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Aktienbörsen : Dax schließt nach Gewinnmitnahmen tiefer

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der deutsche Aktienmarkt hat am Mittwoch nach den teils deutlichen Gewinnen in den vergangenen Handelstagen trotz weiterer Hoffnungszeichen am Konjunkturhorizont eine Verschnaufpause eingelegt. Der Dax verlor nach vier Gewinntagen in Folge 0,63 Prozent auf 5521 Punkte.

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          Die überraschend deutlich verbesserte Stimmung der deutschen Unternehmen hat am Mittwoch nicht die Börse angesteckt. Die Anleger machten vielmehr Kasse. Starke amerikanischen Immobiliendaten bremsten allerdings den Abstieg des
          Xetra-Dax.

          Er beendete die Börsensitzung nach vier Handelstagen mit Kursgewinnen in Folge mit einem Minus von 0,6 Prozent auf 5521,97 Punkten. Der EuroStoxx50 der größten Börsenwerte aus der Euro-Zone verlor 0,4 Prozent auf 2790 Zähler. An der Wall Street grenzte der amerikanischen Standardwerteindex Dow Jones seine Anfangsverluste ein und notierte bei Börsenschluss in Deutschland 0,1 Prozent tiefer.

          Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im August zum fünften Mal hintereinander an. Trotzdem gab dies dem Markt keinen weiteren Auftrieb. „Beim Ifo fehlt die Dynamik, obwohl die Daten sehr gut waren“, sagte Jörg Rahn, Chief Investment Officer beim Vermögensverwalter Marcard, Stein & Co. Außerdem sei der Markt zuletzt gut gelaufen, daher nutzten Anleger den abermaligen Ifo-Anstieg zu Gewinnmitnahmen. An den vorangegangenen sechs Handelstagen hatte der Dax rund sieben Prozent zugelegt. Andere Börsianer sagten, einige Anleger hätten auf noch bessere Ifo-Zahlen gehofft.

          Am amerikanischen Immobilienmarkt mehrten sich die Anzeichen für eine nachhaltige Stabilisierung, sagte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. „Positiv zu beurteilen sind nicht nur die gestiegenen Verkaufszahlen, sondern auch die Tatsache, dass sich die Preisentwicklung stabilisiert hat.“

          Finanzwerte im Aufwind

          Gegen den Trend gefragt waren Finanzwerte. Händler sagten, die Branche profitiere von Aussagen von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD). Dieser hatte klargemacht, dass weitere Staatsmittel zur Verfügung gestellt werden könnten, um die Wirtschaft vor einer Kreditklemme zu bewahren. Ein Börsianer erklärte die Kursgewinne von Commerzbank und Allianz auch mit technischen Faktoren. Deren Aktien stiegen um jeweils rund 3,2 Prozent. Royal Bank of Scotland legten 5,3 Prozent zu.

          Den Spitzenplatz im Dax belegte allerdings Beiersdorf. „Nach Monaten des Mauerblümchen-Daseins steht Beiersdorf wieder in der Gunst der Anleger“, sagte ein Händler. Die Aktie legte vier Prozent auf 35,58 Euro zu, lag damit aber noch gut 15 Prozent unter dem Niveau vom Jahreswechsel. Der Dax legte im gleichen Zeitraum rund 15 Prozent zu.

          Auf der Verliererseite standen einmal mehr die Stammaktien von Volkswagen. Sie fielen um drei Prozent auf 139,96 Euro und büßten damit binnen zwei Wochen insgesamt mehr als ein Viertel ihres Wertes ein. „Die nähern sich wohl weiter dem Kurs an, den viele für den fairen Wert der Aktie halten“, sagte ein Händler. Dieser liege deutlich unter dem jetzigen Kurs. VW-Vorzüge lagen 1,6 Prozent im Minus bei 62,02 Euro.

          Unter Verkaufsdruck standen auch BASF. Die Titel des Chemieriesen gaben ihren Vortagesgewinn komplett ab und notierten 3,3 Prozent im Minus bei 36,86 Euro. ThyssenKrupp verloren 2,4 Prozent auf 23,87 Euro. Börsianer sprachen in beiden Fällen von Gewinnmitnahmen.

          Im Technologie-Index TecDax stürzten Conergy ab, nachdem sie zunächst ihr 41-prozentiges Vortagesplus um 31 Prozent ausgebaut hatten. „Das sind längst fällige Gewinnmitnahmen, denn fundamental war diese Rally nicht gerechtfertigt“, sagte ein Börsianer. Die Papiere der Solarfirma schlossen elf Prozent im Minus bei 0,80 Euro.

          Amerikanische Börsen nach durchwachsenen Daten leicht im Minus

          Die amerikanischen Börsen haben nach gemischten Konjunkturdaten leichte Verluste verzeichnet. Die Aufträge in der amerikanischen Industrie nahmen im Juli zwar kräftig zu, wurden jedoch von einer hohen Nachfrage nach Flugzeugen stark überzeichnet. Das verunsicherte Anleger. Vom Immobilienmarkt kamen unterdessen eindeutig positive Signale: Nach Angaben des Handelsministeriums stiegen die Häuserkäufe im vergangenen Monat so stark wie seit fast einem Jahr nicht mehr. Doch auch das konnte Anleger am Mittwoch mehrheitlich nicht zu Zukäufen bewegen. Der Ölpreis gab am Terminmarkt angesichts steigender amerikanischen Lagerbestände um einen Dollar auf rund 71 Dollar nach.

          Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor bis zum Mittag 0,1 Prozent auf 9531 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 fiel um 0,2 Prozent auf 1026 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab 0,3 Prozent auf 2018 Punkte nach.

          Unter den Einzelwerten gaben die Titel der Citigroup um 2,5 Prozent nach. Auch das amerikanischen Finanzinstitut State Street zählte mit einem Minus von 1,4 Prozent zu den Verlierern. Die Aktie von General Electric verlor 1,6 Prozent, obwohl der Konzern einen
          Großauftrag in Kuwait in Aussicht stellte.

          Die Aktien des Einzelhändlers Dollar Tree kletterten dagegen um 6,4 Prozent, nachdem der Konzern einen Gewinnsprung vermeldete. Dollar Tree verkauft den Großteil seiner Waren für einen Dollar und profitierte in der Krise von den sparsamen Verbrauchern. Zu den Gewinnern zählten nach den guten Daten vom Immobilienmarkt auch die Aktien der Baukonzerne: D.R. Horton schoss um knapp fünf Prozent nach oben, Pulte Homes gewann 2,8 Prozent.

          Die Aufträge für langlebige Güter schnellten im Juli überraschend stark um 4,9 Prozent nach oben - der stärkste Anstieg seit Juli 2007. Ohne Transport legte der Auftragseingang jedoch lediglich um 0,8 Prozent zu und blieb damit leicht hinter den Markterwartungen zurück. Die Zahl der verkauften Eigenheime stieg überraschend stark um 9,6 Prozent.

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