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Aktienbörsen : Der nächste wackelige Erholungsversuch

Der Blick von oben auf die Dax-Kurstafel. Bild: dpa

Am Mittwoch startet der deutsche Aktienmarkt abermals einen Erholungsversuch, unterstützt von der Bank of England.

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          An einem entspannten Tag pflegen Börsianer zu sagen: „Ja, ja, so ist die Börse. Mal geht sie rauf, mal geht sie runter.“ Derzeit sind die Tage alles andere als entspannt. Die Börse geht aber weiter rauf und runter, allerdings nicht gemächlich, sondern in wild anmutenden Sprüngen. Was waren das allein am Montag und Dienstag für zwei Tage! Ein Desaster am Montag und eine Berg- und Talfahrt am Dienstag, die den F.A.Z.-Index von fünfeinhalb Prozentpunkten zwischen 1,5 Prozent Minus und 4 Prozent Plus schwanken ließ.

          Martin Hock
          (mho.), Finanzen, Wirtschaft

          Am Dienstag schloss der deutsche Aktienmarkt nach dem Montag abermals im Minus zu einem Zeitpunkt, als die Wall Street sich gerade von ihrem Tagestief erholt hatte und nur ein bescheidenes Plus verbuchte. So verpasste die Deutsche Börse die darauffolgende Rally, die dem amerikanischen Aktienmarkt ein Plus von knapp 5 Prozent verschaffte.

          Lange sah es nicht danach aus, dass der deutsche Markt an diese Zugewinne anknüpfen würde. Nun aber notiert der marktbreite F.A.Z.-Index am Morgen mit einem Aufschlag von 2 Prozent und der Standardwerteindex Dax sogar mit einem Plus von 2,3 Prozent.

          F.A.Z.-Index

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          Im Vorfeld hatte es nicht danach ausgesehen. Denn schon Asien war nicht nachgezogen. Im Gegenteil startete etwa der japanische Nikkei-Index schon etwas schwächer und gab am Ende mehr als 2 Prozent nach. Südkorea war noch knapp im Plus gestartet, schloss dann aber auch knapp 3 Prozent tiefer - vergessen damit die dürftige Erholung vom Dienstag. Während in Japan der wieder aufwertende Yen die Stimmung belastete, war es in Südkorea vor allem ein sprunghafter Anstieg der Corona-Infektionen, der den Börsianern Sorge bereitete. Gleichzeitig lagen die Terminkontrakte auf die amerikanischen Aktien-Indizes fast 3 Prozent im Minus.

          Den deutschen Markt kam dann aber die Bank of England zuhilfe, die nicht nur überraschend ihren Leitzins von 0,75 auf 0,25 Prozent senkte, sondern auch noch ein Programm zur Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen ankündigte. Das gibt dem Markt Hoffnung, die Europäische Zentralbank (EZB) werde am Donnerstag Ähnliches präsentieren.

          Zwar ist allen bewusst, dass eine Zinssenkung gegen eine Rezession aufgrund der Coronavirusepidemie nicht viel ausrichten kann, aber irgendwo kommt es auch auf den guten Willen an und die Tatsache, dass die Notenbanken das Problem ernst nehmen. Das verbessert die Stimmung und stärkt das Vertrauen.

          Die EZB muss liefern

          Dagegen wäre es wohl verheerend, wenn die EZB nichts täte. Denn das würde als Fehleinschätzung betrachtet und würde das Vertrauen in die EZB beschädigen.

          Die Bank of England habe zwei Dinge richtig gemacht, meint Neil Wilson, leitender Marktanalyst bei Markets.com, auch wenn viele die Wirksamkeit von Zinnssenkungen zu Recht bezweifelten. Zum einen sei die Zinssenkung nur Teil eines Maßnahmenpakets, die die Kreditvergabe ankurbeln sollen, zum anderen die Zusammenarbeit mit dem Finanzministerium, das ein Konjunkturprogramm am Mittwoch lancieren wolle. Für die EZB ist gerade aber letztere Aspekt viel schwerer umzusetzen.

          Die Frage ist jetzt vor allem, wie lange die positivere Stimmung hält. Der ursprüngliche Anlass für die Rally an Wall Street, das erhoffte Konjunkturpaket, ist noch nicht da und ewig lässt sich darauf nicht spekulieren. Je länger es sich verzögert, umso schwächer wird der Impuls. Vor allem machen sich die Investoren Sorgen, dass sich die Verschuldungslage für amerikanische Unternehmen durch eine Konjunkturschwäche verschlechtern könnten.

          Und immer noch signalisieren die Terminkontrakte eine schwächere Eröffnung nach der Rally vom Dienstag. Im Gegenteil: kaum hatten sie ihre Verluste halbiert, dreht der Markt wieder nach unten. Einige Beobachter wie etwa die Investmentbank JP Morgan sind der Auffassung, spekulative Investoren hätten mittlerweile wohl kapituliert. Damit stiegen zumindest kurzfristig die Chancen auf eine Gegenbewegung, sagt Analyst Nikolaos Panigirtzoglou.

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