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Aktienindizes : Dax - Drei Buchstaben geben den Ton an

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Was verbirgt sich eigentlich sich hinter den vielbeachteten Buchstaben Dax? FAZ.NET stellt den Deutschen Aktienindex vor.

          3 Min.

          Wann ist eine Aktie eigentlich gut gelaufen und wann ist sie schlecht? Die Antwort lautet wie so oft im Leben: Es kommt darauf an, nämlich auf den Vergleichsmaßstab (in der Börsianersprache Benchmark genannt). In Deutschland legt der Deutsche Aktienindex die Meßlatte an, ob eine Aktie zu den „Outperformern“ (Aktien die besser abgeschnitten haben als der Vergleichsmaßstab) oder zu den „Underperformern“ gehört.

          In der aktuellen Form hat die Deutsche Börse den Dax zum 31. Dezember 1987 ins Leben gerufen. Zuvor galt der Index der Börsenzeitung als Benchmark. Zur Geburtsstunde notierte der Dax mit 1.000 Punkten und hat sich seitdem stetig - mit einigen Rücksetzern - nach oben gearbeitet. Im deutschen Blue-Chip-Index sind die 30 größten und umsatzstärksten an der Börse notierten Aktiengesellschaften vertreten. Größe wird dabei gleichgesetzt mit Marktkapitalisierung, sprich Anzahl der ausstehenden Aktien multipliziert mit dem Aktienkurs.

          Die Deutsche Börse berechnet den Dax als Performance- und Kursindex. Dabei ist der jederzeit präsente Dax der Performance-Index. Dieser aktualisiert sich alle 15 Sekunden auf Grundlage der Kurse im elektronischen Handelssystem der Börse Xetra und wird auch Xetra-Dax genannt. Die Börse ermittelt den Kursindex Dax dagegen nur einmal täglich zum Börsenschluss. Diese nicht so sehr beachtete Benchmark spiegelt die Kursentwicklung, bereinigt lediglich um Erträge aus Bezugsrechten und Sonderzahlungen wider. Beim Xetra-Dax fließen dagegen bei der Berechnung sämtliche Erträge aus Dividenden- und Bonuszahlungen wieder ins Indexportfolio zurück.

          Berechnung des Dax

          Der Dax ist im Gegensatz zum Dow-Jones-Index, der preisgewichtet ist, nach der Marktkapitalisierung gewichtet. Dabei wird die Marktkapitalisierung der 30 Blue-Chips aufaddiert und durch die summierte Marktkapitalisierung der Unternehmen am 31. Dezember 1987 geteilt und mit dem Basiswert 1.000 multipliziert. Hinzu kommt ein Bereinigungsfaktor, der Kapitalveränderungen, Bezugsrechte und Dividenden berücksichtigt sowie ein Verkettungsfaktor, der bei der Aufnahme von neuen Gesellschaften einen Indexsprung verhindert. Der Problem bei den nach der Marktkapitalisierung konzipierten Indizes ist, dass große Unternehmen stärker in die Berechnung einfließen. Somit unterstellt der Dax, dass Investoren ihr Kapital proportional zur Größe von Kapitalgesellschaft anlegen. Die Gewichtung von Einzelaktien im Dax ist jedoch auf 15 Prozent begrenzt.

          Rangliste entscheidet

          Wer in den Dax aufsteigt und wer den begehrten Platz wieder räumen muss, entscheidet formal der Vorstand der Deutschen Börse. Der Arbeitskreis Aktienindizes, der sich aus Vertretern von verschiedenen Banken zusammensetzt, erarbeitet jedoch Vorschläge. Turnusmäßig steht der Dax im Sommer auf dem Prüfstand, wobei Änderungen zum Verkettungstermin im September wirksam werden. Auswahlkriterien sind die Marktkapitalisierung und der Umsatz, diese werden monatlich von der Deutschen Börse in Form einer Rangliste veröffentlicht. Dax-Mitglieder können aus dem Index verbannt werden, wenn sie bei der Marktkapitalisierung oder dem Umsatz nicht unter die ersten 35 Plätze gelangen. Andersherum muss ein Anwärter auf den Dax bei beiden Kriterien auf den ersten 35 Rängen liegen.

          Neben den formalen Bedingungen, kann der Arbeitskreis auch weiche Faktoren wie den Streubesitz, der Verfügbarkeit am Markt und die Branchenzugehörigkeit bei der Auswahl berücksichtigen. Außerordentliche Anpassungen werden fällig, wenn beispielsweise Fusionen wie bei Viag/Veba oder die Übernahmen von Mannesmann durch Vodafone den Rahmen für die Unternehmen ändert. Unterjährig können auch Unternehmen in den Dax aufrücken, wenn sie bei der Rangliste auf den ersten 25 Plätzen landen wie beispielsweise die Deutsche Post in diesem Jahr.

          Aufsteiger und Absteiger

          Seit Bestehen des Dax mussten Feldmühle Nobel, Nixdorf, Deutsche Babcock, Continental, Metallgesellschaft, Bayerische Hypo- und Wechsel-Bank, Hoechst, Mannesmann, den Index verlassen, Veba und Viag wurden durch E.ON ersetzt. Aufgenommen wurden Preussag, SAP , Münchener Rück, Deutsche Telekom, adidas-Salomon, Fresenius Medical Care, Epcos, und Infineon.

          Ab dem kommenden Jahr stehen beim Dax große formale Änderungen ins Haus. Bislang fließen bei der Marktkapitalisierung alle ausstehenden Aktien ein, also auch diejenigen, die bei Großaktionären in festen Händen sind. Ab 2002 soll dagegen nur noch der Streubesitz berücksichtigt werden, so dass es im Dax zu Gewichtungsveränderungen kommen wird. Daneben soll nur noch eine Aktiengattung berücksichtigt werden, während derzeit noch Stamm- und Vorzugsaktien gemeinsam einfließen.

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