https://www.faz.net/-gv6-84spt

Wochenausblick : Börsianer warten auf Neuigkeiten aus Brüssel und Athen

  • Aktualisiert am

Die deutschen Börsianer warten weiter auf konkrete Ergebnisse im griechischen Schuldendrama Bild: AP

Die neue Woche an der Börse wird wohl ganz im Zeichen des nahenden Showdowns im griechischen Schuldendrama stehen. Viele Marktbeobachter gehen bisher von einem - wie auch immer gearteten - „Deal“ aus.

          2 Min.

          Am Montag soll ein Sondertreffen der Staats- und Regierungschefs der Euroländer Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen über einen Ausweg aus der Krise bringen. Anleger werden deshalb gespannt auf Neuigkeiten aus Brüssel warten, die jederzeit für Turbulenzen an den Märkten sorgen können. Bislang überwiegt bei den Experten weiterhin ein leichter Optimismus - auch wenn sich im Streit zwischen Athen und seinen Geldgebern immer noch keine Lösung abzeichnet.

          Die neuen Vorschläge des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras zur Lösung des Schuldenstreits haben am Montag schon ein bisschen für Optimismus unter Euro-Anlegern gesorgt. Die Gemeinschaftswährung  notierte knapp unter der Marke von 1,14 Dollar nach 1,1352 Dollar im Schlussgeschäft vom Freitag.

          Viele Marktbeobachter gehen von einem - wie auch immer gearteten - "Deal" aus, bei dem sich die negativen Auswirkungen auf den Aktienmarkt in Grenzen halten könnten. So ist für Analyst Christian Apelt von der Landesbank Helaba das Szenario einer "Hängepartie" am wahrscheinlichsten. In diesem Fall würde Griechenland weiter den Reformkurs verweigern, aber ein gewisses Entgegenkommen zeigen, so dass die Verhandlungen fortgesetzt werden. Auf Seiten der Gläubiger könnten die ursprünglich vereinbarten Reformen aufgeweicht werden.

          Den Experten der Commerzbank zufolge ist es zwar auch möglich, dass Griechenland Ende Juni ohne ein Hilfsprogramm dasteht. Ohne frisches Geld werde die griechische Regierung die dann fällig werdenden Zahlungen an den Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von rund anderthalb Milliarden Euro vermutlich nicht leisten können.

          Allerdings hätten die großen Ratingagenturen bereits erklärt, dass sie die Bonitätsnote Griechenlands im Falle eines Zahlungsausfalls gegenüber dem IWF nicht auf "Kreditausfall" herabstufen werden. Für sie komme es nur auf Griechenlands Fähigkeit an, die von privaten Gläubigern gehaltenen Staatsanleihen zu bedienen. Vor diesem Hintergrund bewerten die Experten der Commerzbank die Perspektiven für den deutschen Aktienmarkt unverändert positiv, zumal die Gewinnerwartungen an die Dax-Unternehmen deutlich stark gestiegen seien. Auch die weiterhin expansive Geldpolitik der wichtigsten Notenbanken sollte die Kurse stützen.Doch Zweifel bleiben:

          "Wir müssen eingestehen, dass es zunehmend schwerer wird, die Verhandlungslage zwischen Griechenland und den Gläubigern objektiv einzuschätzen", schrieb Sascha Rehbein, Marktexperte der Weberbank. Zudem werde es kaum mehr möglich, einen direkten Zeitrahmen abzustecken, da Ultimaten folgenlos verstrichen und Verhandlungsfortschritte ausblieben. "Somit können wir eine weitere Eskalation der Lage, zum Beispiel Kapitalverkehrskontrollen analog zu Zypern, nicht mehr ausschließen."

          Abseits von Griechenland gibt es wichtige Konjunkturdaten

          Abseits von Griechenland sollten die Anleger jedoch auch weiterhin die aktuellen Konjunkturdaten im Auge behalten. Schließlich steht immer noch die Frage im Raum, wann die Notenbank der Vereinigten Staaten (Fed) die lang erwartete Zinswende nach oben einläuten wird. Von Bedeutung seien die am Dienstag anstehenden Auftragseingänge langlebiger Güter für den Monat Mai, meinen die Commerzbank-Analysten. Sollten die Daten eine unerwartet deutliche Wirtschaftsbelebung andeuten, könnte die Fed den Leitzins eher früher als später wieder anheben.

          Ebenfalls am Dienstag werden die wichtigen Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone erwartet, bevor am Mittwoch der viel beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland für Gesprächsstoff sorgen dürfte. Die beiden Stimmungsbarometer beziehen sich jeweils auf den laufenden Monat Juni.

          Auf Unternehmensseite stehen in der neuen Woche nicht viele Termine auf der Agenda. So veröffentlicht die im S-Dax notierte Baumarktkette Hornbach am Freitag einen Zwischenbericht zum ersten Geschäftsquartal. Ansonsten gibt es am Montag ein großes Stühlerücken bei den Nebenwerten. Insbesondere werden die erst im Oktober vergangenen Jahres an die Börse gekommenen Aktien des Mode-Versandhändlers Zalando in den M-Dax aufrücken und dort die Papiere des Ingenieur-Dienstleister Bertrandt ersetzen. Bertrandt-Anteilsscheine kehren dafür in den S-Dax zurück.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der amerikanische Präsident Donald Trump gemeinsam mit Apple-Chef Tim Cook in einem Computerwerk in Austin, Texas

          Freundschaftstest : Trump macht Apple Hoffnung

          Tim Cook empfängt den Präsidenten zum Fototermin in einem Computerwerk in Texas. Dieser nützt die Kulisse für Attacken gegen seine politischen Gegner – und signalisiert, dass Apple von Strafzöllen verschont werden könnte.
          Peter Feldmann bei einem Besuch im Awo-Jugendhaus im Frankfurter Gallusviertel im Jahr 2014.

          Peter Feldmann und die Awo : Das Schweigen des Oberbürgermeisters

          Weil die Arbeiterwohlfahrt seine Ehefrau zu ungewöhnlich guten Konditionen beschäftigt haben soll, steht Peter Feldmann stark unter Druck. Die Awo rechtfertigt derweil die hohe Bezahlung der Frau des Frankfurter Oberbürgermeisters – und hat noch in einem anderen Fall Probleme.
          Roger Hallam, Mitbegründer von Extinction Rebellion, bei einem Treffen im Kriterion-Kino in Amsterdam.

          Extinction Rebellion : Ganz normaler Genozid

          Warum nur bedauert man die Deutschen dafür, ihre Schuld zu tragen? Der Mitbegründer der Klimabewegung Extinction Rebellion relativiert den Holocaust.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.