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Wohnungsbau : Nur Übernahmespekulationen machen Aktien von Wohnungsbauern interessant

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„Das wird richtig ins Kontor hauen” - Kampa steuert auf hohe Verluste zu Bild: ddp

Die Baugenehmigungen in Deutschland sind deutlich eingebrochen. Das veranlasste zumindest Kampa-Haus zu einer deftigen Gewinnwarnung. Andere Wohnungsbauer scheinen sich derzeit noch besser zu halten.

          „Das wird richtig ins Kontor hauen“, sagte am Dienstag Elmar Schmidt, Vorstandschef der Kampa AG und bezog sich damit auf die Gewinnwarnung, die Deutschlands größter Fertighausbauer an diesem Tag begab.

          Kampa bekommt das zu spüren, was Zahlen des Statistischen Bundesamtes an diesem Dienstag bestätigten und was Unternehmen und Verbände der Branche schon im vergangenen Jahr prognostiziert hatten.

          Deutlicher Einbruch der Baugenehmigungen

          Die steuerlichen Änderungen, vor allem die Abschaffung der Eigenheimzulage hat im vergangene Jahr eine Sonderkonjunktur im Wohnungsbau bewirkt und lässt diesen in diesem Jahr um so deutlicher einbrechen.

          Im ersten Quartal 2007 wurden nur noch 40.600 Wohnungsbauanträge genehmigt - knapp die Hälfte weniger als im Vorjahreszeitraum. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern gab es ein Minus von 62 Prozent, bei Wohnungen in Mehrfamilienhäusern sanken die Genehmigungen um knapp 25 Prozent.

          Die Ursache für die drastischen Rückgänge dürfte nach Ansicht der Statistiker vor allem in der Abschaffung der Eigenheimzulage liegen. Für Bauanträge, die vor dem 1. Januar 2006 eingereicht wurden, konnte noch der Anspruch auf Eigenheimzulage nach den früheren Regelungen für einen Zeitraum von acht Jahren geltend gemacht werden. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern hatte dies nach Angaben der Statistiker zu Vorzieheffekten mit hohen Genehmigungszahlen bis in das Jahr 2006 hinein geführt. Auch der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie hatte kürzlich sinkende Auftragseingänge im Wohnungsbau gemeldet.

          Hoher Auftragsüberhang und schwacher -eingang bei Kampa

          Wie von FAZ.NET schon im vergangenen September prognostiziert (Helma Eigenbau steht vor großen Herausforderungen), trieb zu Jahresbeginn noch der Überhang des „Ausverkaufgeschäfts“ die Umsätze, doch mittlerweile wird immer deutlicher, dass diese Sonderkonjunktur ausläuft.

          So hatte Kampa im ersten Quartal 2007 so viele Häuser gebaut wie schon lange nicht mehr und verzeichnete ein Umsatzplus von knapp zehn Prozent auf 23,5 Millionen Euro, wobei der Zuwachs noch höher ausgefallen wäre, wenn zum Jahresende 2006 fertig gestellte Gewerke aufgrund der Mehrwertsteuererhöhung nicht vorzeitig abgerechnet worden wären. Ansonsten hätte der Umsatzzuwachs über 100 Prozent betragen.

          Doch schon damals warnte Kampa, dass der Auftragseingang um 31,5 Prozent unter dem ungewöhnlich hohen Niveau des ersten Quartal des Vorjahres lag. Vorstandschef schloss bereits seinerzeit „Unterauslastungen im weiteren Jahresverlauf“ nicht aus.

          Sagte Schmidt damals noch, die anvisierten 175 Millionen Euro Jahresumsatz lägen jetzt eher am oberen Rand der Erwartungen, so rechnet er nun nur noch mit einem Umsatz von 160 Millionen Euro und mit deutlichen Verlusten in ungenannter Höhe.

          Schwächere Auftragslage bei Bien und Helma schon 2006

          Sollte die Inlandsnachfrage sich in den kommenden Monaten nicht erholen, sei es fraglich, ob die Ziele für 2008 und 2009 erreicht werden könnten, zudem müssten dann die Kapazitäten angepasst werden. Bisher war Kampa von steigenden Umsätzen und Gewinnen von 2008 an ausgegangen.

          Anfang Mai hatte der Konkurrent Bien-Zenker ebenfalls über einen rückläufigen Auftragseingang bereits seit Mitte 2006 berichtet und deswegen zu Jahresbeginn bereits 27 Mitarbeiter entlassen. Im ersten Quartal verringerte sich die Bauleistung aufgrund des hohen Abrechnungsvolumens zum Jahresende gegenüber dem Vorjahresquartal um rund 15 Prozent.

          Dagegen konnte das Unternehmen die Auftragseingänge sogar um knapp 15 Prozent steigern. Offenbar kommt Bien-Zenker dabei die Spezialisierung auf Fertighäuser zugute, wohingegen Kampa individuelle Ein- und Zweifamilienhäuser in verschiedensten Preis- und Ausstattungsvarianten anbietet.

          Börsennotiert ist auch die Helma Eigenbau, die schwerpunktmäßig individuelle oder typisierte Ein- und Zweifamilienhäuser in Massiv- bzw. Elementmassivbauweise anbietet und 2006 mit einem Umsatzanstieg um rund 74 Prozent auf 57,56 Millionen Euro und einem Zuwachs des Betriebsergebnisses von 330 Prozent auf 2,5 Millionen das beste Ergebnis ihrer Firmengeschichte verzeichnete.

          Schwaches Endkundengeschäft bei Design Bau

          Auch Helma verzeichnete bereits 2006 Belastungen beim Auftragseingang und so fiel der . Brutto-Auftragseingang 64,7 Millionen Euro nach 66,7 Millionen im Vorjahr. Indes erwartete Helma nach Aussagen von Ende April aufgrund des Auftragseingangs einen Umsatzanstieg auf über 80 Millionen Euro.

          Auch die Design Bau, die in dem am 28. Februar zu Ende gegangenen Geschäftsjahr Belastungen vor allem in der ersten Hälfte verspürt hat, konnte den Umsatz auf 43,4 Millionen Euro verdreifachen, wohingegen das Ergebnis deutlich ins Minus rutschte, gibt sich optimistisch für das laufende Geschäftsjahr.

          Allerdings begründete sich der Umsatzanstieg im wesentlichen aus dem Verkauf eines Projekts an ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Bau-Verein zu Hamburg, wohingegen der Absatz an Endkunden, laut Unternehmensdarstellung vor allem Familien, nur rund die Hälfte des Vorjahreswerts erreichte.

          Deutlich stärker war auch der Mittelabfluss aus laufende Geschäftstätigkeit, der nach 1,5 Millionen Euro im Vorjahr 17,7 Millionen Euro erreichte, vor allem weil sich der Bestand an Vorräten, im wesentlichen Grundstücken, erhöhte.

          Hohe Bewertungen

          Alles in allem scheinen die Unternehmen der Branche unterschiedlich gut mit den Belastungen fertig zu werden und sich auch unterschiedlich schnell darauf eingestellt zu haben. Indes ist offen, ob sich die Situation bald wieder entspannt. Denn weitere steuerliche Lasten kommen auf die Branche zu. So wurden Begehrlichkeiten wie die Streichung der Wohnungsbauprämie oder Forderungen zur Verdoppelung der Grundsteuer laut und sind noch nicht endgültig vom Tisch.

          Derzeit ist noch nicht ganz absehbar, wie sich der Eigenheimbau im laufenden Jahr entwickeln wird. Die Aktien sind dabei höchst unterschiedlich bewertet. Während für Bien-Zenker keine Prognosen verfügbar sind, da das Unternehmen ohnehin mehrheitlich zur österreichischen ELK-Gruppe gehört, kommt Helma nach Analystenprognosen für 2007 auf ein KGV von 18,3 und für 2008 auf 10,8, was einige Erwartungen einpreist.

          Design Bau ist nach Schätzungen mit KGVs vonn 11 bzw. 10,7 bewertet, was sich deutlich günstiger ausnimmt. Indes hatten die Analysten für das vergangene Geschäftsjahr mit einem Gewinn von 54 Cent je Aktie gerechnet, wohingegen das Unternehmen tatsächlich einen Verlust von drei Cent hinnehmen musste.

          Übernahmespekulationen stützen

          Das versetzte der Aktie des Unternehmens, deren Kurs bereits im Vorjahr von einem Hoch bei 15,64 Euro bis auf 8,18 Euro abgestürzt war, einen zusätzlichen Schubs nach unten, so dass sie bei 8,25 Euro dieses Allzeittief erneut testet.

          Auch Helma konnten die guten Ergebnisse nicht helfen. Vielmehr liegt die Notierung nach einem starken Kursaufschwung im Vorjahr seit Mitte Februar in einem ebenso deutlichen Abwärtstrend. derzeit muss sich weisen, ob die Marke von 20 Euro halten kann, sonst droht auch hier ein Test des Allzeittiefs von 19 Euro.

          Die Aktien von Bien und Kampa werden dagegen von Übernahmespekulationen gestützt. So erhöhte ELK im Februar seinen Anteil auf über 75 Prozent, nachdem man im vergangenen Jahr mit einem Übernahmeangebot gescheitert war.

          An Kampa hingegen hat der Finanzinvestor Triton im vergangenen Jahr einen Anteil von 55,33 Prozent vom früheren Mehrheitseigner Wilfried Kampa übernommen und kommt seit Anfang
          Januar auf einen Anteil von 62,8 Prozent der Kampa-Aktien.

          Nichtsdestoweniger zeigen die schwächeren Zahlen Wirkung. Am Dienstag verliert die Kampa-Aktie 1,6 Prozent auf 8,48 Euro, womit die Aktie an die bisherigen Kursverluste dieses Monats anknüpft, die den Kurs vom Fünf-Jahres-Hoch bei 9,19 Euro auf das kurzfristige Unterstützungsniveau gedrückt haben. Hält dieses nicht, so dürfte die nächste Unterstützung bei acht Euro getestet werden.

          Die Aktie von Bien-Zenker verharrt dagegen recht stabil in der Spanne zwischen 13,50 und 14 Euro und ist dabei mit einem KGV für 2006 von über 50 bewertet.

          Insgesamt erscheinen aktuell die Übernahmespekulationen als Kaufargument für die Branche noch am reizvollsten, wohingegen Bewertungen und Charttechnik derzeit eher wenig attraktiv erscheinen.

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