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Tec-Dax : Internetbegeisterung an der Frankfurter Börse

Schaltzentrale von Zalando in Berlin: das als Fashion Hub bezeichnete Modezentrum Bild: Lüdecke, Matthias

Mit Zalando, Rocket Internet und Scout 24 streben drei Internet-Unternehmen an die Börse und können auf Bewertungen in Milliardenhöhe hoffen. Zalando-Aktien können nun gezeichnet werden.

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          Der nach dem Niedergang der Solarindustrie ausgezehrte Tec-Dax könnte bald substantiellen Zuwachs erhalten. Mit dem Berliner Internetmodehändler Zalando, der Berliner Internetbeteiligungsgesellschaft Rocket Internet und Scout 24 (Immobilienscout 24) stehen gleich drei Börsengänge an, deren Unternehmen auf eine milliardenschwere Bewertung und einen schnellen Sprung in den Tec-Dax hoffen können. Am weitesten vorangeschritten sind die Börsenpläne von Zalando, die am Mittwochabend veröffentlicht und am Donnerstag auf einer Pressekonferenz vorgestellt wurden. „Um weiter Marktanteile zu gewinnen, und zwar schneller als andere Wettbewerber“, wirbt Zalando-Vorstand Rubin Ritter um das Geld der Anleger. Dividenden soll es vorerst nicht geben. „Der Fokus bleibt auf dem Wachstum des Geschäftes“, sagte Ritter.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Martin Gropp

          Den Anlegern werden seit Donnerstag 24,5 Millionen neue Anteilscheine zur Zeichnung angeboten. Der Handelsauftakt in Frankfurt soll am 1. Oktober sein. Bei einer Preisspanne zwischen 18 und 22,50 Euro könnte der als reine Kapitalerhöhung geplante Börsengang bei der Normalzuteilung 440 bis 550 Millionen Euro einbringen. Sollte auch die Mehrzuteilungsoption genutzt werden, würde sich der Erlös je nach Preis auf 507 bis 633 Millionen Euro erhöhen. Damit wird Zalando nicht nur der größte Börsengang in Frankfurt in diesem Jahr. Es ist auch der erste größere Börsengang eines Internetunternehmens nach dem Niedergang des Neuen Marktes in den Jahren 2000 und 2001. Den exakten Ausgabepreis der Aktien will Zalando am 29.September festlegen. Zusammen mit den schon vorhandenen Barmitteln in Höhe von rund 400 Millionen Euro soll das Geld aus dem Börsengang in langfristige Investitionen fließen, die Technik und Produktinnovationen betreffen. Zalando hat in den vergangenen Jahren drei eigene Logistikzentren bei Berlin, in Erfurt und Mönchengladbach aufgebaut. Sie seien von ihrer Kapazität her so ausgelegt, dass sie das Doppelte des zuletzt zwischen Juni 2013 und Juni 2014 erwirtschafteten Jahresumsatzes von 2 Milliarden Euro abdecken könnten.

          Die Großaktionäre hinter Zalando

          Nur rund 11,3 Prozent des Online-Modehändlers werden an neue Aktionäre verkauft. Die anfängliche Börsenbewertung läge am oberen Rand der Preisspanne bei 5,6 Milliarden Euro. Damit wäre Zalando in etwa so viel wert wie die Deutsche Lufthansa, die derzeit im Dax auf eine Marktkapitalisierung von rund 6 Milliarden Euro kommt. Gleichzeitig würde das erst sechs Jahre alte Unternehmen, das im ersten Halbjahr erstmals einen kleinen Gewinn erwirtschaftet hat, wertmäßig in einer Liga spielen wie das Internetunternehmen United Internet aus Montabaur, das hinter Marken wie 1&1 oder GMX steht und derzeit im Tec-Dax notiert ist. Der baldige Aufstieg in den Tec-Dax dürfte Zalando sicher sein.

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