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Zocker-Report : Betrugswelle mit China-Aktien in Amerika

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Bild: F.A.Z.

In den vergangenen Monaten gab es einige Börsengänge chinesischer Unternehmen an den Aktienmärkten in Europa und der Vereinigten Staaten. Die Kursentwicklung war oft enttäuschend. In Amerika kam es zu ausgemachten Betrügereien.

          Die vergangenen Monate der kredit- und schuldengetriebenen Wachstums- und Rohstoffeuphorie zeichnete sich an den Börsen unter anderem dadurch aus, dass immer mehr westliche Unternehmen ihre Aktien an der Börse in Hongkong zu Markt brachten.

          Auf der anderen Seite jedoch gab es auch viele Börsengänge chinesischer Unternehmen an den Aktienmärkten in Europa und der Vereinigten Staaten. Allerdings war ihre Kursentwicklung vielfach mehr als enttäuschend.

          Rendite mit Wetten gegen betrügerische Unternehmen

          Die Papiere der an der deutschen Börse gehandelten ZhongDe Waste Technology etwa verloren nach anfänglichen Kursgewinnen bis zu 85 Prozent ihres Wertes. Die operative Entwicklung ist auf Basis der offiziell veröffentlichten Zahlen enttäuschend. Auch die Gewinnentwicklung bei Asian Bamboo kann trotz der im Trend steigenden Erlöse nicht so richtig überzeugen. Folglich sind die Aktien nach vorübergehendem Kursaufschwung in einen leichten Abwärtstrend übergegangen.

          In den Vereinigten Staaten dagegen wird immer öfter offen von Betrug gesprochen, wenn es um die Börsengänge, die operative Entwicklung und die buchhalterische Darstellung chinesischer Unternehmen an der amerikanischen Börse geht. Im Gespräch sind diesbezüglich Unternehmen wie Northern Oil and Gas, Longtop Financial Technologies, Universal Travel Group, China MediaExpress, Rino International oder auch China Agritech.

          Längst haben sich einzelne Hedgefonds darauf spezialisiert solche Unternehmen zu identifizieren um schließlich gegen ihre Aktien zu wetten. Kerrisdale Partners LP konnte auf diese Weise alleine im ersten Quartal des laufenden Jahres eine Rendite von 73 Prozent nach Gebühren erzielen. Seit der Gründung am ersten Juli des Jahres 2009 hat der Fonds seinen Wert netto um knapp 300 Prozent gesteigert.

          Die Rendite ließ sich mit Wetten auf fallende Kurse bei Aktien chinesischer Unternehmen erzielen, die ihre Anteilsscheine an die amerikanische Börse gebracht hätten und die die Unternehmensergebnisse fälschten, heißt es im Bericht von KerrisdaleCapital über die Entwicklung in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres. Das Jahr 2011 werde sehr wahrscheinlich zu weiteren deutlichen Renditezuwächsen führen, da Wetten gegen chinesische Betrüger einen großen Teil der eingegangenen Positionen ausmachten, heißt es weiter.

          Mantelspekulationen erleichtern den Betrug

          In den Vereinigten Staaten findet der Betrug nicht selten in Form einer so genannten Mantelspekulation statt: Chinesische Unternehmen kaufen günstig die juristische Hülle eines operativ nicht mehr wirkenden amerikanischen Unternehmens und füllen ihn mit Hilfe von in Grauzonen agierenden Investmentbanken und Buchprüfern mit Leben in Form von scheinbar zunehmenden Umsätzen und Gewinnen. Scheinbar gute Zahlen ziehen Anleger an, führen zu steigenden Kursen und versetzen die frühen Käufer in die Lage, Kasse zu machen.

          Sobald der Betrug offensichtlich wird, stehen die Anleger vor dem Problem, Ansprüche nur gegen die amerikanische Einheiten erheben zu können, jedoch keinen Zugriff auf die chinesischen Hintermänner zu haben.

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