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Aktienbörsen : Dax schließt nach vielen Konjunkturzahlen im Minus

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Zweifel an einer raschen Erholung der amerikanischen Wirtschaft haben den deutschen Aktienmarkt am Dienstag gebremst. Der Dax schloss 0,6 Prozent tiefer bei 5769 Punkten. Die VW-Stammaktien fielen sogar auf den tiefsten Stand seit Februar 2007.

          Der deutsche Aktienmarkt hat am Dienstag nach einem wechselhaften Handelsverlauf uneinheitlich geschlossen. Der Dax stand am Ende 0,55 Prozent tiefer bei 5.769,31 Punkten und der MDax gab um 0,63 Prozent auf 7.324,15 Zähler nach. Dagegen rettete der TecDax Kursgewinne von 0,24 Prozent ins Ziel und verabschiedete sich bei 781,10 Zählern.

          Analyst Mark Rohles von IG Markets sprach von Gewinnmitnahmen nach den deutlichen Aufschlägen zum Wochenstart. „Zunächst hielt sich der Dax trotz einiger Gewinnmitnahmen dank des deutlich verbesserten Ifo-Geschäftsklimas relativ verlustfrei, aber am Nachmittag ging es nach BIP-Zahlen aus Amerika abwärts“, beschrieb er das Börsengeschehen. Besser als erwartete Daten zum amerikanischen Verbrauchervertrauen hätten die Entwicklung allerdings etwas abgefedert.

          Viele Bankwerte unter den Verlierern

          Bankenaktien litten unter unter anderem unter der Kapitalbeschaffung der Lloyds Banking Group. Papiere der Commerzbank fielen um 3,38 Prozent auf 6,440 Euro und Deutsche Bank gaben um 1,90 Prozent auf 49,980 Euro nach. Im MDax verbilligten sich Aareal Bank um 3,74 Prozent auf 14,15 Euro. Die angeschlagene britische Bank lockt die Investoren bei ihrer anstehenden Kapitalerhöhung mit einem hohen Abschlag, was Börsianer tendenziell negativ bewerteten. Zudem verwiesen Händler auf einen Bericht der Ratingagentur S&P, wonach fast alle der weltweit großen Banken nicht genügend Kapital besitzen, um ihre Handels- und Investmentaktivitäten damit abzusichern.

          Bei MAN ließ der schon am Vortag negativ aufgenommene Weggang von Konzernchef Hakan Samuelsson die Aktie um 1,27 Prozent auf 58,94 Euro fallen. Außerdem schreibt die „Südeutsche Zeitung“, das Bußgeld, das der Maschinenbau- und Nutzfahrzeugkonzern wegen einer Schmiergeldaffäre zahlen müsse, könnte deutlich über 100 Millionen Euro betragen. Analyst Jochen Gehrke von der Deutschen Bank sieht einigen Interpretationsspielraum in der Personalie Samuelsson, stuft sie aber als „insgesamt negativ“ ein. Ein Händler sagte: „Das Timing des Rücktritts bleibt überraschend, und MAN verliert einen Manager mit einer beeindruckenden operativen Historie.“

          Bei Metro belasten schlechte Nachrichten von Real Deutschland

          Metro-Papiere verloren 1,43 Prozent auf 42,60 Euro. Real Deutschland wird laut Händlern die eigenen Profitabilitätsziele in diesem Jahr nicht erreichen und habe diese auf kommendes Jahr verschoben - das habe der Vorstand der Supermarkt-Kette, Joel Saveuse, der Finanznachrichtenagentur Bloomberg zufolge bei einer Ladeneröffnung in Düsseldorf gesagt. Ein Börsianer sagte in seiner ersten Reaktion: „Das ist negativ für die Stimmung in der Metro-Aktie - der Gewinnbeitrag der Sparte Real beträgt gemessen am Ebit aber weniger als zehn Prozent.“ In einer ersten Reaktion auf die Aussagen war Metro bis 41,86 Euro abgerutscht.

          Hingegen trieben Übernahmefantasien Anteilsscheine von Infineon um 2,20 Prozent auf 3.250 Euro hoch, was den ersten Platz im Dax bedeutete. Händler verwiesen auf vage Gerüchte, der südkoreanische Technologiekonzern Samsung sei an dem deutschen Halbleiterhersteller interessiert. „Jetzt ist es Infineon, vorher wurde herumgereicht, dass DuPont BASF für 51 Euro je Aktie kaufen will“, merkte ein Börsianer an. Die Aktie des Chemie- und Pharmaunternehmens hatte auf diese Gerüchte allerdings nicht reagiert.

          Schlechte Ergebnisse werfen Pfleiderer-Aktie zurück

          Bei den Aktien mittelgroßer Unternehmen stachen Pfleiderer mit Verlusten von 7,24 Prozent auf 6,79 Euro negativ hervor. Der Möbel- und Bauzulieferer schrieb im dritten Jahresviertel wegen der anhaltenden Nachfrageflaute infolge der Wirtschafts- und Finanzkrise erneut rote Zahlen. Nun denkt das Unternehmen auch über eine Kapitalerhöhung oder den Verkauf von Unternehmensteilen nach. Der Markt verortete die Zahlen im Rahmen der Erwartungen bis darunter. Die operative Entwicklung zeige keine Anzeichen einer Trendwende und die Verschuldung sei noch weiter angestiegen, kritisierte Equinet-Analyst Ingbert Faust.

          Im TecDax beendeten Nordex-Titel eine Berg- und Talfahrt 1,83 Prozent höher bei 11,10 Euro. Zuvor hatten sich die Papiere des Windkraftanlagenbauers nach den jüngsten Quartalszahlen zwischen Gewinnen und Verlusten hin und her bewegt. Spekulationen, die Quandt-Familie könnte sich von ihren Anteilen an Nordex trennen und sie für 15 Euro je Anteilsschein an Siemens verkaufen, hatten dem Kurs zuletzt einen positiven Schub gegeben. Ein Händler sagte, er glaube diese Marktgerüchte nicht. Vielmehr habe er den Eindruck, dass jemand versuche, den Kurs hoch zu treiben.

          Dank einer Hochstufung ging es für Spitzenreiter Centrotherm Photovoltaics um 6,18 Prozent auf 39,50 Euro bergauf. Merrill Lynch hob mit Verweis auf die steigende Auftragsdynamik das Votum für die Titel des Photovoltaik-Zulieferers von „Neutral“ auf „Buy“ und das Kursziel von 33 auf 42 Euro an.

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