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Aktienfonds : Deutsche bevorzugen ausländische Aktienfonds

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Grund zur Freude: Merrill Lynch-Berater Lothar Späth Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Die letzten Trends dürften die deutsche Fondsbranche schmerzen: Immer mehr ausländische Anbieter wie Merrill Lynch und Fidelity haben sich auf dem hiesigen Markt etabliert. Nur Marktführer DWS kann sich im Vergleich behaupten.

          Die deutschen Anleger favorisieren bei einem Kauf von Aktienfonds ausländische Anbieter, während deutsche Fondsgesellschaften bei Rentenfonds zum Zuge kommen. Diesen Eindruck vermittelt zumindest die Absatzentwicklung im vergangenen Jahr. Nach den inzwischen vorliegenden Angaben zum Neugeschäft von fünf der größten ausländischen Anbieter (Fidelity, Franklin Templeton, Merrill Lynch, JP Morgan und Axa) haben diese zusammen 9,9 Milliarden Euro an zusätzlichen Mitteln für ihre Aktienfonds eingesammelt. Die deutschen Anbieter kamen nach der Absatzstatistik des Branchenverbandes BVI zusammen nur auf 2,7 Milliarden Euro. Umgekehrt ist dagegen das Bild bei Rentenfonds. Hier sammelten die deutschen Kapitalanlagegesellschaften 2005 gut 30 Milliarden Euro ein. Die fünf großen ausländischen Gesellschaften kommen zusammen gerade einmal auf rund eine halbe Milliarde Euro.

          „Überlegenheit statistisch nicht herleitbar“

          Da sich deutsche Fondssparer bei ihrer Auswahl insbesondere an der Wertentwicklung orientieren, trauen sie den Aktienfonds ausländischer Anbieter offenbar eine höhere Leistungsfähigkeit zu. Gerade diesen Eindruck versuchen die einheimischen Fondsanbieter jedoch zu entkräften. „Das ist zwar die landläufige Meinung, statistisch läßt sich die Überlegenheit aber nicht herleiten“, sagt etwa Axel Benkner, Sprecher der Geschäftsführung der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS. Tatsächlich stellt gerade seine Gesellschaft die Ausnahme unter den deutschen Fondsanbietern dar. Mit einem Nettomittelzufluß von rund 3 Milliarden Euro in Aktienfonds bügelt sie in der Branchenstatistik manchen Abfluß der deutschen Konkurrenz aus. Allerdings kann auch keine andere deutsche Fondsgesellschaft derzeit eine qualitativ ausgewogenere Produktpalette vorweisen, wie an der von dem Bad Homburger Fondsanalysehaus Feri erstellten Rangliste der Kapitalanlagegesellschaften ablesbar ist.

          Gemeinsam ist dem Absatzerfolg des Marktführers DWS und der großen ausländischen Gesellschaften neben der ausgewiesenen Leistungsfähigkeit in der Vergangenheit eine geschickte Vermarktung. Hiesige Käufer von Publikumsfonds reagieren auch sehr positiv auf schlüssige Anlagekonzepte. So punktete der Platzhirsch DWS im vergangenen Jahr vor allem mit seinem neuen Schwellenländerfonds BRIC Plus und den an der Dividendenrendite orientierten DWS Top Dividende. Fidelity hat den Verkaufserfolg in Deutschland vor allem dem Flaggschiff European Growth zu verdanken. Er trug mehr als die Hälfte zum Neugeschäft in Aktienfonds von rund 2,2 Milliarden Euro bei. Franklin Templeton mit einem Neugeschäft von 1,7 Milliarden Euro konnte wieder auf den traditionsreichen globalen Aktienfonds Templeton Growth setzen. Merrill Lynch profitierte von der Wahrnehmung als Spezialist für Rohstoffaktien und sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. JPMorgan verkaufte sich gut mit der Berücksichtigung psychologischer Aspekte (Behavioral Finance) im Investmentprozeß und setzte Fondsanteile in Höhe von rund 2 Milliarden Euro ab. Bei Axa Investment Managers mit einem Nettomittelzufluß von 1,5 Milliarden Euro zahlte sich eine „Produktfokusstrategie“ auf die nach einem computergestützten Investmentansatz geführten Axa-Rosenberg-Aktienfonds aus.

          Ausländische Anbieter haben sich etabliert

          Der Trend des Jahres 2005 dürfte die deutsche Fondsbranche aus zwei Gründen schmerzen: Zum einen sind Aktienfonds das lukrativere Geschäft, weil mit ihnen höhere Margen als mit Rentenfonds zu verdienen sind; zum anderen machen die Zahlen deutlich, daß sich die ausländischen Anbieter auf dem einst geschlossenen deutschen Markt inzwischen etabliert haben. Vor allem die seit der Jahrtausendwende zu beobachtende Öffnung von Banken und Sparkassen für den Verkauf gruppenfremder Fonds zeigt Wirkung. „Davon profitieren wir enorm“, sagt Achim Küssner, Geschäftsführer der Fondsgesellschaft von Merrill Lynch in Deutschland.

          Eine Berücksichtigung des Aktienfondsgeschäfts der ausländischen Gesellschaften relativiert auch das vorherrschende Bild von dem im internationalen Vergleich besonders risikoscheuen deutschen Anleger. Da für diese Vergleiche hauptsächlich die BVI-Zahlen herangezogen werden, kann dieser Eindruck tatsächlich entstehen. Allerdings ist hierbei auch eine Besserung in Sicht. Die ersten ausländischen Fondsanbieter haben das Angebot des deutschen Branchenverbandes BVI, die Absatzstatistik auch Nichtmitgliedern zu öffnen, angenommen. In der Monatsstatistik per Ende März werden deshalb erstmals auch Fidelity, Franklin Templeton, Invesco, M&G, Nordea, UBS und Credit Suisse vertreten sein.

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