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Zocker-Report : Schlechte alte Bekannte

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Neues Leben am ehemaligen Sitz von Infomatec? Bild: picture-alliance / dpa

In Notzeiten besinnen sich viele Menschen auf alte Bekannte, auch wenn sie nicht die besten Freunde waren. Geht man danach, muß es im April um die Börse wirklich schlecht bestellt gewesen sein.

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          Steht es an der Börse schon so schlecht? Das mag man sich am Ende des Monats April beim Blick auf die Aktien mit den größten Kurssteigerungen im breiten Markt fragen. Denn üblicherweise besinnen sich Menschen in Notlagen vor allem auf alte und nicht unbedingt die besten Freunde und das haben auch die Spekulationsfreudigen unter den Anlegern getan.

          Mit einem Kursplus von 170 Prozent auf 7,99 Euro steht einmal mehr der insolvente ehemalige Büromittel-Hersteller Mauser-Waldeck an der Spitze der Parkett-Hits. Nicht daß es irgendwelche Neuigkeiten von dem Börsenmantel gäbe (Konkurs-Aktien hoch im Kurs) - was auch für die Stolberger Telecom gilt (Aktie von Stolberger Telecom besser meiden).

          Infomatec: Untot oder Lebenszeichen?

          Keine offiziellen Neuigkeiten gibt es auch von der insolventen Infomatec, einem der „gefallenen Engel“ des Neuen Marktes. Angeblich, so die Spekulation, gibt es jetzt ein Unternehmen, das ein fast identisches Produktportfolio wie die damalige Infomatec aufweisen soll, in den ehemaligen Räumlichkeiten von Infomatec ansässig sein soll und in den Referenzen Hinweise auf ehemalige Partner Infomatecs angebe. Das reichte schon einmal für einen Kursanstieg von 169 Prozent.

          Andererseits fragt man sich, ob man tatsächlich Infomatec wiederhaben will. Zwar ging es beim eigentlichen Infomatec-Skandal vor allem um falsche Ad-Hoc-Mitteilungen. Doch war das Problem ja, daß dadurch die Geschäftsaussichten falsch dargestellt worden waren und dadurch der Kurs in schwindelerregende Höhen getrieben wurde. Ohne dieses Stroh hätte die Aktie weit weniger Feuer besessen.

          Und noch mehr Fragen sind bei dieser Spekulation nicht beantwortet, wie etwa, ob man mit einem „fast identischen Produktportfolio“ rund sechs Jahre später in der schnellebigen Informatikwelt nicht eher ein bißchen hinterherläuft. Auch ist die Internet-Präsenz des angeblichen Nachfolgers noch „Under Construction“, und zwar offenbar schon seit wenigstens einem Jahr. Und ob der angebliche Nachfolger überhaupt am Börsenmantel interessiert ist, weiß eigentlich auch niemand. Kurz und gut, wer auf diese Spekulationen baut, braucht einen sehr langen Löffel.

          Abkühlendes Interesse an Türen und Schotter

          Möglicherweise ist es einfach so, daß es leichter ist zu glauben, man habe schon auf das richtige Unternehmen gesetzt und lediglich das Management sei unsauber gewesen, als sich damit abzufinden, daß vielleicht das ganze Unternehmen ein Windei war.

          Der wird bei Porta Systems auch länger. Nachdem der Händler von Börsenmänteln, Carthago Capital Beteiligungen, sich in die in Liquidation befindliche Gesellschaft eingekauft hat, wird auf eine Wiederbelebung des Mantels spekuliert. Indes hat sich das Interesse trotz einer Kurssteigerung um 78 Prozent im April doch etwas abgekühlt.

          Ähnliches gilt für die Aktie der 1921 zum Zweck der Herstellung von Pflastersteinen, Schotter, Senksteinen, Split, geteertem Material und Packlage gegründeten Dolerit-Basalt (Dobag), längst eine Immobiliengesellschaft in Liquidation. Hier will die DRB Beteiligungs GmbH & Co. KG ein Pflichtangebot für die im Streubesitz befindlichen Aktien vorlegen und die Liquidation aufheben. Dies sei Teil der Strategie, die Gesellschaft als eine zukunftsorientierte Immobilien-Aktiengesellschaft fortzuführen.

          Das bisherige Management der Dobag hatte zum Ende des Geschäftsjahres 2004 die Entscheidung getroffen, das Unternehmen nicht fortzuführen. Hintergrund waren die weiterhin schwachen Immobilienmärkte, die Sonderabschreibungen in Höhe von ca. 1,5 Millionen Euro notwendig gemacht hatten. Außerdem verzeichnete das Unternehmen das dritte Jahr in Folge einen diesmal deutlichen Umsatzrückgang, und litt unter ausgelaufenen Verwalterverträge sowie erhöhten Leerständen.

          Alten Bekannte mit neuen Hoffnungen

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