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Small Caps : Aktienkurse kleiner Unternehmen schwanken stark

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Der Betreiber des Karrierenetzwerkes Xing (hier auf einer Messe) ist börsennotiert. Bild: dpa

Anleger trauen kleinen und mittelständischen Unternehmen mehr Wachstum zu als börsennotierten Konzernen. Doch Vorsicht, denn die Kurse der Kleinen fallen nach Markteinbrüchen oft tiefer.

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          In Zeiten turbulenter Börsen leiden die Aktienkurse börsennotierter kleiner und mittlerer Unternehmen stärker als die von Schwergewichten. Andererseits haben die Ökonomen Eugene Fama und Kenneth French schon in den neunziger Jahren nachgewiesen, dass Aktien von Unternehmen mit geringem Marktwert (Small Caps) langfristig eine höhere Rendite erzielen als die von Konkurrenten mit besonders hoher Marktkapitalisierung (Large Caps). „Size Effect“ nennt sich dieser langfristige Renditevorsprung kleiner Börsenunternehmen im Kapitalmarktjargon.

          Fama wurde 2013 mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet, doch in der Praxis kann es für Small-Cap-Anleger zu Durststrecken kommen, und zwar zu ziemlich langen. Darauf weist Sven Lehmann hin, der den Fonds „HQT Global Quality Dividend“ leitet. Das für den Fonds zuständige Unternehmen HQ Trust verwaltet die Vermögen von Privatpersonen, Familien und Stiftungen und berät institutionelle Investoren. Es gehört zur Harald Quandt Gruppe.

          Experte Lehmann hat untersucht, wie hoch der Mehrertrag des MSCI-Small-Cap-Index mit kleinen Unternehmen gegenüber dem allgemeinen MSCI-Index in verschiedenen Regionen und Zeiträumen ausgefallen ist. Sein Ergebnis: „Auch die Small Caps sind zuletzt relativ gesehen schlecht gelaufen.“ Selbst über längere Zeiträume konnten sie keinen Mehrwert liefern.

          Der von den Ökonomen Fama und French nachgewiesene Size-Effekt habe sich in den vergangenen zehn Jahren daher nicht materialisiert. In Amerika und in Entwicklungsländern haben Großunternehmen sogar besser abgeschnitten als die Kleinen. Und auf Jahressicht seien die Small Caps in sämtlichen Regionen hinter den Konzernen zurückgeblieben. Im Mittel schnitten sie laut Lehmann knapp 7 Prozent schlechter ab als die Vergleichsgruppe.

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          Sollten Anleger daher trotz des Size Effect die Finger von kleinen Börsenwerten lassen? Für Marc Decker von Merck Finck Privatbankiers wäre das der falsche Schluss.

          Die Privatbank verwaltet die Vermögen von Privatkunden, Unternehmen und Institutionen wie Kirchen – Decker leitet das Vermögensmanagement. Aus seiner Sicht hat die Börse Mittelstandsaktien für den Handelskrieg und den befürchteten Brexit – teils völlig zu Unrecht – regelrecht abgestraft. Dabei hätten sich die Aktienkurse dieser Unternehmensgattung nach einem desaströsen vierten Quartal 2018 im Verlauf dieses Jahres zunächst erholt. „Wer genau hinschaut, findet gerade jetzt die interessantesten Kaufgelegenheiten“, meint der Vermögensmanager. Mittelstandsaktien, zu denen auch die kleinen Small Caps gehören, profitierten in den Augen der Investoren von größeren Wachstumserwartungen und seien daher relativ gesehen höher bewertet.

          Für die Beurteilung von Mittelstandsaktien sei die ansonsten häufig verwendete Kennzahl der Dividendenrendite weniger aussagekräftig. Diese stellt die künftigen Ausschüttungen je Aktie ins Verhältnis zum Börsenkurs und soll daher anschaulich zeigen, was interessierte Anleger mit dem Kauf des Wertpapiers verdienen könnten. Für die Beurteilung von Small Caps jedoch sollten Anleger nach Deckers Empfehlung stattdessen auf eine niedrige Verschuldung, ein starkes Umsatzwachstum oder auf hohe Profitabilität achten.

          Allerdings räumt auch Decker ein, dass die Kurse von Mittelstandsaktien in einem sich eintrübenden Marktumfeld meist größere Schwankungen erfahren als die von größeren Unternehmen in den Leitindizes Dax oder Euro Stoxx. Das habe sich im dritten Quartal bemerkbar gemacht, etwa bei Aixtron (Anlagenbau), New Work (Karrierenetzwerk Xing), Wacker Neuson (Baumaschinen), Dürr (Maschinenbau) oder Jungheinrich (Gabelstapler). Decker sieht die Kursrückgänge dieser Unternehmen jedoch als Chance für Anleger, die deutsche Mittelstandsaktien trotz Konjunkturkrise und Handelskrieg keinesfalls links liegenlassen sollten.

          So hat auch das Analysehaus Warburg Research am Mittwoch seine Kaufempfehlung für den Baumaschinenhersteller Wacker Neuson beibehalten, obwohl das Unternehmen davor gewarnt hatte, seine Gewinnprognose nicht einhalten zu können. Für Jungheinrich dagegen bleibt die Bank of America bei ihrer Verkaufsempfehlung, da der Markt für Gabelstapler insgesamt im Abschwung sei.

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