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Aktienbörsen : Dax schließt auf neuem Jahreshoch

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Kurskorrekturen werden von Anlegern zum Kauf von Aktien genutzt. Am Mittwoch drehten die deutschen Börsen nach einem schwächlichen Start rasch nach oben und legten immer weiter zu. Am Schluss verbuchte der Dax ein Plus von 1,7 Prozent.

          Kurskorrekturen werden von Anlegern zum Kauf von Aktien genutzt. Am Mittwoch drehten die deutschen Aktienkurse nach einem schwächlichen Start rasch nach oben und legten immer weiter zu. Am Schluss stand ein Plus von 1,7 Prozent auf 5.574,26 Zähler.

          So hoch hatte der Dax im Jahr 2009 zuvor noch nie geschlossen. Börsianer nannten vor allem die Suche der Anleger nach attraktiven Investments als Hauptgrund für die Aufschläge der vergangenen Tage. Der MDax der mittelgroßen Werte rückte um 0,80 Prozent auf 7.058,22 Punkte vor und für den TecDax ging es um 1,97 Prozent auf 736,67 Zähler nach oben. Beide Nebenwerte-Indizes markierten damit neue Jahreshöchststände.

          Die Aktienhändler bleiben optimistisch

          „Auf dem Markt ist immer noch viel Geld, das rentierlich angelegt werden will“, fasste Dirk Müller, Händler bei MWB Fairtrade, die aktuelle Stimmung zusammen. Zudem habe der Dax im Handelsverlauf die Marke von 5.500 Punkten geknackt und damit aus technischer Sicht ein weiteres Kaufargument geliefert.

          Auffälligster Wert im Leitindex waren die Papiere der Commerzbank, die einen Kursgewinn von knapp zwölf Prozent auf 8,5 Euro verzeichnen konnte. Analyst Christian Hamann von der Hamburger Sparkasse (Haspa) begründete die hohe Nachfrage unter anderem mit der Meldung, dass das Finanzinstitut sich von seiner Beteiligung an dem Anlagenbauer Gea trennte: „Dadurch macht die Bank Eigenkapital frei, das sie gut gebrauchen kann.“ Gea-Papiere gewannen im MDax 3,21 Prozent auf 13,19 Euro. Zudem will das Geldinstitut weitere fünf Milliarden an Staatsgarantien zurückgeben.

          Positive Analystenkommentare ließen BMW-Titel um 7,74 Prozent auf 34,47 Euro und damit den höchsten Stand seit Juni 2008 steigen. Morgan Stanley hatte das Votum für die Aktien des bayerischen Autobauers gleich um zwei Stufen von „Underweight“ auf „Overweight“ erhöht und das Kursziel von 19,00 auf 36,00 Euro nach oben geschraubt. Positive Entwicklungen an den Endmärkten sowie Veränderungen in der Strategie des Unternehmens trügen den weiter bestehenden Risiken ausreichend Rechnung, hieß es. Auch andere Analysten äußerten sich positiv. Bei Anteilsscheinen von MAN sorgten eine Zielanhebung von 58,00 auf 70,00 Euro durch JPMorgan sowie eine verbesserte Charttechnik für Kursgewinne von 5,26 Prozent auf 56,66 Euro. Analyst Nico Dil sah deutliche Verbesserungen im Geschäftsmodell über die vergangenen zehn Jahre.

          Auch Spekulationen über mögliche Aktien-Platzierungen sorgten für Gesprächsstoff. Im MDax verloren Bauer-Titel 0,17 Prozent auf 29,75 Euro. Die Deutsche Bank bereitet Marktkreisen zufolge keine Platzierung von Aktien des Tiefbauspezialisten vor. „Das Gerücht über einen geplanten Verkauf von Bauer-Aktien ist falsch“, erfuhr jedoch die Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX aus Marktkreisen. Titel von Continental sprangen hingegen um 10,54 Prozent auf 32,61 Euro in die Höhe. Laut Händlern kursieren Berichte, dass der Konzern eine Kapitalerhöhung im Wert von 1,5 Milliarden Euro noch vor dem Jahresende durchdrücken wolle. Indes soll Linde-Chef Wolfgang Reitzle neuer Vorsitzender des Continental-Aufsichtsrats werden, wie am Nachmittag bekannt wurde.

          Der Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger Berger senkte derweil wegen eines Rechtsstreits in Katar seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr 2009, worauf die Aktien nur um unterdurchschnittliche 0,95 Prozent auf 44,74 Euro zulegten. Medigene-Aktien legten schließlich im TecDax um 5,03 Prozent auf 5,01 Euro zu, nachdem das Biotechnologie-Unternehmen die deutsche Marktzulassung für das Medikament Veregen zur Behandlung von Genitalwarzen vermeldet hatte.

          Feste Kurse im gesamten Europa

          Die wichtigsten europäischen Aktienindizes sind am Mittwoch so hoch geklettert wie nie zuvor in diesem Jahr. Sowohl der EuroStoxx 50 als auch die Indizes in London und Paris schlossen jeweils auf dem höchsten Stand 2009. Händler verweisen auf die steigenden Kurse in den Vereinigten Staaten , die auch die Kauflaune der europäischen Investoren angekurbelt hätten. Auch sei die Suche der Anleger nach attraktiven Investments einer der Gründe für die steigenden Kurse in den vergangenen Tagen.

          Der EuroStoxx 50 gewann 1,23 Prozent auf 2.820,58 Punkte. Der Pariser CAC-40-Index stieg um 1,28 Prozent auf 3.707,69 Zähler. In London rückte der FTSE 100 um 1,05 Prozent auf 4.999,23 Zähler vor.

          Risikofreude treibt Euro auf immer neue Rekordstände

          Der rasante Anstieg des Euro zum Dollar hat sich am Mittwoch fortgesetzt. Die Gemeinschaftswährung ist im Tageshoch auf 1,4601 Dollar gestiegen. Gegen 17.45 Uhr MESZ kostet der Euro 1,4577 Dollar. „Der Druck auf den Dollar hat sich seit Wochenbeginn verstärkt. Der Dollar-Index ist auf den niedrigsten Stand seit Ende 2008 gefallen“, merkt Todd Elmer von der Citigroup an.

          Der Dollar-Index bildet den amerikanische Dollar gegen einen Korb aus den sechs Währungen Euro, Yen, Pfund Sterling, Kanada-Dollar, Schweden-Krone und Schweizer Franken ab. Auch zum Yen, Schweizer Franken und Pfund Sterling hat der Greenback an Boden verloren. Zum Schweizer Franken ist der Dollar auf den niedrigsten Stand seit Ende Dezember 2008 gefallen.

          Die zunehmende Risikoneigung von Investoren drücke sich auch in steigenden Rohstoffpreisen aus und dürfte laut Elmer auch den Währungen der Rohstoffproduzenten zugute kommen. Der Stratege rechnet folglich mit Kursgewinnen auch des australischen und kanadischen Dollar und der norwegischen Krone gegen die amerikanische Währung.

          „Die Bewegung scheint in der Tat von einem zunehmenden Risiko-Appetit der Investoren getrieben zu sein“, meint der Währungsstratege. Hinzu komme, dass langfristig orientierte Investoren in den großen Währungspaaren noch immer deutlich unterinvestiert seien. „Das lässt auf reichlich Munition schließen, die noch immer an der Seitenlinie lauert, was eine Ausweitung der aktuellen Trends befeuern könnte“, prognostiziert Elmer für den Fall, dass diese Investoren in die aktuellen Trends am Devisenmarkt hineininvestieren.

          Die Experten der Commerzbank sehen sowohl hinter dem Euro-Anstieg als auch dem Anstieg des Goldpreises auf über 1.000 Dollar die Diversifikation der chinesischen Währungsreserven hin zum Gold. Der Anstieg des Goldpreises über die 1.000-Dollar-Marke werde am Markt als negatives Signal für den Dollar interpretiert, dessen Rolle als Reservewährung in Frage gestellt werde. Diese Logik sei aber durchaus fragwürdig, so die Experten, denn China werde nur in der Lage sein, einen sehr kleinen Teil seiner auf 2,13 Milliarden Dollar geschätzten Reserven kurzfristig in Gold anzulegen ohne den Goldmarkt in Unruhe zu versetzen.

          Aktien als Barometer für die Risikofreude von Anlegern tendieren fest. Der Dax ist mit 5.578 Zählern auf ein neues Jahreshoch gestiegen. Der europäische Benchmark-Index Euro-Stoxx-50 hat mit 2.819 Punkten das bisherige Jahreshoch vom 28. August nur um 12 Punkte verpasst. Auch an Wall Street handeln die großen Leitindizes nur knapp unter ihren Höchstständen vom 28. August.

          Aus technischer Sicht liegen Hürden für den Euro zum Dollar laut der Landesbank Baden-Württemberg bei 1,4660 Dollar und darüber bei knapp 1,48 Dollar. Die Bank schreibt in einem Marktkommentar von einem „attraktiven Chance-Risiko-Profil auf der Longseite“. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag mit 999,50 Dollar festgestellt nach einem Fixing am Vormittag von 995,75 Dollar. Die Risikofreude der Anleger drückte Händlern zufolge gleichzeitig auf die Kurse der Staatsanleihen. Der richtungsweisende Bund-Future notierte 63 Ticks niedriger bei 120,55 Punkten. Die zehnjährige Bundesanleihe rentierte mit 3,342
          Prozent nach 3,287 Prozent am Vortag.

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