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Aktienbörsen : Spekulationen auf Wirtschaftserholung treiben Dax

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Ermuntert von positiv interpretierten Konjunkturdaten herrscht „Die Grundtendenz geht im Moment einfach nach oben“, sagte ein Händler. „Es läuft derzeit ganz fantastisch. Ob das zur Realwirtschaft passt, ist aber eine ganz andere Geschichte“, sagte einer.

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          Die Erwartung einer weitergehenden wirtschaftlichen Erholung sorgt für Kaufstimmung an der Börse. Der Dax beendete den Handel am Montag 2,1 Prozent höher bei 5804 Punkten. Der MDax legte 1,8 Prozent auf 7440 Zähler zu. Auch der TecDax verbuchte mit plus 2,7 Prozent auf 782 Zähler einen kräftigen Zuwachs.

          „Die Grundtendenz geht im Moment einfach nach oben“, sagte ein Händler. Viele Börsianer sehen den Markt schon mitten in der Jahresendrally. „Es läuft derzeit ganz fantastisch. Ob das zur Realwirtschaft passt, ist aber eine ganz andere Geschichte“, sagte einer.

          Konjunkturdaten aus Japan und den Vereinigten Staaten positiv aufgenommen

          Unterstützung lieferten überraschend gute Umsatzzahlen der amerikanischen Einzelhändler im Oktober. Die amerikanischen Börsen legten im frühen Geschäft ebenfalls zu. Auftrieb gaben ferner Daten zum Bruttoinlandsprodukt von Japan, der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft. Diese ist im vergangenen Quartal mit einem Plus von 1,2 Prozent fast doppelt so stark gewachsen wie von Analysten erwartet.

          Spitzenreiter im Dax waren die Aktien von Thyssen-Krupp mit einem Kursplus von 4,5 Prozent. Die Analysten von JP Morgan und BoA/Merrill Lynch lobten die Fortschritte bei der Restrukturierung des Stahlkonzerns. Die Aktien des kleineren Konkurrenten Salzgitter stiegen um 4,4 Prozent und die Titel von Weltmarktführer Arcelor-Mittal 4,3 Prozent.

          Daimler gefragt, Aabar erwägt Anteilsaufstockung

          Daimler-Papiere verbuchten ein Plus von 4,4 Prozent. Die Investmentgesellschaft Aabar aus dem Emirat Abu Dhabi hatte erklärt, sie erwäge die Erhöhung ihres Anteils von 9,1 Prozent an dem Autobauer. Die Aktien des Münchener Konkurrenten BMW legten 3,4 Prozent zu. Porsche-Aktien verteuerten sich um 5,4 Prozent. Zuvor hatte Reuters aus Kreisen erfahren, dass der VW-Aufsichtsrat am Donnerstag die Verträge über den Zusammenschluss mit Porsche absegnen soll. VW wollte sich dazu nicht äußern.

          Gefragt waren auch die Papiere des Chipherstellers Infineon, die sich um 3,3 Prozent verteuerten. „Man erwartet, dass die Zahlen am Donnerstag nicht so schlecht ausfallen und Infineon einen positiven Ausblick auf 2010 gibt“, sagte ein Händler. Von Reuters befragte Analysten erwarten für das abgelaufene Quartal eine Rückkehr des Chipherstellers in die schwarzen Zahlen. Die Aktien des amerikanischen Konkurrenten Intel verteuerten sich um 2,1 Prozent. Der weltgrößte Chiphersteller hob seine Quartalsdividende um 12,5 Prozent an.

          SMA Solar auf Rekordhoch

          Zu den wenigen Dax-Verlierern zählte K+S mit einem Minus von einem Prozent. Händlern zufolge wurden die Aktien des Salz- und Düngemittelkonzerns von Marktgerüchten über eine angeblich bevorstehende Kapitalerhöhung belastet. Das Unternehmen wollte sich dazu nicht äußern.

          Im Technologie-Index TecDax verteuerten sich SMA Solar um bis zu 11,6 Prozent auf ein Rekordhoch von 80,78 Euro. SMA habe das beste Quartalsergebnis der Branche vorgelegt, lobte Barclays-Analyst Rupesh Madlani.

          In Amsterdam schossen die Aktien des Digitaldruck- und Dokumentenmanagement-Unternehmens Oce um 70 Prozent auf 8,62 Euro nach oben. Zuvor hatte Canon ein Übernahmeangebot von 8,60 Euro je Aktie vorgelegt.

          Wall Street profitiert von Liquidität und Konjunkturdaten

          Gute Konjunkturdaten und die nach wie vor reichlich vorhandene Liquidität geben den Aktienkursen an Wall Street Auftrieb. Der Dow-Jones-Index (DJIA) steigt um 1,3 Prozent auf 10409 Punkte. Der S&P-500 gewinnt 1,6 Prozent auf 1111 Punkte. Der Nasdaq Composite legt um 1,2 Prozent auf 2200 Stellen zu.

          Der Markt profitiere vom überraschend starken Wachstum der japanischen Wirtschaft, sagen Händler. In Reaktion darauf zogen die Rohstoffpreise an, was den Aktien des Sektors zu Kursgewinnen verhilft. Im DJIA steigen Alcoa um 3,1 Prozent. Exxon Mobil gewinnen 2,7 Prozent und Chevron 2 Prozent.

          Die amerikanischen Konjunkturdaten wiesen keine einheitliche Tendenz auf. Der Empire State Manufacturing Index für November verfehlte die Erwartungen. Die Einzelhandelsumsätze waren im Oktober stärker gestiegen als erwartet. Ohne
          Kfz-Verkäufe war der Anstieg aber geringer als erwartet. Gleichzeitig wurden die September-Daten nach unten revidiert. Die Lagerbestände der amerikanischen Industrie wiederum wiesen im Oktober einen geringeren Rückgang auf als erwartet.

          Die Aktien von Merck & Co legen um 2,5 Prozent zu, obwohl eine Studie ergeben hat, dass das Merck-Medikament „Zetia“ dem Cholesterinsenker „Niaspan“ des Wettbewerbers Abbott unterlegen ist.

          Cisco steigen um 1 Prozent. Das Unternehmen hat sein Angebot für die norwegische Tandberg auf 3,4 Milliarden Dollar aufgestockt. J.P. Morgan gewinnen 0,5 Prozent. Laut Medienberichten steht die Bank kurz vor der vollständigen Übernahme des britischen Brokerhauses Cazenove.

          Aktien von Einzelhandelsunternehmen tendieren nach den Umsatzdaten uneinheitlich. Home Depot verbessern sich um 1,7 Prozent. Wal-Mart fallen dagegen um 0,1 Prozent.

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