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Zweite Kennzahl : Das Kurs-Buchwert-Verhältnis

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Kurs-Buchwert im Dax Bild: F.A.Z.

Fällt das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) unter einen Wert von eins, ist das Unternehmen an der Börse weniger wert, als alle Maschinen, Lagerhallen und Immobilien in seinem Besitz zusammen.

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          Es gibt Börsenkennzahlen, an denen sich regelmäßig heftiger Streit entzündet. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV), zugegebenermaßen ein scheußliches Wort, ist so eine Zahl: Die einen achten fast nur auf sie und loben, es gebe keine bessere Kennziffer, um festzustellen, ob eine Aktie den Kauf lohnt oder nicht. Die anderen halten wenig davon und berücksichtigen die Zahl überhaupt nicht.

          Zur Berechnung des KBV müssen Anleger den Buchwert (je Aktie) eines Unternehmens ins Verhältnis zu dessen Aktienkurs setzen. Was aber verbirgt sich überhaupt hinter dem Buchwert? Letztlich ist dies nichts anderes als das Eigenkapital einer Firma - also zum Beispiel Maschinen, Lagerhallen und Immobilien, die ihr gehören. Man spricht auch von der Substanz einer Firma. Informationen zum Eigenkapital finden sich im Geschäftsbericht.

          Fällt nun das Kurs-Buchwert-Verhältnis unter einen Wert von eins, bedeutet dies: An der Börse ist das Unternehmen weniger wert, als alle Maschinen, Lagerhallen und Immobilien in seinem Besitz zusammen. Für die KBV-Fans ist das ein klares Signal zum Einstieg. Sie können auf diese Weise Aktien einer Firma quasi zum Discountpreis kaufen.

          Bei Börsenneulingen KBV wenig geeignet

          Das Paradebeispiel dafür stammt aus dem Krisenjahr 2008: Kurz nach dem Ausbruch der Finanzkrise notierte das durchschnittliche KBV aller Dax-Unternehmen nahe dem Wert eins. Wer damals einstieg, kann sich heute über ein kräftiges Kursplus freuen.

          Die Gegner aber bemängeln, dass das KBV gravierende Schwächen aufweise. Die wichtigste: Der Buchwert lässt sich leicht manipulieren. Immobilien beispielsweise fließen in den Buchwert häufig zu dem Preis mit ein, zu dem das Unternehmen sie gekauft hat. Möglicherweise aber könnte die Firma die Häuser heute nur zu einem wesentlich geringeren Preis weiterverkaufen. „Solche Anpassungen ihrer Bilanz zögern viele Unternehmen lange hinaus“, sagt Martin Kolrep von der Fondsgesellschaft Invesco.

          In die Irre führen kann der Blick aufs KBV auch bei Aktiengesellschaften, die noch nicht lange an der Börse sind und die erst allmählich Eigenkapital aufbauen - die Chancen, die solche Aktien bieten, blendet die Kennziffer aus.

          Fazit: Trotz Schwächen - mit Hilfe des KBV lässt sich manch günstige Aktie finden.

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