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Wohnungsbau : Lennar-Aktie kämpft um Unterstützung

  • Aktualisiert am

Lennars Dienste sind derzeit wenig gefragt Bild: AFP

Der drittgrößte amerikanische Hausbauer Lennar vermeldet für das erste Quartal einen drastischen Gewinneinbruch. Der Aktienkurs aber hält sich am Rand der Unterstützungszone. Dennoch hat die Notierung weiteres Abwärtspotential.

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          Dass der amerikanische Immobilien- und Hypothekenkreditmarkt schon einmal in bessere Verfassung war, dürfte mittlerweile keinem aufmerksamen Beobachter mehr entgangen sein. Dass darunter die Bauwerte zu leiden haben, ist gleichfalls keine sonderlich große Überraschung.

          Umstritten aber ist das Ausmaß der Krise und der Umfang ihrer Auswirkungen auf den Rest der amerikanischen Wirtschaft. Legt man indes die Zahlen zugrunde, die der amerikanische Hausbauer Lennar am Dienstagabend veröffentlichte, so dürfte man sich wohl eher auf die Seite der Pessimisten stellen wollen.

          Keine neuen Prognosen

          Der drittgrößte amerikanische Hausbauer hat im Zuge der Krise am Immobilienmarkt einen Gewinneinbruch im ersten Quartal des im Dezember angelaufenen Geschäftsjahres erlitten und darob seine Prognosen für den Jahresverlauf zurückgenommen. Im Quartal bis Ende Februar sei der Gewinn um 73,4 Prozent auf 68,6 Millionen Dollar gefallen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Der Umsatz sank um 14 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar, die Aufträge für Neubauten gingen um 27 Prozent zurück. Die Zahl der fertig gestellten Häuser ging um vier Prozent und der erzielte durchschnittliche Verkaufspreis um sieben Prozent zurück.

          Auch für die weitere Entwicklung zeigte sich Lennar pessimistisch. Das Unternehmen rechne nun damit, seine Geschäftsziele zu verfehlen, hieß es. Neue Zielmarken nannte Lennar nicht. Solange sich die Preise nicht stabilisierten, sei nicht absehbar, wann die Geschäfte wieder besser liefen, erklärte Konzernchef Stuart Miller. Das stimmt mit der Prognose überein, die Donald Tomnitz, Vorstandschef von D.R. Horton vor wenigen Wochen abgab: „2007 is going to suck, all 12 months of the calendar year.“, was etwa soviel bedeutet wie „2007 wird besch..., und zwar in jedem einzelnen Monat.“

          Frühjahrsgeschäft hat noch nicht stattgefunden

          Noch vor drei Monaten war Lennar davon ausgegangen, trotz 20 Prozent weniger fertig gestellten Häusern einen Gewinn erzielen zu können, der dem des Vorjahres entspricht. Jetzt sei das sonst starke Frühjahrsgeschäft noch nicht angelaufen. Lennar lägen Neuaufträge für 7.132 Häuser vor, 27 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. 29 Prozent der Verträge werden derzeit im Schnitt gekündigt.

          Lennar erklärte, die Krise am Hypothekenmarkt für Kredite mit geringer Bonität - den so genannten Subprime mortgages - belasteten die ohnehin geschwächte Branche weiter. Lennar zog mit seiner Bilanz und Prognose am Dienstag die amerikanischen Börsen ins Minus. Händler sahen darin einen Hinweis, dass sich die Krise am Immobilienmarkt negativ auf die Ausgaben der Verbraucher niederschlagen könnte.

          Der Verkauf neuer Eigenheime in den Vereinigten Staaten war im Februar auf den tiefsten Stand seit sieben Jahren gefallen. Die einst so wachstumsfreundliche Branche droht nun die gesamte amerikanische Wirtschaft nach unten zu ziehen. „Die Zahlen zum Verbrauchervertrauen und die Äußerungen zu den Häuserpreisen haben das Vertrauen des Marktes untergraben, dass wir im ersten Quartal Geschäftszahlen bekommen werden, die den Markt trotz Widerstands antreiben“, sagte Analyst Marc Pado von Cantor Fitzgerald.

          Immer noch großes Vertrauen

          Der amerikanische Immobiliensektor leidet unter einem Überangebot am Markt, zunehmenden Vertragskündigungen verunsicherter Käufer und entsprechend einem Rückgang der Nachfrage. Die meisten Baufirmen sind deshalb gezwungen, ihre Preise zu senken und andere Anreize zu bieten, um den Umsatz anzukurbeln.

          Von dem Abschwung sind auch die Wettbewerber von Lennar betroffen. Vergangene Woche meldete die Baufirma KB Home einen Gewinnrückgang um 84 Prozent im ersten Quartal; als Grund gab sie reduzierte Preise für neue Häuser an. Im Januar vermeldete D.R. Horton einen Ergebnisrückgang von 65 Prozent aufgrund drastischer Grundstücksabschreibungen.

          Die Lennar-Aktie ist trotz eines Kursrückgangs von 13 Prozent seit Anfang Februar mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von knapp 17 für das laufende und 13 für das kommende Jahr bewertet. Diese immer noch optimistische Bewertung zeigt ein immer noch großes Vertrauen der Anleger, was sich gestern darin niederschlug, dass die Lennar-Aktie zum Tagesende fast unverändert schloss.

          Charttechnisch im Abwärtstrend

          Das dürfte daran liegen, dass die Analysten im Schnitt von mehr als einer Halbierung des Vorsteuergewinns und einem gewinn je Aktie ausgehen, der um 30 Prozent unter dem des Vorjahres liegen soll. Und offenbar wird darauf gerechnet, dass es so schlimm nicht kommen wird - unverwüstlicher Börsianer-Optimismus eben.

          Nichtsdestoweniger befindet sich die Aktie in einem deutlichen Abwärtstrend und kämpft derzeit darum, die Unterstützungszone bei 45 Dollar nicht vollends zu durchbrechen. Sollte das geschehen, so dürften die Kurse bis auf 41 Dollar zurückgehen. Das könnte bei weiter schlechten Nachrichten aus dem Immobiliensektor auch passieren. Danach wird es kritisch, weil weitere starke Unterstützungen bis in den Bereich von 26 Dollar fehlen. Derzeit gibt es wohl wenig Gründe, in Lennar oder andere amerikanische Bauwerte zu investieren.

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