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F.A.Z. exklusiv : Aktienkurs von Hapag-Lloyd ruft Bafin auf den Plan

Containerschiff von Hapag-Lloyd Bild: dpa

Der steile Kursanstieg der Reederei aus Hamburg gibt Rätsel auf. In knapp fünf Wochen legten die Aktien um 170 Prozent an Wert zu. Nun untersucht die Finanzaufsichtsbehörde Bafin die Vorgänge.

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          Die Kursentwicklung der Aktie von Hapag-Lloyd gibt Anlegern und Marktbeobachtern Rätsel auf. Am Mittwoch setzten die Anteilsscheine der Reederei aus Hamburg ihren steilen Anstieg fort und legten um 13,5 Prozent auf 166 Euro zu. Seit Anfang April ist der Wert damit um rund 170 Prozent in die Höhe geschnellt, obwohl die Corona-Krise die Schifffahrt massiv belastet und andere Branchenwerte wie A. P. Moller-Maersk aus Dänemark keine vergleichbare Entwicklung zeigen. Wie eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) auf Anfrage der F.A.Z. mitteilte, wollen sich die Fachleute der Wertpapieraufsicht die Kurs- und Umsatzentwicklung der Hapag-Lloyd-Aktie „routinemäßig ansehen“.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Sie betonte, das sei ein „allererster Schritt“, um einen möglichen Marktmissbrauch zu identifizieren. „Finden wir in unseren Analysen Anhaltspunkte für Insidergeschäfte oder Manipulationen, starten wir eine Untersuchung.“ 

          Der Vorstandsvorsitzende von Hapag-Lloyd, Rolf Habben Jansen, hatte im Interview mit der F.A.Z. zu Beginn der Woche durchblicken lassen, dass die Kursentwicklung ihn ratlos macht. „Ich wüsste gerne, was da los ist. Aber ich habe ehrlich gesagt keine Erklärung“, sagte er. Fakt ist, dass der Anteil der Aktien im Streubesitz nach jüngsten Zukäufen zweier Großaktionäre, des Logistikunternehmers Klaus-Michael Kühne und der chilenischen Unternehmerfamilie Luksic, nur noch 3,6 Prozent beträgt, was den Titel anfällig für Schwankungen macht.

          In Branchenkreisen gibt es zudem Gerüchte, dass amerikanische Fonds zu Beginn der Corona-Krise mit Leerverkäufen auf einen fallenden Kurs gesetzt hatten. Da die Aktie von Hapag-Lloyd sich in der Zeit danach robuster gezeigt hat als erwartet, müssen die Spekulanten sich jetzt mit Papieren eindecken, um ihre geliehenen Titel zurückgeben zu können, koste es, was es wolle. Da die Zahl der frei verfügbaren Papiere stark limitiert ist, könnte das eine Erklärung für den Preisanstieg liefern. 

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