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Tec-Dax : Internetbegeisterung an der Frankfurter Börse

Der Sprung in den Dax wird aber in nächster Zeit selbst bei einem starken Kursanstieg nicht gelingen. Für die erste Börsenliga ist der Wert der im freien Handel befindlichen Aktien entscheidend. Bei Zalando aber ist der Großteil der Aktien in festen Händen, und alle Großaktionäre haben sich zu einer Haltedauer ihrer Aktien von mindestens einem halben Jahr verpflichtet. Größter Aktionär ist mit derzeit 36 Prozent die schwedische Beteiligungsgesellschaft Kinnevik unter der Führung der bekanntesten schwedischen Investorin Cristina Stenbeck. Sie ist auch Aufsichtsratsvorsitzende von Zalando. Zweitgrößter Aktionär sind die deutschen Internetunternehmerbrüder Marc, Oliver und Alexander Samwer, die über ihre Investmentgesellschaft Global Founders 17 Prozent halten. Der dänische Modeunternehmer Anders Holch Povlsen hält gut 10 Prozent, die beiden russischstämmigen Internetinvestoren Yuri Milner und Len Blavatnik kommen auf 8 und 4 Prozent, die Verlagsgruppe Holtzbrinck hält 8 Prozent, Tengelmann 6 Prozent.

Rocket Internet startet in Schwellenländern durch

Sie alle wollen ihre Anteile ebenso wenig abgeben wie die Gründer Robert Gentz und David Schneider, die ebenfalls noch an ihrem vor sechs Jahren gegründeten Unternehmen beteiligt sind und die Geschicke als Vorstände mitbestimmen. Zalando-Manager Ritter und Christoph Stanger von der Investmentbank Goldman Sachs bemühten sich bei der Präsentation der Erstnotizdetails, die Substanz des Börsengangs und die Konstanz des Unternehmens herauszustellen. „Wir haben zwei Jahre an dem Börsengang gearbeitet“, sagte Ritter. Der Gang aufs Parkett sei „wohlüberlegt und gut vorbereitet“. Das Bankenkonsortium für den Börsengang ist jedenfalls prominent besetzt. Neben Goldman Sachs sind Morgan Stanley und Credit Suisse federführend. Auch die Deutsche Bank und JP Morgan sind beteiligt. Nach Angaben von Goldman-Banker Stanger gehe das Management nun in London und den Vereinigten Staaten auf Investorensuche. Die Zusage einiger Anleger, Aktien im Wert von mindestens 126 Millionen Euro zu zeichnen, gibt es schon.

Dabei buhlen derzeit mehrere Unternehmen aus der Internetbranche um die Aufmerksamkeit der Anleger. Überragend ist hierbei der chinesische Online-Händler Alibaba, dessen Börsengang an diesem Freitag in New York erfolgt und mit einem Volumen von mehr als 24 Milliarden Dollar der größte der Welt werden könnte. Aber auch in Deutschland steht mit Rocket Internet eine weitere große Emission aus der Internetbranche an. Nächste Woche könnten die Details der Börsenpläne der Berliner Internetbeteiligungsgesellschaft veröffentlicht werden. Auch Rocket Internet dürfte einen Börsenwert von 5 Milliarden Euro anstreben. Als Preisindiz kann die Beteiligung durch United Internet gelten, die im August 435 Millionen Euro für 10,7 Prozent an Rocket Internet bezahlte. Mehrheitlich gehört Rocket Internet den auch an Zalando beteiligten Samwer-Brüdern. Großaktionäre sind zudem ebenfalls Kinnevik, Holtzbrinck und Blavatnik. Das Unternehmen entwickelt Online-Marktplätze und Internethändler und expandiert mit diesen in wenig beachtete Schwellenländer in Afrika, Asien und Lateinamerika.

Als dritter Internetbörsengang in Frankfurt deutet sich zudem die Scout-24-Gruppe mit ihren Flaggschiffen Immobilienscout 24 und Autoscout 24 an. Die Deutsche Telekom hatte Anfang des Jahres 70 Prozent ihrer Anteile für 1,5 Milliarden Euro an die Finanzinvestoren Hellman&Friedman und Blackstone verkauft und will dem Vernehmen nach 25 Prozent des Unternehmens an die Börse bringen.

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