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Börsengang : Zalando-Aktie hat erst einmal gute Aussichten

Bild: dpa

Zalando kommt an die Börse. Die Aussichten sind kurzfristig nicht schlecht, allzumal die Aktie vergleichsweise erschwinglich ist. Kritisch kann es mittelfristig werden.

          18 bis 22,50 Euro will der Online-Modehändler Zalando für eine Aktie haben und auf diese Weise bis zu 633 Millionen Euro einnehmen. 11,3 Prozent des Unternehmens will man verkaufen. Das ist für einen Börsengang ein eher dünner Streubesitz und bewertet Zalando mit 4,4 bis 5,6 Milliarden Euro, je nachdem wie viele Aktien verkauft werden und wie hoch der Preis letztlich sein wird.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zuvor hatte es in Medienberichten geheißen, Zalando peile Einnahmen von bis zu 750 Millionen Euro an. Das Unternehmen hatte sich bisher nicht festgelegt. Dies zeigt, wie hoch die Erwartungen derzeit an Internet-Börsengänge sind. Die sind nicht unberechtigt. Zwar ist nicht jeder der großen Börsengänge aus der Branche in den vergangenen drei Jahren gut gelaufen, doch lässt sich konstatieren, dass es die negativen Entwicklungen in der Spielebranche gab (Zynga, King Digital), während sich die übrigen eher recht gut entwickelt haben. Das Markt-Sentiment scheint also grundsätzlich für Zalando zu sprechen.

          Internet-Börsengänge der vergangenen Jahre
          Unternehmen Isin Erstnotiz Kursentwicklung
          Zum Ausgabepreis Zum ersten Kurs
          King Digital IE00BKJ9QQ58 26.03.2014 -38,93% -8,89%
          Twitter US90184L1026 07.11.2013 95,00% 12,42%
          Facebook US30303M1027 17.05.2012 101,13% 77,79%
          Zynga US98986T1088 16.12.2011 -68,50% -68,50%
          Pandora US6983541078 15.06.2011 69,25% 35,40%
          Yandex NL0009805522 25.05.2011 20,08% -14,23%
          Linkedin US53578A1088 19.05.2011 366,76% 153,06%
          Quelle: Bloomberg

          Zalando hat im vergangen Geschäftsjahr 1,76 Milliarden Euro umgesetzt und dabei einen Verlust von 116,6 Millionen Euro verbucht. Gegenüber 2011 hat sich der Umsatz damit mehr als verdreifacht und der Verlust knapp verdoppelt. Das suggeriert, dass es in die richtige Richtung zu gehen scheint. Das legt auch das erste Halbjahr nahe, in dem Zalando den Umsatz gegenüber der Vorjahresperiode um knapp 30 Prozent auf 1,05 Milliarden Euro steigerte und einen kleinen Gewinn von 200.000 Euro erwirtschaftete. 2013 hatte es im ersten Halbjahr noch einen Verlust von 76,6 Millionen Euro gegeben.

          Vergleicht man die Bewertung von Zalando im Verhältnis zum Vorjahresumsatzes mit der andere Internet-Aktien, so erscheint die Aktie der Berliner mit 2,5- bis 3,2fachen des Umsatzes vergleichsweise günstig. Facebook wird mit dem 25fachen bewertet, Twitter mit dem 47fachen, Alibaba bei seinem aktuellen Börsengang mit dem 19- bis 20fachen. Diese Unternehmen sind zwar eigentlich nicht vergleichbar, aber wenn es um Internet und Neue Medien geht, unterscheiden die Aktienmärkte derzeit nicht sehr scharf.

          Zwar ist Zalando angesichts der Tatsache, dass das Unternehmen noch keine Gewinnhistorie vorzuweisen hat, eine typische Wachstumsaktie, von der Großes erwartet wird. Doch im Gegensatz zu dem Geschäftsmodellen von Facebook oder Twitter ist das der Berliner grundsätzlich vergleichsweise einfach zu bestreiten. Zalando ist eine Handels- und keine Produktmarke, ja, das eigene Geschäftsmodell ist schon eine Kopie des Online-Händlers Zappos.

          Derzeit hat die Marke mit ihrer nervigen Fernsehwerbung aber genügend Frische und so dürften in nächster Zeit zum einen Erfolgsmeldungen zu erwarten sein. Zum anderen ist Zalando derzeit der Newcomer im Markt, der sich breit macht. Jetzt ist wohl genau der falsche Zeitpunkt, um einen neuen Online-Modehändler in Deutschland aufzubauen.

          Aber das Wachstum dürfte Zalando mittelfristig schwerer fallen. Schon jetzt ist Zalando nach eigenen Angaben europäischer Marktführer im Online-Handel mit Schuhen und Mode und in 15 Ländern aktiv. Langfristig kann Zalando ohnehin nur mit der Konsumnachfrage wachsen. Der einfachste Teil der Wachstumsstory ist bereits erzählt.

          Konkurrent Asos steht unter Druck

          Warnen sollte auch das Beispiel des britischen Online-Modehändlers Asos. Dieser machte 2013 mit 935 Millionen Pfund (1,18 Milliarden Euro) 20 Prozent mehr Umsatz als im Jahr davor, der Gewinn stieg um 39 Prozent auf 41 Millionen Pfund. Doch mittlerweile hat Asos zum dritten Mal innerhalb des laufenden Jahres die Prognosen gesenkt und rechnet nicht mehr mit steigenden Gewinnen im kommenden Jahr. Grund sind vor allem hohe Investitionskosten. Der Aktienkurs, der sich zwischen Anfang 2012 und Februar 2014 mehr als verfünffacht hatte, ist seitdem wieder um 70 Prozent gefallen.

          Unter anderem macht Asos die Aufwertung des Pfundes gegenüber dem australischen Dollar zu schaffen. Die Umsätze auf dem wichtigsten Auslandsmarkt Australien schrumpften zuletzt und Marktanteile gingen verloren. Doch es war nicht der Wechselkurs allein: Viel mehr stellte sich heraus, dass die australischen Kunden lieber bei einheimischen Anbietern einkaufen. Zalando könnte leicht in Schweden, Polen oder anderswo außerhalb des Euroraums in eine ähnliche Situation geraten. Asos senkt jetzt in Australien die Preise und bietet Gratis-Retouren an.

          Zudem beginnt in Großbritannien der stationäre Handel zurückzuschlagen. Bloomberg-Analyst Charles Allen kommt in einer Studie zu dem Schluss, dass den reinen Online-Händlern aus dem System „Click & Collect“, Gefahren erwachsen. Die Möglichkeit, online erworbene Artikel in Läden abzuholen und zurückzugeben, sei angesichts geringer Größenvorteile im Versand effizient. Derweil der Gratisversand zwar zum raschen Aufbau eines Kundenbestands führe, erhöhe er auch die Fixkosten. Hinzu kommt: Je mehr mobil eingekauft wird, desto eher führt der Weg auch einmal in ein Ladengeschäft. Solange der Kauf im Internet stationär an die eigene Wohnung gebunden ist, ist der Postversand der rationalste Weg zur Lieferung.

          Kurzfristig dürfte man sich um Zalando keine Sorgen machen müssen. Im Gegenteil sind hohe Kursgewinne in den kommenden 12 bis 18 Monaten durchaus wahrscheinlich. Die Story ist immer noch frisch und zu bestechend. Irgendwann aber muss Zalando mehr liefern als steigende Kundenzahlen. Zumal wenn wie bei Zalando als aktiver Kunde zählt, wer in den vergangenen 12 Monaten mindestens einmal eingekauft hat. Für Aktienanleger der ersten Stunde kommt es darauf an, zur rechten Zeit auch wieder auszusteigen. Aber darauf kommt es ja wohl immer an.

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