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Wohnmobile : Hymer-Aktie legt Vollbremsung hin

  • Aktualisiert am

An der Börse geht es aktuell bei Hymer etwas weniger idyllisch zu Bild: Hymer

Mit einem Einbruch von 30 Prozent in der Spitze reagierte die Hymer-Aktie auf den klammheimlich auf der Internetseite veröffentlichten Geschäftsbericht. Denn der beinhaltete statt dem erhofften Anstieg einen Gewinnrückgang.

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          Böse Überraschung für alle Hymer-Aktionäre. Der Wert ihrer Aktien, von denen sie normalerweise eher stetig steigende Kurse gewöhnt sind, ist in den vergangenen beiden Handelstagen drastisch eingebrochen. Nach bereits herben Verlusten am Vortag sackte der Titel am Freitag bei vergleichsweise sehr hohen Umsätzen im Tief bis auf 69,10 Euro ab. Gemessen an Kursen von 97,70 Euro, wie sie noch am Mittwoch gehandelt wurden, errechnet sich für die Aktien des Reisemobil- und Caravan-Anbieter ein massives Minus von fast 30 Prozent.

          Inzwischen hat sich der Wert zwar wieder erholt und mit Kursen von 84,10 Euro liegt er im Tagesvergleich sogar wieder im Plus. Aber den Anlegern dürfte der Schreck trotzdem noch in den Gliedern stecken. Beigetragen zur Kurserholung hat eine Mitteilung des Unternehmens, wonach das in dieser Woche veröffentlichte Ergebnis den Planungen entspricht und auch in der aktuellen Geschäftsentwicklung keine Erklärung für den Kurseinbruch zu sehen sei.

          Gewinn verfehlt die Markterwartungen

          Einige Anleger waren mit dem Studium des Geschäftsberichts aber offenbar nicht zufrieden und trennten sich nach Einsicht rigoros von ihren Stücken. Anlaß für eine so radikale Haltung beinhaltet das Zahlenwerk zwar nicht, aber es finden sich darin doch einige Wermutstropfen. So ist es der Gesellschaft zwar gelungen, den Umsatz von 716,6 Millionen auf 750 Millionen Euro zu verbessern, der Gewinn konnte aber nicht mehr gesteigert werden. Das Ergebnis je Aktie betrug im Geschäftsjahr 2004/2005 6,74 Euro, was gegenüber dem im Jahr 2003/2004 erreichten Niveau von 6,97 Euro einen kleinen Rückschritt bedeutet. Aus Sicht des Unternehmens mag dies im Rahmen der Erwartungen liegen, die Analysten hatten sich aber insgeheim eine erneute Ergebnissteigerung in den Bereich von 7,40 Euro je Aktie erhofft.

          Der Chart zeigt die Entwicklung der Hymer-Aktie

          Zusammen mit den rückläufigen Rentabilitätskennziffern (die Umsatzrendite vor Ertragssteuern ermäßigte sich von 6,7 auf 6,1 Prozent und die Eigenkapitalrendite vor Ertragsteuern von 40,7 auf 33,9 Prozent) reichte dies für etliche Anleger wohl aus, auf den Ausstiegsknopf zu drücken. Kritisiert wird aber auch allgemein die Informationspolitik der Gesellschaft. Was bei den Anlegern überhaupt nicht gut ankam, war die Entscheidung des Unternehmens, den mit wichtigen Informationen bestückten Geschäftsbericht einfach mir nichts, dir nichts auf die Internetseite zu stellen. In der Tat wäre zumindest eine terminliche Vorankündigung angebracht gewesen, oder noch professioneller wäre es, solche Informationen zeitgleich mit einer Adhoc- oder Pressemeldung zu verbreiten.

          Unbefriedigende Kommunikationspolitik

          Auf Anfrage hieß es dazu, man habe keinen Anlaß für eine Pflichtmitteilung gesehen und im übrigen sei dies auch gesetzlich nicht vorgeschrieben. Analysten wie Matthias Rieger, Autor des Hanseatischen Börsenbriefs, der die Hymer-Aktie schon vor fast zwei Jahren zum Kauf empfohlen hat, sieht das etwas anders: „Hymer hat die unerfreuliche Kursreaktion zumindest teilweise selber verschuldet. Die Marktteilnehmer wurden auf die wenig erfreulichen Zahlen überhaupt nicht vorbereitet. Ein Teil der Ursache für den rapiden Kursverfall ist in der unzureichenden Kommunikationspolitik von Hymer zu suchen“, so seine Kritik.

          Den Stab will Rieger über den Reisemobilhersteller deshalb aber nicht brechen. Von Panikverkäufen rät er auf dem bereits gedrückten Kursniveau jedenfalls ab. Schließlich sei die erreichte Eigenkapitalrendite nach Steuern von rund 19 Prozent trotz steigender Material- und Rohstoffkosten sowie eines aufgrund des Trends zu preiswerten Fahrzeugen zu spürenden Margendrucks noch immer respektabel. Etwas Mut mache zudem der im Geschäftsbericht abgegebene Ausblick, der für das laufende Geschäftsjahr leichte Steigerungen bei Umsatz und Absatz in Aussicht stelle. Und angesichts der bis zum 30. November im Konzern verbuchten Umsatzsteigerung von 5,3 Prozent klingt dieses Versprechen auch durchaus glaubhaft.

          Abzuwarten bleibt aber, wie sich die von der Politik eventuell anvisierte höhere Besteuerung von Reisemobilen auf die Geschäftsentwicklung niederschlagen und wie sich die geplante hohe Investitionstätigkeit auf den Gewinn auswirken wird. Die damit verbundenen Zweifel dürften einen Höhenflug, wie ihn die Hymer-Aktie in den vergangenen drei Jahren erlebte, zunächst unterbinden. Mit einem aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,3 erscheint der Titel allerdings nicht überteuert.

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