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Zinssenkung : Die Fed stemmt sich gegen die Krise

  • Aktualisiert am

Bild: AP

Mit ihrer drastischen Zinssenkung will die amerikanische Notenbank dem Ausverkauf an den Finanzmärkten entgegentreten. Auch am Dienstag blieb die Lage an den Börsen rund um den Erdball gespannt. Schließlich setzte sich in Europa jedoch eine Erholung durch, während die Kurse in New York nachgaben.

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          Die amerikanische Zentralbank Federal Reserve hat am Dienstag auf die Panik an den Aktienmärkten über eine sich global ausweitende Rezession mit einer außerordentlichen und drastischen Zinssenkung reagiert. Das erste Mal seit 26 Jahren senkte die Federal Reserve den Leitzins um 75 Basispunkte, und zwar von 4,25 auf 3,5 Prozent. Die Zinssenkung wurde von der Notenbank eine Stunde vor Handelsbeginn an den amerikanischen Börsen verkündet, obwohl keine reguläre Sitzung der Notenbank zu einer Zinsentscheidung angestanden hatte.

          Zinssenkungen außer der Reihe hat es bei der Federal Reserve zuletzt nur am 17. September 2001 kurz nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center in New York gegeben und am 2. Januar 2001 angesichts des Kurseinbruchs an den Börsen nach dem Platzen der Technologieblase.

          Volatile Börsen

          Die Federal Reserve begründete den überraschenden Schritt damit, dass sich die Schwäche am amerikanischen Immobilienmarkt ausweite und die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten steige. Sie reagierte aber auch auf die Panik an den Finanzmärkten, die sich am Dienstag zunächst in Asien und in Europa fortgesetzt hatte, nachdem die Märkte schon am Montag eine außerordentlich krasse Verkaufswelle erlebt hatten.

          Nach einer deutlichen Schwäche reagierten die Aktienmärkte in Europa auf den Zinsschritt der Federal Reserve kurz mit hohen Kursgewinnen. So schnellte der deutsche Aktienindex Dax, der Anfang des Tages bis auf 6420 Punkte gerutscht war, im Höhepunkt wieder auf mehr als 6800 Punkte empor, gab dann aber wieder nach. Die Aktienmärkte in den Vereinigten Staaten eröffneten um 3 Prozent schwächer, weniger dramatisch, als vor der Zinssenkung befürchtet. Am Montag waren sie wegen eines Feiertages geschlossen geblieben, was die Unsicherheit an den Märkten erhöht hatte.

          Der New Yorker Leitindex Dow Jones fiel kurz nach Handelseröffnung am Dienstag um zeitweise mehr als 460 Punkte. Das Marktbarometer erholte sich danach aber etwas und notierte zum Schluss um gut 1 Prozent schwächer bei 11 971 Punkten. Damit lag der Dow Jones um mehr als 15 Prozent unter seinem jüngsten Höchststand im Oktober. Ein Rückgang um mehr als 20 Prozent gilt als eine Baisse.

          Kritische Blicke auf die Fed

          Der breiter gefasste Aktienindex S&P 500 reagierte am Dienstag ebenfalls mit Verlusten von zunächst 2,7 Prozent. Belastend wirkten enttäuschende Ergebnisse der beiden Großbanken Bank of America und Wachovia. Beide Banken hatten Anlagen in Hypothekenpapiere in Höhe von mehreren Milliarden Dollar abgeschrieben. Zudem hatten die Banken wegen der unsicheren Wirtschaftslage ihre Rückstellungen für notleidende Kredite erhöht.

          Am Dienstag litten am deutschen Aktienmarkt vor allem Titel, die Fondsmanager angesichts bisher moderater Kursabschläge noch günstig verkaufen konnten. Dies traf vor allem Eon, RWE, Deutsche Telekom, allerdings auch die Allianz. Andere zuvor sehr gebeutelte Titel erholten sich wie Hypo Real Estate, Rheinmetall und Heidelberger Druck. Insgesamt aber fielen die Aktien in Gesamteuropa den sechsten Tag in Folge. Der breite Index Stoxx 600 liegt nun um 20 Prozent unter dem Rekord der europäischen Aktienindizes der vergangenen sechs Jahre, der im Juni vergangenen Jahres erreicht wurde.

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