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Konzernchef geht : Qiagen-Aktienkurs bricht ein

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Qiagen hat sich auf Gentests spezialisiert, blickt nun aber etwas vorsichtiger in die nähere Zukunft. Bild: dpa

Der Aktienkurs von Qiagen stürzt um mehr als ein Fünftel ab. Nicht nur der überraschende Abgang des Konzernchefs verstimmt die Anleger des Gendiagnostik-Spezialisten.

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          Ein vorsichtigerer Umsatzausblick und der überraschende Abgang des Konzernchefs verstimmen die Anleger des Gendiagnostik-Spezialisten Qiagen. Nach dem Rücktritt von Peer Schatz als Vorstandschef soll vorerst der für das Geschäftsfeld Molekulardiagnostik zuständige Thierry Bernard das Unternehmen führen, während der Aufsichtsrat einen neuen Konzernchef sucht. An der Börse sorgte dieser Mix an Nachrichten für einen massiven Kurseinbruch: Der Aktienkurs brach am Dienstag um mehr als 20 Prozent ein, der größte Kurssturz seit dem Jahr 2002.

          Sorgen bereitet Qiagen derzeit vor allem das China-Geschäft. Dieses habe sich über eine bereits aufgekündigte Partnerschaft in dem Land hinaus schlechter entwickelt als erwartet, teilte der Konzern am Montagabend im niederländischen Venlo mit. Deswegen geht das Management auch von einem niedrigeren Wachstum für das dritte Quartal aus als zunächst prognostiziert.

          So dürfte das Umsatzwachstum währungsbereinigt vorläufigen Schätzungen zufolge rund 3 Prozent betragen haben, anstelle der avisierten 4 bis 5 Prozent. Ohne das China-Geschäft hätte Qiagen ein Wachstum von währungsbereinigt etwa 6 Prozent erreicht, hieß es. Das um Sonder- und Währungseffekte bereinigte Ergebnis je Aktie sollte mit etwa 0,35 bis 0,36 US-Dollar im Rahmen der Prognosen liegen. Die ausführlichen Zahlen will das Unternehmen am 30. Oktober vorstellen.

          Nicht die erste Enttäuschung

          Es ist nicht die erste Enttäuschung bei Qiagen. Bereits bei der Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal hatte der Konzern im Zusammenhang mit der aufgekündigten China-Partnerschaft die Ziele für das Gesamtjahr gesenkt. Um Ressourcen freizusetzen und Kosten zu sparen, kündigte Qiagen nun zudem eine Restrukturierung an. Qiagen will die Fertigung von einer globalen auf eine regionale Struktur umstellen und die Aufgabenbereiche der Qiagen Business Services Centers in Wroclaw (Polen) und Manila (Philippinen) ausbauen. Die Initiativen sollen zum Jahresende abgeschlossen sein.

          Qiagen sieht den Restrukturierungsaufwand für all diese Maßnahmen bei etwa 260 bis 265 Millionen Dollar vor Steuern, die überwiegend im dritten Quartal verbucht werden sollen. Dabei könnte es auch zu einem Stellenabbau kommen. Über eine mögliche Höhe ist nichts bekannt, jedoch erklärte das Unternehmen, dass ein solcher sozialverträglich ablaufen werde.

          Analysten sind überrascht

          Analyst Tycho Peterson von der Bank JP Morgan sprach in einer ersten Reaktion von enttäuschenden Ausblick für das dritte Quartal. Das geringere Wachstum und der Chef-Rücktritt ließen mehr
          Unsicherheit in puncto des kurz- und mittelfristigen Ausblicks aufkommen. Der Experte stufte die Aktien von „Neutral" auf „Underweight" ab. Das Analysehaus Jefferies hat dagegen Qiagen auf „Hold“ mit einem Kursziel von 31 Euro belassen. Das Gendiagnostik- und Biotech-Unternehmen gehe nun einer unsicheren Periode entgegen, schrieb Analyst Peter Welford.

          Die Privatbank Berenberg hat Qiagen derweil auf „Buy“ mit einem Kursziel von 36 Euro belassen. Die wichtigste Neuigkeit sei der angekündigte Rücktritt des langjährigen Vorstandschefs Peer Schatz gewesen, schrieb Analyst Scott Bardo. Weitere negative Nachrichten, etwa zum Umsatzwachstum im dritten Quartal, seien keine wirkliche Überraschung für ihn gewesen, auch wenn sie den Markt bewegten und die Aktien belasteten. Bardo sieht im aktuellen Kursverlust eine gute Kaufgelegenheit.

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