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Zocker-Report : Sino-Forest Corporation - ein großer Betrugsfall?

  • Aktualisiert am

Bild: SINO-FOREST CORP

Bei manchen Börsengängen chinesischer Unternehmen an ausländischen Börsen soll es zu Betrug gekommen sein. Die Sino-Forest Corporation soll mit dem Fall Madoff vergleichbar sein. Pikant: John Paulson hält einen Anteil von 14 Prozent.

          Die vergangenen Monate der kredit- und schuldengetriebenen Wachstums- und Rohstoffeuphorie zeichnete sich an den Börsen unter anderem dadurch aus, dass immer mehr westliche Unternehmen ihre Aktien an der Börse in Hongkong zu Markt brachten.
          Umgekehrt gab es auch viele Börsengänge chinesischer Unternehmen an den Aktienmärkten in Europa und der Vereinigten Staaten.

          Außerordentlich beliebt wurden in diesem Rahmen so genannte Mantelspekulationen: Chinesische Unternehmen kauften günstig die börsennotierte juristische Hülle eines operativ nicht mehr wirkenden ausländischen Unternehmens und füllten sie mit Hilfe von in Grauzonen agierenden Investmentbanken und Buchprüfern mit Leben in Form von scheinbar zunehmenden Umsätzen und Gewinnen.

          Sino-Forest Corporation - ein großer Betrugsfall?

          Optisch gut aussehende Zahlen zogen Anleger in einem Umfeld mit ausgeprägter China- und Agrarrohstoffphantasie an wie Fliegen. Die in der Folge zum Teil deutlich steigenden Aktienkurse versetzten die frühen Käufer in die Lage, mit satten Gewinnen nach kurzer Zeit Kasse machen zu können. Längst jedoch ist klar geworden, dass dabei vielfach Betrug im Spiel war.

          Das aktuellste Unternehmen, das in diesem Rahmen in den Brennpunkt des Interesses geraten ist, ist die Sino-Forest Corporation. Die Aktien des Unternehmens, das mit dem Kauf und der Bewirtschaftung von forstwirtschaftlichen Pflanzungen gute Renditen zu erzielen versprach und dessen Börsenwert in Spitzenzeiten 6,2 Milliarden kanadische Dollar betrug, waren in der vergangenen Woche kurz vom Handel ausgesetzt, nachdem ihr Kurs alleine im April und Mai um 43 Prozent gefallen war. Nach der Wiederaufnahme des Handels verloren die Papiere am Freitag auf tiefem Niveau weiterere 65 Prozent ihres Wertes. Sie gingen mit einem Kurs von 5,23 kanadischen Dollar aus dem Handel, also zu einem Fünftel dessen, was sie noch Anfang April „wert“ gewesen waren.

          Während das Unternehmen für die vergangenen Jahre im Trend und zuletzt sogar überdurchschnittlich zunehmende Erlöse und Gewinne auf dem Papier ausgewiesen hatte, kamen inzwischen prägnante Zweifel an der Seriosität der vorgelegten Zahlen auf. Die Analyse eines Unternehmens mit dem für sich selbst sprechenden Namen MuddyWaters aus Hongkong zumindest erklärt, der indirekte Börsengang von Sino-Forest Corporation sei von Anfang auf Betrug angelegt gewesen. In diesem Rahmen seien zumindest auf dem Papier regelmäßig beeindruckende Umsatz- und Gewinnzahlen „produziert“ worden.

          Sie hätten den Eindruck eines Wachstumsunternehmens vermittelt und mehrere Kapitalerhöhungen und die Abschöpfung der Mittel über geschickt platzierte Mittelsmänner möglich gemacht. Zu diesem Zwecke seien dem verpflichteten Beratungs- und Zertifizierungsunternehmen Jakko Pöyri falsche Zahlen zur Verfügung gestellt worden. Auf diese Weise sei der Schein von Seriosität erzeugt worden. Letztlich stünden den platzierten Aktien jedoch keine entsprechenden Werte gegenüber, heißt es weiter.

          Vermögenswerte sollen stark überbewertet sein

          Alleine der Wert der angeblich in der Provinz Yunnan erworbenen Waldbestände sei um 900 Millionen Dollar zu hoch angesetzt. Flächen, die das Unternehmen von der Stadt Lincang City gekauft haben wolle, ließen sich von Seiten der Stadt nicht nachvollziehen. Das Vorgehen der Sino-Forest Corporation sei im Prinzip mit dem Fall Madoff vergleichbar, erklärt die Studie weiter. Der wahre Aktienwert betrage weniger als ein Dollar. Pikant an der Geschichte ist nicht nur die Dimension des angeblich Ponzi-Systems, sondern auch die Tatsache, dass der bekannte und für sehr clever gehaltene Hedge-Fondsmanager John Paulson einen Anteil von etwas mehr als 14 Prozent an der Sino-Forest Corporation hält.

          In den Vereinigten Staaten wird schon länger und immer öfter offen von Betrug gesprochen, wenn es um die Börsengänge, die operative Entwicklung und die buchhalterische Darstellung chinesischer Unternehmen an der amerikanischen Börse geht. Im Gespräch sind diesbezüglich Unternehmen wie Northern Oil and Gas, Longtop Financial Technologies, Universal Travel Group, China MediaExpress, Rino International oder auch China Agritech. Sobald der Betrug offensichtlich wird, stehen die Anleger vor dem Problem, Ansprüche nur gegen die lokalen Einheiten erheben zu können, jedoch keinen Zugriff auf die chinesischen Hintermänner zu haben.

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