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Aktienmarkt : Die größten Kapitalvernichter

  • -Aktualisiert am

Die Sonneningenieure von Centrotherm sorgten 2012 für Dunkelheit Bild: dapd

Die Anlegerschützer der DSW haben die größten Kapitalvernichter vorgestellt. Wieder ganz vorn: die Solarbranche. Doch auch Anleihen werden immer mehr zum Thema.

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          Das erfolgreiche zurückliegende Börsenjahr schützte Anleger nicht vor herben Verlusten. Zwar legte der Dax 29 Prozent zu, in der die Krise umfassenden Fünfjahresfrist bleibt aber immer noch ein Verlust von 5,4 Prozent.

          Noch katastrophaler ist das Bild, dass die 50 größten Kapitalvernichter abgeben, die die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) einmal jährlich ermittelt. Insgesamt sank der Wert der 50 gelisteten Werte in den zurückliegenden Jahren 81 Prozent.

          Energiewende nach unten

          Abermals sind es Unternehmen aus der Branche der Erneuerbaren  Energien, die hier die größte Rolle spielen. Fünf der zehn größten Wertvernichter, deren Wert in den vergangenen fünf Jahren um insgesamt 10 Milliarden Euro schrumpfte, stammen aus der Solarbranche. Die Fünfjahresfrist ist für die Bewertung maßgebend und wird für die Negativ-Rangliste. Die Gesellschaft mit der höchsten Kapitalvernichtung in dieser Zeit erhält einen Malus von 500 Punkten. Für den 3-Jahres-Zeitraum gibt es höchstens 300 Minuspunkte, für ein Jahr  200 Punkte. 1000 Minuspunkte sind damit das schlechtmöglichste Ergebnis.

          Den Spitzenplatz nimmt mit 997 Minuspunkten der auf die Photovotaik spezialisierte Maschinenbauer Centrotherm ein, der im Juli in die Insolvenz ging. Der Aktienkurs fiel allein 2012 um fast 92 Prozent. Platz zwei mit 925 Minuspunkten nimmt  der ehemalige Branchenprimus Solarworld ein, vor der Phoenix Solar mit 915 Zählern.

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          Aber auch die klassische Energieversorger wie Eon und RWE sorgten nicht gerade für Freude. Im Gegenteil finden sich die beiden im Dax gelisteten Großkonzerne auch auf der DSW-Liste, und zwar mit 557 bzw. 494 Minuspunkten auf den Plätzen 35 und 43. Allerdings hat die RWE-Aktie auf Sicht des vergangenen Jahres immerhin ein Plus von mehr als 9 Prozent verzeichnet. Aus dem Dax mit dabei ist neben der jetzt abgestiegenen Metro auch die Commerzbank. Alle vier zusammen waren für einen Wertverlust von 100 Milliarden Euro verantwortlich.

          Biotech mit Tücken

          Doch es ist nicht nur die Energiebranche allein: Mit Wilex und Sygnis sind auch zwei Biopharma-Unternehmen in der Spitzengruppe der Kapitalvernichter zu finden. Allein 2012 fiel der Kurs von Wilex um 74 Prozent, nachdem im vergangenen Oktober das Nierenkrebsmedikament Rencarex, Hoffnungsträger für einen Umsatz von 500 Millionen Euro in der sogenannten Phase III durchfiel. Der Wirkstoff konnte das krankheitsfreie Gesamtüberleben nicht signifikant verbessern.

          Anleger sollten sich davor hüten, Trends zu folgen, sagt DWS-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler - „vor allem, wenn sie am Subventionstropf der Regierung hängen, wie die Solarbranche“. Es sei die Energiewende gewesen und keine hausgemachten Probleme, die die Aktienkurse der Energieunternehmen ins Minus drückte. „Die 100 Milliarden Wertverlust von Eon und RWE sind ein Baustein der 1 Billion Euro, die Umweltminister Peter Altmaier für die Energiewende veranschlagte.“ Die großen Versorger müssten die Wende nun ohne, die geplante zwanzigjährige Überbrückungsfinanzierung durch die Atomenergie schaffen, sagte DSW-Vizepräsident Klaus Nieding.

          Neues Problemfeld Anleihen

          Einheitlich sei das Bild der 50 Wertvernichter allerdings nicht. „Verluste sind kein Verkaufssignal, wenn ein funktionierendes Geschäftsmodell in den Unternehmen erkennbar ist“, sagte Nieding. Kandidaten dafür fand Nieding allerdings kaum. „Die großen Unternehmen vielleicht“. Die zur Unterstützung von Anlageentscheidung konzipierte Liste sei nur ein retrospektives Werkzeug. So sollen Investoren auch auf Dividendenzahlungen achten. Zwar stehe etwa im Dax ein neues Rekordjahr bevor, doch zahlten sechs Unternehmen – Eon, Lufthansa, Thyssen-Krupp, Deutsche Telekom, Man und Münchner Rück – ihre Aktionärsvergütung aus der Substanz und nicht als Gewinnanteil, sagte Nieding. „Die Aktionäre zahlen an sich selbst, während sich das Eigenkapital verringert.“

          Ein weiteres Problem sehen die Anlegerschützer beim Umgang mit Anleihen. Während die Negativliste allein Aktien betrachte, sei der Anleihemarkt schon dadurch kompliziert, dass viele Anleger ihre Rolle als Anleihegläubiger falsch verstünden, wenn sie sich als Miteigentümer sehen, was sie nicht sind. Deswegen müssen sie auch nicht in voller Form für Verluste haften . Allerdings gelinge die Bündelung der Anlegerinteressen gegenüber der Unternehmen per Gläubigerversammlung besser als mit der zersplitterten Aktionärsvertretung in Hauptversammlungen. Weil die Zahl der Zahlungsausfälle bei Anleihen stark gestiegen sei, denke die DSW nun auch über eine Anleihe-Negativliste nach. Bereits die Hälfte der jährlich 30.000 Anfragen an die DSW hätten schon nichts mehr mit Aktien zu tun.

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