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Zocker-Report : Der Glaube bewegt die Kurse

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Bild: FAZ.NET

Es geht nicht darum, was ein Unternehmen wert ist, sondern vielmehr darum, was die Mehrheit der an der Börse Handelnden glaubt, daß es morgen wert sein könnte. Und dieser Glaube kann Kurse versetzen - wehe dem, der unter dieselben gerät.

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          Der März war ein Börsenmonat mit Licht und Schatten. Zwar legte der Dax rund 150 Punkte zu, der TecDax aber gab rund 20 Punkte ab. Auch außerhalb der Indizes im breiten Markt fand sich das: Licht und Schatten.

          Immerhin 560 Prozent legte aller Vernunft zum Trotz die Aktie der Versandhandelsabwicklungsgesellschaft zu. Also befand sich mal wieder einer von diversen Börsenmänteln unter den erfolgreichsten Aktien des Monats.

          Porta auf dem Holzweg in die Insolvenz

          Wie nicht anders zu erwarten war die frühere Aktie des Oppermann-Versands nicht die einzige Gesellschaft ohne operatives Geschäft, die dank Spekulationen zum Star für einen Monat wurde.

          Ein anderer Fall ist Porta Systems. Porta ist als Aluminium- und Holzverarbeiter und Hersteller von Fenstern, Türen, Wintergärten und Vordächern durchaus ein Begriff auf dem deutschen Markt und hatte nur eine kurze Börsengeschichte.

          1998 ging das Unternehmen auf das Parkett. Kurz darauf begannen sich erste Schwierigkeiten abzuzeichnen. Im März 1999 lag das Unternehmen nach den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres unter Plan und verfehlte im Gesamtjahr die Ziele. Im April 2000 kam mit der Hain Fenster & Türen GmbH & Co. KG ein weiteres Produktionswerk für Holzfenster zur Gruppe.

          Doch dies erwies sich als Fehler. Zu viel Geld, so Vorstand Karl-Heinz Büsching Mitte September gegenüber dem Mindener Tageblatt, sei in einen sterbenden Holzmarkt gesteckt worden. Verbraucher setzten zunehmend auf gute Kunststoffqualität, anstatt auf teures Holz. Eine Folge war, daß Hain Insolvenz anmelden mußte. Im Juni 2002 war die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt, im darauffolgenden März folgte der Insolvenzantrag der Porta Systems.

          Die Achterbahnfahrt der Internolix

          Danach wurde es still, bis Mitte März der Kursanstieg vom jahrelangen Niveau zwischen vier und sechs Cent begann. Bei 11,1 Cent erreichte die Aktie am Freitag damit ein Drei-Jahres-Hoch. Grund ist die Mitteilung des Händlers von Börsenmänteln, Carthago Capital Beteiligungen, daß man mittlerweile 17,4 Prozent an der in Liquidation befindlichen Gesellschaft halte. Man beabsichtige, die Gesellschaft nach Durchführung eines
          Insolvenzplanverfahrens neu auszurichten. Ein wichtiger Vorteil sei, daß Porta Systems im Amtlichen Markt notiert sei. Für spekulative Anleger Grund genug zuzugreifen.

          Einem Börsenmantel ähnlich ist die Geschichte von Internolix. Erfolglos versuchte die Gesellschaft sich im Vertrieb von E-Commerce-Software. Im Jahr 2001 stieg dann der umstrittene Boulevard-Verleger Helbert ein, der vom Baur-Verlag als Partner bei der Zeitschrift Coupé herausgedrängt worden war.

          Unter Helberts Ägide engagierte sich Internolix im Porno-Sektor, unter anderem bei Campoint, einer Gesellschaft, die unter anderem die Voyeur-Plattform „Visit-X“ betreibt. Vor allem startete Helbert mit Internolix die „X-News“ eine auf Erotik fixierte Zeitung „im Niveau unterhalb der Bild-Zeitung“, der allerdings kein Erfolg vergönnt war. Danach schien Helbert die Lust zu verlieren und zog sich im Jahr 2002 zurück. Danach übernahm die Media Netcom das Unternehmen zu 99,6 Prozent, geriet aber in Insolvenz und zog Internolix mit sich.

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