen die Anteilseigner ihre Dividende für das zurückliegende Geschäftsjahr bezahlt. Für 2012 wird sie so hoch ausfallen wie noch nie: Mit voraussichtlich 28,4 Milliarden Euro schütten die 30 Dax-Unternehmen eine Rekordsumme aus. In den nächsten zwei Wochen geht es los, dann veranstalten die ersten beiden Firmen ihre Hauptversammlung.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die hohen Ausschüttungen sind Resultat eines sehr guten Geschäftsjahres für die deutschen Firmen. Steigen die Gewinne, wird daraus auch mehr an die Aktionäre ausbezahlt. Um rund drei Prozent dürfte die Dividendensumme in diesem Jahr wachsen. Üblicherweise werden 30 bis 50 Prozent des Nettogewinns ausgeschüttet.

          Aber es gibt auch Unternehmen, die stark wachsen und dafür ihren gesamten Gewinn einsetzen. Sie verzichten dann auf eine Dividende. Im Dax machen das für 2012 allerdings nur Thyssen-Krupp und die Commerzbank - und dies nicht, weil sie Wachstumsunternehmen sind, sondern weil sie derzeit wenig oder nichts verdienen. Thyssen beginnt auch kommende Woche mit der Hauptversammlungssaison. Es folgt Siemens am 23. Januar. Beide sind so früh dran, weil ihr Geschäftsjahr schon im September endete. Die anderen Dax-Werte schütten im April und Mai aus.

          Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2012

          Die Rekordsummen für 2012 machen Anleger noch neugieriger. Sie kaufen eh schon so viele Aktien wie lange nicht mehr. In der vergangenen Woche ist so viel Geld wie seit fünf Jahren nicht mehr in die Aktienmärkte geflossen. Stark gefragt sind dabei Aktien mit hohen Dividenden. Denn sie schütten mehr aus, als es derzeit an Zinsen mit Anleihen zu verdienen gibt - meist sogar mehr, als die Anleihen des gleichen Unternehmens abwerfen. Das lockt vor allem Versicherungen und Pensionskassen, die regelmäßige Erträge brauchen und mit den Mini-Zinsen am Anleihemarkt hadern. Aber auch Privatanleger, die mit den Ausschüttungen ihr Einkommen aufbessern wie etwa Rentner.

          Dividendenstarke Aktien haben aber noch zwei weitere Vorteile: Zum einen wirtschaften solche Unternehmen solider, denn sie schaffen es, über viele Jahre die Dividende zumindest nicht zu kürzen. Zum anderen schwankt der Gesamtertrag für den Anleger aus Dividende und Kursgewinn nicht so stark. Denn die Ausschüttung ist viel stabiler als der Kurs. Beide Argumente führen dazu, dass auch Anleger sich die Aktien ansehen, die keine regelmäßige Dividende brauchen. Gerade für langfristig orientierte Anleger werden solche Werte zurecht immer wieder von den Bankberatern empfohlen.

          Um dividendenstarke Unternehmen zu finden, hilft eine Kennzahl: die Dividendenrendite, also die erwartete Ausschüttung im Verhältnis zum aktuellen Kurs. Ist diese Kennzahl hoch, bedeutet das: Die Dividende ist lukrativ. Für Dax-Werte liegt die Dividendenrendite derzeit bei durchschnittlich 3,4 Prozent, manche Unternehmen zahlen aber bis zu 8 Prozent.

          Am meisten bieten derzeit die Deutsche Telekom, Eon und RWE. Das zeigt aber auch schon die Gefahr, wenn Anleger nur auf die Dividendenrendite achten. Sie tappen in sogenannte Dividendenfallen: Denn wenn der Kurs fällt, steigen rechnerisch die Dividendenrenditen und machen die Aktien attraktiver. Das führt dann aber oft in die Irre. Der fallende Kurs signalisiert, dass es der Firma schlechter geht. Zeitversetzt sinkt dann häufig die Dividende. Mindest aber sorgt der Kursverlust dafür, dass der Ertrag mit dieser Aktie nicht zufriedenstellend ist.

          Solche Fallen gab es zuletzt 2012. Eon und RWE glänzten anfangs mit hohen Dividendenrenditen. Doch die Folgen der Energiewende drückten ihre Gewinne so stark, dass sie zu den Kursverlierern des Jahres wurden. Für das laufende Geschäftsjahr hat Eon schon angekündigt, die Dividende zu senken. RWE könnte folgen. Die Deutsche Telekom ist sogar eine Dauer-Dividendenfalle. Seit Jahren dümpelt der Kurs dahin oder verliert sogar, nur die hohe Dividende sorgte für Glanz. Doch damit ist nun Schluss. Für 2013 sinkt die Ausschüttung erstmals.

          Es kommt daher bei der Auswahl neben einer attraktiven Dividendenrendite auch darauf an, wie die Gesamtlage des Unternehmens ist: Steigert es den Gewinn regelmäßig? Ist die Verschuldung niedrig, damit es den Gewinn nicht für die Tilgung verwenden muss? Kann es die Dividende über viele Jahre stetig steigern oder zumindest stabil halten? Das sind die wichtigsten Fragen. „Für die Münchener Rück und die Deutsche Post, die auch mit hohen Dividendenrenditen glänzen, gilt das“, sagt Berndt Maisch, der Manager des Fonds „LBBW Dividenden Strategie Euroland“, der in dividendenstarke Aktien aus dem Euroraum investiert. Solche aktiv verwaltete Fonds sind der bessere Weg, auf diese Strategie zu setzen als Indexfonds, die nur Titel mit den höchsten Dividendenrenditen kaufen und damit in die Dividendenfalle tappen können.

          Wer auf hohe Ausschüttungen setzt, sollte auch mindestens den Euroraum im Blick haben und nicht nur den Dax. Denn so kann er vom Ölsektor profitieren. Werte wie Total oder Eni werfen stabile und attraktive Dividenden ab. Auch Chemiefirmen wie etwa BASF oder DSM gehören dazu, meint Berndt Maisch. Und die Versicherungen solle man auch nicht unterschätzen. Sie profitierten von der Erholung in der Euro-Krise und zahlten gute Dividenden. Für das laufende Geschäftsjahr 2013 erwartet Maisch, dass außer der Telekom, Eon und RWE alle Dax-Firmen die Ausschüttungen erhöhen oder stabil halten. Im Euro Stoxx 50 werden wohl nur Arcelor, France Télécom und eventuell die spanischen Großbanken die Ausschüttungen senken. Die Dividendenparty kann also weitergehen.

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