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Aktienmärkte : Fonds nehmen gezielt kosmetische Korrekturen vor

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Hektisches „Window Dressing“ zum Jahresende, kurz vor Aufstellung der Jahresberichte, als Grenzfall: Auffällige Kursausschläge bei Technologiewerten.

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          Trotz der niedrigen Umsätze an den Aktienmärkten können die letzten Tage eines Jahres für einzelne Fondsmanager durchaus hektisch werden. Weil zum Jahreswechsel die Aufstellung der Jahresberichte ansteht, in denen alle im Portfolio gehaltenen Werte angegeben werden müssen, ist es durchaus üblich, sich vor dem entscheidenden Stichtag noch schnell von einzelnen Positionen zu trennen.

          Durch eine solche Vorgehensweise kann der Fondsmanager verhindern, daß in den Aufstellungen Aktien auftauchen, die bei den Anlegern unangenehme Fragen hervorrufen oder Zweifel an der Leistungsfähigkeit aufkommen lassen könnten. Daneben nutzen Fondsmanager zuweilen die vergleichsweise niedrigen Börsenumsätze in den letzten Tagen eines Jahres, um den Wert einzelner im Depot gehaltener Aktien durch gezielte Nachkäufe in die Höhe zu treiben, was im Idealfall zu einem wichtigen Stichtag wie dem Jahreswechsel die Wertentwicklung eines Fonds im Vergleich zu Konkurrenzprodukten um entscheidende Punkte nach vorn bringen kann.

          Das „Gerümpel“ soll unauffälliger werden

          In der Finanzbranche werden diese vor allem zum Jahreswechsel zu beobachtenden Aktivitäten "Window Dressing" genannt. "Kurz gesagt, geht es dabei darum, das Schaufenster eines Fonds besser aussehen zu lassen und das Gerümpel dahinter zu verdecken", sagt ein Mitarbeiter einer größeren Fondsgesellschaft. Als Beispiel nennt er den italienischen Lebensmittelkonzern Parmalat. Einige Fondsmanager würden sich bestimmt nicht gern die Blöße geben wollen, den rechtzeitigen Absprung aus diesem skandalgeschüttelten Unternehmen verpaßt zu haben.

          "Window Dressing"-Aktivitäten werden am Markt auch hinter der jüngsten Kursschwäche von kleineren und mittelgroßen Technologiewerten vermutet. Tatsächlich ist auffällig, daß bei Tec-Dax-Werten wie Adva, Teles oder Web.de im Laufe des Dezember ein ausgeprägter Kursabschwung einsetzt, ohne daß sich an der Nachrichtenlage aus den Unternehmen groß etwas geändert hat. Marktteilnehmer bringen diese Kursentwicklung unter anderem mit Standardwertefonds in Zusammenhang. Diese seien im Laufe des zweiten Halbjahres in solche Werte eingestiegen, um für die Aufbesserung ihrer Wertentwicklung den größeren Kurshebel solch schwankungsanfälliger Werte zu nutzen. Zum Jahresende müßten sich die Fondsmanager dann aber wieder geräuschlos aus den entsprechenden Aktien verabschieden, weil eine offizielle Aufführung im Jahresbericht bei konservativen Anlegern, die zumeist in Standardwertefonds investiert sind, unangenehme Fragen aufwerfen dürfte.

          Die immer wiederkehrenden kosmetischen Portfoliokorrekturen vor einem wichtigen Stichtag wie dem Jahreswechsel sind zwar legal, werden aber auch innerhalb der Investmentbranche als Grenzfall angesehen. Vor allem die Kurspflege in einem umsatzschwachen Marktumfeld ist umstritten. Der Effekt eines solchen Vorgehens währt nur kurz. Außerdem wird der Ausstieg aus den betreffenden marktengen Werten durch zusätzliche Käufe noch schwieriger, als es ohnehin schon war. Allerdings sei diese Vorgehensweise auf dem Rückzug, sagt ein Fondsmanager und verweist auf den Absturz von einzelnen Neuer-Markt-Fonds, die dieser Strategie folgten. "Man verliert dabei mehr nach unten, als man nach oben gewinnt", lautet seine Schlußfolgerung.

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