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Nymex in New York : Ein weiterer Abschied vom Parketthandel

Händler an der Chicago Mercantile Exchange (CME). Bild: dpa

Die Zahl der Finanzplätze mit Parketthandel sinkt. In New York stellt die Warenterminbörse Nymex diese alte Börsentradition zum Jahresende sogar ganz ein. Die Frankfurter Börse will nicht darauf verzichten - und hat gute Gründe dafür.

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          Gestikulierende Händler, Rufe, Tumulte bei heftigen Kursveränderungen: Über Jahrhunderte war das alles typisch für die Institution einer Börse - heute aber wird der traditionelle Parketthandel nur noch von einigen wenigen Börsengesellschaften in der Welt gepflegt. Und das oft eher aus folkloristischen Gründen, als Kulisse für Börsensendungen im Fernsehen oder um Besuchergruppen die Funktionsweise des Prinzips Aktie zu erklären.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auf jeden Fall wird die Zahl der Finanzplätze mit Parketthandel immer weniger: Zuletzt gab die Chicago Mercantile Exchange (CME) am vergangenen Mittwoch bekannt, sie werde zum Jahresende den Parketthandel in New York einstellen. Betroffen sind die Warenterminbörse Nymex und die Rohstoffbörse Comex. Bereits im Sommer vorigen Jahres hatte die CME - nach Marktkapitalisierung immerhin die größte Börsengesellschaft der Welt - einen erheblichen Teil des Parketthandels bei ihren Tochtergesellschaften aufgegeben.

          „Es gibt jetzt nur noch eine Handvoll Börsen auf der Welt, die noch Parketthandel anbieten“, sagte ein Sprecher der Deutschen Börse in Frankfurt. Das bekannteste Beispiel ist die New York Stock Exchange (NYSE) an der Wall Street, die ihre Tradition seit 1792 pflegt. Über diese weltberühmte Institution sagte der frühere Frankfurter Börsenchef Werner Seifert schon vor gut zehn Jahren, die Amerikaner seien da schlicht „etwas hinterher“, weil die Preisfindung noch immer in Form „wild gestikulierender Händler in bunten Jacken“ stattfinde.

          In früheren Jahren sollen unter anderem die Eigentümerverhältnisse in New York den Parketthandel geschützt haben, die Broker-Firmen hatten dort über ihre Organisation viel Einfluss. Der heutige Eigentümer, die Börsengesellschaft Intercontinental Exchange (ICE) mit Sitz in Atlanta, hatte zwar nach der Übernahme der New Yorker Börse im Jahr 2013 den Parketthandel als profitablen Teil des Geschäftsmodells bezeichnet und Schließungsgerüchte dementiert. Mittlerweile soll aber die Lage selbst dort nicht mehr so eindeutig sein.

          Auch in Frankfurt gab es oft Spekulationen um den Parketthandel

          In London wurde der Aktienhandel im Jahr 1986 auf ein elektronisches System verlagert. In der britischen Hauptstadt gibt es Parketthandel heute vor allem noch bei der Metallbörse London Metal Exchange (LME), gegründet 1877, bei der die Händler auf einem ringförmigen, roten Sofa sitzen. Die Metallbörse gilt mittlerweile als der wichtigste Parketthandel in Europa. Gleichwohl gibt es auch dort offenbar gewisse Verfallserscheinungen: So zog sich die Bank JP Morgan nach dem Verkauf ihres umstrittenen Rohstoffgeschäftes aus dem „Ring“ zurück, wie es hieß. Damit handelten dort nur noch neun Finanzinstitute - auch das gilt als ein Zeichen dafür, dass der vollelektronische Handel selbst in diesem Spezialgebiet immer weiter an Bedeutung gewinnt.

          Auch in Frankfurt gab es oft Spekulationen, der Parketthandel könnte ganz eingestellt werden. Im Jahr 1997 wurde dort das elektronische Handelssystem Xetra eingeführt, im Laufe der Zeit wurde der rein elektronische Handel immer wichtiger. Mehr als 90 Prozent des Aktienhandels in Deutschland finden mittlerweile auf Xetra statt. Gleichwohl gibt es das Frankfurter Börsenparkett im historischen Gebäude der Industrie- und Handelskammer noch, wenn auch mit einer veränderten Funktion.

          „Mit dem Parkett machen wir die Börse für das breite Publikum sichtbar und tragen wesentlich zur Aufklärung der Öffentlichkeit und zur Förderung der Aktienkultur in Deutschland bei“, sagte ein Börsensprecher. Jedes Jahr kämen beispielsweise rund 36.000 Besucher in die Börse, um sich ein Bild vom Aktienhandel zu machen. Zudem habe der Handel auf dem Parkett, der seit dem Jahr 2011 nicht mehr mit klassischen Skontroführern, sondern mit sogenannten Spezialisten erfolgt, eine gewisse Bedeutung bei Nebenwerten. Außerdem könne man auf dem Parkett länger handeln: „Der Handel findet von 8 bis 20 Uhr statt - also 3,5 Stunden länger als der vollelektronische Xetra-Handel.“

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