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Zertifikate : Es ist nicht alles Gold, was glänzt

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Zertifikate versprechen viel, aber ... Bild: FAZ.NET

Die Werbung für Wertpapierzertifikate verspricht oft das Blaue vom Himmel. Etwas Skepsis ist immer angebracht.

          Zertifikate, nie waren sie so wertvoll wie heute - vorausgesetzt man glaubt der Werbung der emittierenden Banken. Können sich Indexzertifikate auf Grund ihrer einfachen Struktur problemlos am gewählten Index orientieren und auf Basis günstigerer Kosten locker mit Index- oder indexnahen Fonds konkurrieren, so versprechen Themen- oder Strategiezertifikate viel mehr.

          Denn die sollen dem Anleger die Möglichkeit bieten, besser als der Gesamtmarkt oder wenigstens besser als spezifische Segmente abzuschneiden. So lautet zumindest das Versprechen. Und wie sieht die Wahrheit aus?

          Werden "Werbeversprechen" eingelöst?

          FAZ.NET hat sich einmal ein einzelnes Produkte herausgepickt - und es auf den Wahrheitsgehalt überprüft. Zum Beispiel das Dax-Momentum-Zertifikat von Dresdner Kleinwort Wasserstein unter der Kennnummer 575749. Wie hieß die Anlageidee so schön?

          Die Idee basiert auf dem Trendansatz, dass Aktien, die im vergangenen Monat gut positioniert waren, auch im kommenden Monat mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit ihren Trend fortsetzen und sich weiter gut entwickeln. In dem von Dresdner Kleinwort Benson untersuchten Zeitraum von annähernd zwei Jahren schnitt der Momentum-Basket elf Prozentpunkte besser ab als der Dax.

          Wie sollte und soll nun die Strategie aussehen? Wer an der Wertentwicklung der fünf Dax-Werte teilnehmen wollte, die während des jeweils vorausgegangenen Monats die beste Performance unter den Dax-Werten aufgewiesen haben, für den sollte das Zertifikat „das Richtige“ sein. Die Zusammensetzung des Aktienkorbes wurde und wird monatlich überprüft, zu Beginn jedes neuen Monats werden die Aktien, die im Vormonat nicht mehr zu den Top fünf gehörten, aus dem Basket herausgenommen und durch diejenigen, die neu an die Spitze gekommen sind, ersetzt.

          Die Realität legt die Wahrheit offen

          Seit der Lancierung des Produktes Ende des Jahres 2000 sind mittlerweile einige Monate vergangen. So lässt sich der Erfolg der Strategie an der inzwischen erzielten Performance ablesen. Und wie sieht er aus? Da genügt in diesem Falle leider ein Blick auf den Chart - und die ach so wohlklingende Strategie hat eindeutig versagt. Denn das Momentum-Zertifikat hat nicht nur den Dax-Index nicht geschlagen, sondern sogar deutlich schlechter abgeschnitten. Und zwar nicht nur im Abwärtstrend, sondern auch im Aufwärtstrend seit vergangenem September. Dabei würde sich unter normalen Umständen gerade da eine Auswahl der Aktien nach „Momentum-Gesichtspunkten“ anbieten, da sie eine überdurchschnittliche Kursentwicklung bieten sollten.

          Woran kann das „Versagen“ liegen? Dafür gibt es viele denkbare Möglichkeiten. Einmal kann der Zeitraum für die „Testphase“ falsch gewählt worden sein. Wahrscheinlich fiel sie ausgerechnet in die Börsenboomphase, in der die unterstellte Momentum-These zufällig zutraf. Zum anderen dürfte die Selektionsregel schlicht zu einfach sein, um funktionieren zu können. Denn Markttechniker achten immer auf mehrere Indikatoren, die signifikante Signale senden müssen - und nicht nur auf einen einzelnen, wie etwa das Momentum.

          Zertifikate sind oft schwierig zu beurteilen

          Als Fazit bleibt fest zu halten: Banken und andere Finanzdienstleister bringen immer wieder neue Produkte unter wohlklingenden Namen auf den Markt. Allerdings ist nicht alles Gold, was noch so schön glänzt, der Anleger kauft (zu?) oft die Katze im Sack. Die Erfolgswahrscheinlichkeit eines Produktes dürfte sich nur von Experten nach einem näheren Blick auf die jeweilige Strategie prognostizieren lassen. Unter dem Motto „weniger kann mehr sein“ sollte ein Anleger immer nur einen geringen Teil seines „Spielgeldes“ so investieren - und den Rest in solide Werte.

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