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Aktienmarkt : Chinas Unternehmen leiden unter Handelskrieg

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Starke Marken trotzen dem Handelskrieg: Milchtüten von China Mengniu Diary Bild: Reuters

Vor allem exportlastige chinesische Hersteller haben das Nachsehen. Deutlich besser sieht es mit auf den Binnenmarkt konzentrierten Unternehmen aus – was sich auch an der Börse zeigt.

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          Der Handelsstreit mit den Vereinigten Staaten schadet chinesischen Unternehmen. Das macht sich auch an der Börse bemerkbar. „Die Gewinne Chinas großer Industrieunternehmen sind offiziellen Zahlen zufolge seit Jahresbeginn um 1,7 Prozent gefallen, die staatlicher Großunternehmen sogar um 8,1 Prozent“, schrieb der Fondsmanager George Efstathopoulos in einem Marktkommentar vom Donnerstag. Die Zahlen beziehen sich auf die Monate Januar bis Juli.

          Efstathopoulos leitet den China-Multi-Asset-Fonds von Fidelity International. Verantwortlich für den Gewinnrückgang seien die Spannungen im internationalen Handel und die sich abflachende Konjunktur. Aus Sicht des Fondsmanagers können sich einzelne chinesische Unternehmen jedoch von dieser negativen Entwicklung abkoppeln, sofern sie ihre Geschäfte auf Chinas Binnenmarkt betreiben und kaum vom Export abhingen. Diese Inlandsunternehmen haben sich laut Efstathopoulos mit einem Gewinnplus von 7 Prozent seit Jahresbeginn gut entwickelt. Das zeige sich auch in Form der Aktienkurse. „Beim Performance-Vergleich schlagen chinesische Inlandsunternehmen große chinesische Exportwerte seit Jahresbeginn deutlich“, so der Fondsmanager.

          Zu den Gewinnern zählt er etwa Unternehmen aus der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie. Der Abschwung treffe zwar auch den Konsum, doch könnten Unternehmen mit starken Marken von den Veränderungen in der chinesischen Wirtschaft sowie von ihrer Preismacht profitieren, obwohl die Verkäufe im Einzelhandel kürzlich deutlich gesunken sind. Beispiele solcher auf den Binnenmarkt orientierter Markenhersteller sind der Schnapsbrenner Kweichow Moutai, der Milchproduktriese China Mengniu Diary oder das Sportartikelunternehmen Li Ning.

          Versicherungsunternehmen bieten laut Efstathopoulos ebenfalls gute Perspektiven. Trotz sinkender Zinsen steigen ihre Gewinne, weil viele Chinesen ihre traditionellen Ersparnisse und Immobilieninvestitionen immer häufiger in Finanzprodukten anlegten. Auf den Binnenmarkt konzentrierte Unternehmen könnten zudem von staatlichen Infrastrukturprogrammen, Steuersenkungen und einem Abbau der Bürokratie profitieren. Peking werde vor dem 70. Gründungsjubiläum der Volksrepublik nicht die geldpolitischen und fiskalischen Zügel anziehen.

          Dagegen leiden chinesische Technologieaktien laut dem Fondsmanager stärker unter dem Handelsstreit zwischen China und den Vereinigten Staaten. Zudem litten Zulieferer der Technologieunternehmen unter der gesunkenen Nachfrage nach Smartphones. Das Blatt wenden könnte eine Entspannung im Zollkonflikt sowie die Aufrüstung auf den neuen Mobilfunk-Standard 5G.

          Die Aktienmärkte in und um China haben sich in diesem Jahr sehr unterschiedlich entwickelt. Der Börsenindex CSI 300 mit den in chinesischer Währung gehandelten 300 wichtigsten Unternehmen an den Börsen Schanghai und Shenzhen legte um 28 Prozent zu. Der Index Hang Seng der Hongkonger Börse dagegen verlor nach den Protesten in der Sonderverwaltungszone fast seine gesamten Jahresgewinne und liegt nur noch 2 Prozent im Plus. Taiwans Börsenindex Taiex gewann seit Jahresanfang knapp 10 Prozent.

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