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Aktienbörsen : Amerikanische Konjunkturdaten verstören den Markt

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Mit schwacher Tendenz hat sich der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag aus dem Handel verabschiedet. „Mit guten Konjunkturnachrichten kann gerade keiner umgehen - das verstört den Markt“, sagte ein Händler.

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          Mit schwacher Tendenz hat sich der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag aus dem Handel verabschiedet. Der Dax verlor 1,5 Prozent auf 5702 Punkte. Der MDax fiel um 2,4 Prozent auf 7205 Punkte, der TecDax verlor 2,9 Prozent auf 761 Zähler. Schwache amerikanische Börsen zogen den Markt nach unten.

          Händler führten die Verluste auch auf die als besser interpretierten Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten zurück. „Mit guten Konjunkturnachrichten kann gerade keiner umgehen - das verstört den Markt“, sagte ein Händler. Schließlich sei der Kursaufschwung in Europa großenteils von sogenannten „Carry-Tradern“ gespeist worden. Diese hätten ihre Dollar-Kredite in Aktien und Rohstoffen außerhalb des Dollar-Raums angelegt. Bessere amerikanische Konjunkturdaten weckten bei ihnen die Sorge vor einer Exit-Politik der Notenbanken aus der Quasi-Nullzinspolitik.

          Angst vor dem Aufschwung

          Grund dafür gab vor allem der Anstieg des Philadelphia-Fed-Index, dem Konjunkturbarometer der Notenbank von Philadelphia. Der Index stieg auf 16,7 nach 11,5 im Oktober und lag damit deutlich über der Erwartung von 12,0 Indexpunkten. Auch die wichtige Komponente der Auftragseingänge fiel besser als erwartet aus.

          Zudem brachten auch die wöchentlichen amerikanischen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe keine negative Überraschung. Mit einem unveränderten Stand wurden die Daten nahe der Erwartung von plus 4000 veröffentlicht. Positiv aufgenommen wurde der Rückgang der laufenden Anträge (“Continuing Claims“) um 39.000 auf nunmehr 5.611.000 Anträge. Technische Analysten hoffen nun, dass der Dax die Unterstützung bei 5.700 Punkten verteidigen kann.

          Exodus aus Infineon

          Merck verloren 2,4 Prozent auf 64,04 Euro, nachdem das Medikament „Erbitux“ nicht von der CHMP empfohlen wurde. Das für die Empfehlung zuständige Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP) vermeldete am späten Donnerstag, dass es eine „negative Meinung eingenommen hat“ gegenüber der Verwendung von Erbitux gegen Lungenkrebs.

          Infineon brachen sogar um 7,2 Prozent auf 3,21 Euro ein, obwohl die Geschäftszahlen im Handel positiv aufgenommen wurden. Der Halbleiterhersteller hat im letzten Quartal des Geschäftsjahrs 2008/09 bei gestiegenem Umsatz wieder profitabel gewirtschaftet. Für das neue Geschäftsjahr rechnet Infineon sogar mit einem zweistelligen Umsatzwachstum und einem positiven Segmentergebnis. Den Kurseinbruch führten Händler jedoch auf eine belastende Branchenstudie von BoA-Merrill Lynch für alle Chip-Werte zurück. Dies sorgte auch an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq für kräftige Verkäufe.

          Zykliker unter Druck

          Commerzbank verloren mit einer belastenden Studie durch Unicredit 2,9 Prozent auf 6,81 Euro. Die Analysten haben die Bank mit „Sell“ bewertet. Lufthansa litten unter schwachen Zahlen des Wettbewerbers Air France-KLM. Die Fluggesellschaft hat im zweiten Quartal mehr Verlust und weniger Umsatz gemacht als erwartet. „Das ist ein Branchenproblem“, so ein Händler. Lufthansa fielen um 2,9 Prozent auf 10,79 Euro.

          Kursverluste mussten auch alle zyklischen Werte verzeichnen, die in den vergangenen Tagen zu den größten Gewinnern gezählt hatten. So fielen unter den Stahlwerten ThyssenKrupp um 1,6 Prozent auf 24,50 Euro und Salzgitter um 2,5 Prozent auf 63,03 Euro. Bei den Autowerten gaben Daimler um 1,9 Prozent auf 35,31 Euro nach, Siemens um 1,8 Prozent auf 65,30 Euro.

          Strato-Verkauf schwächt Kurse

          Deutsche Telekom verloren 1,3 Prozent auf 9,55 Euro, nachdem sie das als vergleichsweise margenstark geltende Webhosting-Geschäft „Strato“ für 275 Millionen Euro von Freenet übernommen haben. Im TecDax fielen Freenet um 2,2 Prozent auf 9,50 Euro. United Internet gaben um 4,5 Prozent nach auf 9,04 Euro, nachdem das Unternehmen wider Erwarten nicht als Käufer von Strato zum Zuge gekommen.

          Hochtief gaben mit der Schwäche europäischer Bauwerte 2,2 Prozent nach auf 55,32 Euro. Sehr positiv werteten Händler jedoch die Ankündigung des Börsengangs der Hochtief-Tochter Concessions. Die Preisspanne für Concessions ist mit 24 bis 29 Euro angesetzt. Der Emissionserlös, der Hochtief zufließen wird, werde dann zwischen 860 Millionen Euro und 1 Milliarden Euro, rechnete ein Händler hoch.

          Unter den anderen MDax-Werten gaben auch die Zykliker am deutlichsten nach. So fielen Klöckner um 4,6 Prozent und Gea um 4,3 Prozent. Lanxess gaben nur 0,2 Prozent ab auf 23,96 Euro nach einem auf 30 Euro von 28 Euro angehobenen Kursziel durch Morgan Stanley.

          Wall Street sehr schwach

          Leichter tendieren die Aktien an Wall Street am Donnerstag im Verlauf. Rohstoffwerte zeigen sich mit nachgebenden Preisen für Rohstoffe und den Öl-Futures unter Druck. Chipwerte leiden unter einer Analystenabstufung. Der Dow Jones Industrial verliert 135 1,3 Prozent auf 10.291 Punkte. Der S&P-500 gibt um 1,6 Prozent auf 1.093 Punkte nach, und der Nasdaq Composite fällt um 2 Prozent auf 2.149 Punkte.

          Chipwerte leiden unter einer Abstufung. Die Analysten von Bank of America-Merrill Lynch haben gleich acht Chipunternehmen heruntergestuft, darunter auch Intel sowie Texas Instruments. Die Analysten äußern die Sorge, dass die Lagerbestände - ohne eine
          kräftige Erholung der Weltwirtschaft - noch immer zu hoch seien. Intel büßen 5,1 Prozent auf 19,09 Dollar ein, und Texas Instruments 4,4 Prozent auf 24,63 Dollar. Zweitschwächster Wert im Dow sind Alcoa, die sich im Einklang mit dem Rohstoffsektor um 4,5 Prozent auf 13,14 Dollar verbilligen.

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