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Prognose öffentlicher Banken : Aktienmärkte bleiben von Turbulenzen unbeeindruckt

Bei den Bären sieht es etwas nach Winterschlaf aus. Auch die Bullen sind zurückhaltend. Im Herbst bewegen sich die Aktienmärkte seitwärts. Bild: dpa

Analysten der öffentlichen Banken sagen einen volatilen Herbst an den Börsen voraus. Letztlich bewegen sich die Märkte aber seitwärts – mit leicht positiver Tendenz.

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          Bullen und Bären sind sich uneins. Für die kommenden Monate erwarten die Analysten öffentlicher Banken an den Aktienmärkten eine Seitwärtsbewegung mit leicht nach oben gerichteter Tendenz. Unter dem Banner des Bundesverbandes öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) stellten am Mittwoch die Analyseabteilungen der Deka Bank, der LBBW, Bayern LB, Helaba und Nord LB ihre Zwölf-Monats-Prognosen vor. Die größten Fragen der Analysten betreffen die Beständigkeit der Inflation, die Dauer der Lieferengpässe, die Widerstandsfähigkeit internationaler Märkte gegen Schocks aus China und die Mäßigung der lockeren Geldpolitik.

          Gregor Brunner
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Moment ist eine kurzfristige Konsolidierung an den Aktienmärkten zu beobachten. Joachim Schallmayer, der die Bereiche Kapitalmärkte und Strategie bei der Deka Bank verantwortet, sieht einen Grund dafür in der momentanen Mangelwirtschaft. Zwar bestehe genügend Nachfrage, diese könne allerdings wegen Lieferengpässen und hohen Rohstoffpreisen nicht bedient werden. Daher vermutet er, dass der Aufwärtstrend an den Märkten nicht gebrochen, wohl aber verschoben sei. Volker Sack, Leiter des Bereichs Unternehmensanalysen der Nord-LB, geht von größerem Druck durch den Mangel an Vorprodukten sowie Logistikschwierigkeiten auf Wachstumserwartungen aus und warnt vor einer Fortsetzung der Konsolidierung.

          Gestiegene Rohstoff- und Energiepreise befeuern den Analysten zufolge Inflationssorgen. Die meisten nutzen in Bezug darauf das Wort „transitorisch“, gehen also von einer kurzfristigen Entwicklung aus. Man blickt mit Sorge auf die Möglichkeit, dass sich die Teuerung zwar verlangsamen wird, die Preise aber auf einem hohen Niveau verharren werden. Historisch betrachtet entwickelten sich Aktienkurse infolge höherer Inflationsraten nur moderat positiv, wie Uwe Streich, Aktienstratege der LBBW erklärt.

          Chinas Trägheit wiegt auf Weltmärkten

          Ebenso führt Streich aus, dass sich die „hausgemachte“ Konjunkturschwäche Chinas negativ auf die globalen Märkte auswirken könnte. Die Maßregelung immer weiterer Sektoren und die strikteren Auflagen, unter anderem für die Refinanzierung der Unternehmen des Immobiliensektors, welcher für rund ein Viertel der chinesischen Wirtschaftsleistung stehe, führten zu sinkenden Gewinnen. Die Schieflage des hoch verschuldeten Immobilienunternehmens Evergrande ist das sichtbarste Symptom der nachlassenden Konjunktur- und Gewinndynamik. Manfred Bucher von der Bayern-LB verzeichnet auch global ein Abflauen der starken Erholung. Nach dem Einbruch der Unternehmensgewinne 2020 und dem Anstieg um 40 bis 50 Prozent im Jahr 2021, sollen sich 2022 die Zuwächse in Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika auf 8 bis 9 Prozent beschränken.

          Als wichtigstes Argument gegen einen nachhaltigen Abschwung gilt weiterhin die Alternativlosigkeit von Aktien als Anlagemöglichkeit. Wenn auch einige, und vor allem amerikanische Aktien, überbewertet seien und sich diese Überbewertungen in begrenztem Aufwärtspotenzial äußern sollten, sieht die Helaba den Trend ungebrochen und temporäre Kurskorrekturen als Einstiegsmöglichkeit. Zwar wird ein Zurückfahren der Anleihekäufe der Notenbanken für Ende dieses Jahres erwartet, mit ersten Zinsschritten rechnen die Analysten aber erst in den Jahren 2023 bis 2024. Damit wird die Liquidität nicht mehr gestützt, versiegt aber dadurch nicht völlig. Weiterhin würden Ziele für Investitionen gesucht. Die Zwölf-Monats-Erwartungen für den Dax liegen daher zwischen 15.700 und 17.000 Punkten. Der Durchschnitt der fünf Werte beträgt 16.380 Punkte.

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