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Zertifikate : Asiens Wachstumsmärkte in einem Index

  • Aktualisiert am

Das Jahr des Schweins soll Glück bringen - auch am Aktienmarkt? Bild: dpa

Die Deutsche Börse berechnet einen neuen Index für Asiens Schwellenländer, der in den vergangenen Jahren Produkte der Konkurrenz geschlagen hätte. Anleger sollten sich aber überlegen, ob sie nicht die längst fällige Korrektur abwarten wollen.

          2 Min.

          Indexanbieter und Zertifikatehäuser arbeiten seit einiger Zeit immer enger zusammen. So werden zum Beispiel die S-Box-Indizes der Stuttgarter Börse eigens konstruiert, um darauf Index-Produkte emittieren zu können.

          Doch die Konkurrenz schläft natürlich nicht. Ab sofort berechnet die Deutsche Börse einen neuen Index, in dem 40 Unternehmen aus den asiatischen Schwellenländern vertreten sind, den „Daxglobal Asia Index“. ABN Amro emittiert ein entsprechendes Zertifikat.

          Rückrechnung zeigt gute Wertentwicklung...

          Das Zertifikat soll Anlegern die Chance bieten, an der Entwicklung eines Index teilzuhaben, der sich in der Vergangenheit wesentlich besser entwickelt hätte als andere Börsenbarometer. Die Rückrechnung der Deutschen Börse zeigt, dass ihr Index die Konkurrenten seit September 2001 klar geschlagen hätte.

          Bild: ABN Amro

          Der Index hätte - so es ihn denn gegeben hätte - bisher etwa 150 Prozent gewonnen, der „S&P Asia 50“ und der „MSCI Asia ex Japan“ dagegen nur gut 100 Prozent. Der „Dow Jones Asia Titans“ dagegen liegt in dieser Zeitspanne weit abgeschlagen und hat nur etwa so stark zugelegt wie der breite Markt gemessen am „MSCI World“. Auch den Schwellenländerindex „MSCI Emerging Markets“ hätte der neue Index geschlagen (siehe erste Grafik).

          ... bei vergleichsweise niedrigem Risiko

          Auch das Risiko-Rendite-Profil spreche für den neuen Index, so die Deutsche Börse: Der „Daxglobal Asia“ brachte in den vergangenen Jahren im Vergleich zum „MSCI Asia ex Japan“ eine höhere Rendite bei geringerer Volatilität. Der „DJ Asian Titans“, der sich aus den 50 größten Unternehmen Asiens zusammensetzt, weist zwar eine geringere Volatilität auf, hinkt bei der Wertentwicklung aber hinterher (siehe zweite Grafik).

          Die Deutsche Börse betont, dass sie zum ersten Mal eine vollkommen neue Gewichtungsmethode anwendet, um den „Daxglobal Asia“ zu berechnen. Ein großes Bruttoinlandsprodukt führt zu einer höheren Gewichtung im Index. Chinesische Unternehmen spielen deshalb eine größere Rolle im Index als etwa Hongkong oder Singapur, obwohl deren Kapitalmärkte wesentlich höher entwickelt sind. Die Auswahl der Einzeltitel geschieht dann nach den üblichen Kriterien Marktkapitalisierung und Liquidität.

          „Bluechip-Index für die asiatischen Schwellenländer“

          „Die Gewichtung nach Wirtschaftsleistung erlaubt eine realistische Abbildung der ökonomischen Realitäten in der Region“, schreibt ABN Amro in einer Broschüre zu dem neuen Zertifikat. Die Gewichtung jedes Landes ist allerdings auf 30 Prozent begrenzt, um eine Klumpenbildung zu vermeiden. Sonst hätte China 43,6 Prozent der Unternehmen stellen müssen und nicht nur 30 Prozent.

          Im Index finden sich derzeit zwölf Unternehmen aus China, je acht aus Indien und Südkorea, drei aus Indonesien, je zwei aus Taiwan, Hongkong und Thailand und je eines von den Philippinen, aus Malaysia und Singapur. Jede Aktie hat zunächst das gleiche Gewicht im Index, viermal im Jahr werden diese Gewichte rejustiert. Jeden September wird die Zusammensetzung überprüft, dann könnten auch Unternehmen aus Vietnam, Kasachstan und Pakistan aufgenommen werden. Der „Daxglobal Asia“ gelte als „Bluechip-Index für die asiatischen Schwellenländer“, schreibt ABN Amro.

          Korrektur erwartet

          Der Index-Tracker bietet Anlegern, die an eine weiterhin gute Entwicklung der asiatischen Schwellenmärkte glauben, sicherlich eine gute Investitionsmöglichkeit. Das Zertifikat (Isin NL0000808384) hat ABN Amro zufolge eine Geld-Briefspanne von 2,5 Prozent. Jährlich fällt eine Managementgebühr von 0,75 Prozent an. Weil das Zertifikat die Entwicklung des Total-Return-Index spiegelt, kommen dem Anleger dafür die Dividenden zugute - derzeit sind das etwa 2,3 Prozent im Jahr.

          Langfristig sollten die Chancen auf ansehnliche Renditen in Asiens Schwellenmärkte gut stehen - bei entsprechendem Risiko natürlich. Kurz- bis mittelfristig erwarten viele Beobachter jedoch eine Korrektur, die längst fällig wäre und dem Markt nur gut tun würde. Der Anleger muss daher entscheiden, ob er vor einem Einstieg diese Korrektur nicht lieber abwarten möchte. In einigen Ländern sind die Aktienmärkte regelrecht heißgelaufen, was die zum Teil hohe Bewertung und die sehr steilen Aufwärtstrends zeigen, die aller Erfahrung nach nicht mehr lange intakt bleiben können.

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