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Aktienkurse der Energiekonzerne : RWE hängt Eon an der Börse ab

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Die Zentrale des Energiekonzerns in Essen. Die RWE-AKtie erholt sich vom tiefen Kursverfall Bild: dpa

Mit den beiden großen Versorgerwerten machen die Anleger derzeit ganz unterschiedliche Erfahrungen. Während die RWE-Aktie zu den Lieblingen der Börse zählt, hinkt der Eon-Kurs hinterher.

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          Zum Wochenschluss hat die RWE-Aktie ihren Aufstieg fortgesetzt und erstmals seit einem halben Jahr einen Kurs von 35 Euro erreicht. Seit der Kapitalerhöhung Anfang Dezember hat die Aktie des größten deutschen Stromproduzenten rund 8 Euro zugelegt. Und mit dem seit Jahresbeginn zu beobachtenden Kursgewinn von 28 Prozent hat das Papier den Konkurrenten Eon weit abgehängt. Der Kurs der Eon-Aktie schwankt seit Monaten wie ein Sägezahn zwischen 16 und 18 Euro und hat den seit Januar anhaltenden starken Aufschwung des Dax regelrecht verpasst. Sie kommt gerade auf 5 Prozent Kurssteigerung.

          Dieser gute Lauf bei RWE ist freilich überwiegend auf eine technische Reaktion zurückzuführen. Bis sich die Essener Anfang Dezember durch eine Kapitalerhöhung und den Verkauf eigener Aktien rund zwei Milliarden Euro frisches Kapital beschafften, stand die Aktie stark unter Druck. Die wachsende Verschuldung bedrohte das A-Rating. So war zu befürchten, dass RWE das Programm zum Verkauf von Vermögenswerten im Gesamtumfang von 11 Milliarden Euro mit Ausverkaufspreisen beschleunigen würde. „Der RWE-Kurs ist im Zusammenhang mit der Kapitalerhöhung regelrecht ausgebombt gewesen“, meint der Frankfurter Macquarie-Analyst Matthias Heck.

          Zu der technischen Erholung gesellen sich freilich noch andere stimulierende Effekte. Der designierte Vorstandsvorsitzende Peter Terium wird zwar erst am 1. Juli sein Amt übernehmen. Aber RWE-Chef Jürgen Großmann lässt dem Niederländer schon großen Raum, seine Strategie vorzubereiten. Gab es nicht schon einmal einen Niederländer auf dem RWE-Chefsessel, der 2003 beim RWE-Kurs von 17 startete und 2007 bei knapp 100 Euro wieder ausschied. Mancher Anleger hat damals zunächst den mit Konsolidierungsauftrag angeworbenen Harry Roels unterschätzt und möchte diesen Fehler nicht wiederholen. Freilich sind die Voraussetzungen für Terium nach Atomausstieg und Energiewende völlig anders und seine Aufgabe, RWE ein neues Geschäftsmodell zu verpassen, ungemein schwieriger. Aber erste Informationen über das Effizienzprogramm RWE 2015 sind am Markt gut angekommen.

          Die Kursentwicklung vom 1.9.2011 bis 2.3.2012
          Die Kursentwicklung vom 1.9.2011 bis 2.3.2012 : Bild: F.A.Z.

          Zusätzlich zu den 1,5 Milliarden Einsparungen aus dem bis Ende 2012 laufenden Sparprogramm will Terium in den beiden Folgejahren die Kosten um eine weitere Milliarde senken. „Damit bietet RWE mehr Restrukturierungsphantasie als der Eon-Konzern, der mit seinem Effizienzprogramm schon ein Stück weiter ist“, sagt LBBW-Analyst Berhard Jeggle. Der Kapitalmarkt hofft nun, dass bei der Vorlage des Geschäftsberichts 2011 am 6. März von RWE konkrete Ankündigungen kommen, in welchem Umfang diese neuen Einsparungen die Ergebniserwartungen in der mittelfristigen Prognose beflügeln werden. Auch eilt Terium der Ruf voraus, er könne die von Großmann angeprangerten Probleme im Konzern eleganter angehen und weniger Gegenwind erzeugen.

          Im schwierigen Marktumfeld - nicht nur für RWE und Eon, sondern für die ganze europäische Versorgungsbranche - sind vorläufig keine nachhaltigen Verbesserungen absehbar. Nicht zuletzt durch die vor allem in Süd- und Osteuropa schlechte wirtschaftliche Lage sorgen Überkapazitäten für erheblichen Preisdruck. Am Gasmarkt leiden die etablierten Versorger unter ihren Langfristverträgen für ölpreisgebundenes Gas. Der Höhenflug der Ölnotierungen wird den Preisabstand zwischen ölpreisgebundenem und frei gehandeltem Erdgas weiter vergrößern.

          Bei solchen Rahmenbedingungen geht Peter Wirtz von der West LB davon aus, dass sich fundamental selbst im nächsten Jahr für die Aktien der beiden großen deutschen Versorger wenig ändern wird. RWE und Eon steuern mit ihren Effizienzprogrammen zwar vielversprechend gegen die schlechten Rahmenbedingungen an. Dabei wird dem Eon-Vorstandsvorsitzenden Johannes Teyssen zugutegehalten, dass er sehr konsequent sein Effizienzsteigerungsprogramm abarbeitet und auch eine Verständigung mit der Mitbestimmung für den scharfen Arbeitsplatzabbau erreichte. Aber es fehlen Erfolgsnachrichten. Auch arbeitet Eon mit seinem Strom- und Gasgeschäft gegenwärtig etwas unter Plan, RWE etwas über Plan. Ein wichtiger Grund dafür ist der Braunkohlekraftwerkspark der Essener, mit dem RWE dank sehr niedriger Preise für die Emissionsrechte viel Geld verdient. Das entspricht nicht gerade den Zielen der Energiewende.

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