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Mehr Aktien für Warren Buffett : Wird Apple jetzt zum Substanzwert?

Eine Besucherkarte gibt es bestimmt auch für Warren Buffett. Bild: Reuters

Warren Buffett hat Apple-Aktien gekauft, obwohl andere Großinvestoren verkauften. Für manche Beobachter heißt das: Apple wird zum Substanzwert. Die Wahrheit könnte aber auch simpler sein.

          3 Min.

          Der amerikanische Starinvestor Warren Buffett hat über seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway seinen Anteil an Apple ausgebaut.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Berkshire nutzte die Tatsache, dass der Kurs des iPhone-Herstellers zwischen Mitte April und Mitte Mai von rund 110 bis auf 90 Dollar fiel und sich auch danach zunächst nicht recht erholen wollte. Gelohnt hat sich die Transaktion durchaus: Bei einem durchschnittlichen Schlusskurs von knapp 100 Dollar im zweiten Quartal beträgt das Plus seitdem fast zehn Prozent.

          APPLE

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          Dennoch kommt die Aufstockung für viele Beobachter aus zwei Gründen etwas überraschend. Zum einen gilt Apple immer noch als Wachstumsaktie und zählt damit nicht zum typischen Universum des als Archetyp des Substanz-Investors angesehenen Warren Buffett. Zum anderen haben sich gleichzeitig viele andere Großinvestoren von ihren Apple-Aktien getrennt. Ob George Soros, Carl Icahn, Michael Burry oder David Einhorn – sie alle haben verkauft.

          Apple sei damit jetzt offiziell eine Substanz-Aktie, heißt es von amerikanischen Kolumnisten. Der Konzern erfüllt auch entsprechende Kriterien: Er verfügt etwa über hohe Bargeldbestände und zahlt seit nunmehr 2012 stetig steigende Dividenden. Gleichzeitig ist das Wachstum zurückgegangen. Die iPhone-Verkäufe sind in diesem Jahr gesunken, da Kunden ihre Mobilgeräte nicht mehr so schnell gegen neuere Modelle auswechseln.

          Zusammen mit einem zunehmenden Wettbewerb in China dürfte dies im laufenden Geschäftsjahr zu einem Umsatzrückgang führen, dem ersten seit 2001. Dennoch verbuchte Apple im zweiten Quartal höhere Gewinne als erwartet, was als Zeichen reiferer Märkte gewertet werden kann.

          Zudem hat es große, marktumwälzende Innovationen wie in den frühen 2000er Jahren von Apple zuletzt nicht mehr gegeben. 2010 etwa verhalf erst das iPad dem Tablet-Computer zum Durchbruch. Was seitdem von Apple kam, hatte nicht mehr dieselbe Tragweite. Mit Smartphones ist die Welt versorgt, es geht vor allem noch um Design und neue Funktionalitäten. Apple versorgt die Welt mit Elektronikartikeln und revolutioniert sie nicht mehr.

          Substanz-Investor rein, Aktivisten und Spekulanten raus

          Zu dieser Sichtweite passt, dass die renommierten Investoren, die sich von ihren Apple-Aktien getrennt haben, einen anderen Investment-Stil als Buffett verfolgen: Icahn etwa gilt als Muster des aktivistischen Investors – wo immer der New Yorker Multi-Milliardär einsteigt, will er mitbestimmen und fordert strategische Änderungen. Buffett tut dies eher selten und jedenfalls dezenter als Icahn.

          Michael Burry, der Gründer des Hedgefonds Scion, ist bekannt aus dem Film über die jüngste Finanzkrise „The Big Short“. Burry war seinerzeit einer der ersten Investoren, die die heraufziehende Immobilienkrise erkannten und reagierten. Er musste zunächst viel Häme und Verluste ertragen, behielt am Ende aber Recht und verdiente gut. Spätestens seitdem gilt er als Muster eines „Contrarian Investors“, der gegen herrschende Trends anlegt.

          Und so geht es weiter: George Soros, dessen Ruhm von einer Spekulation gegen das Pfund vor rund 25 Jahren herrührt, wird als Prototyp des Spekulanten angesehen. David Einhorn ist auch eher ein Aktivist, der schon 2013 Apple dazu zwingen wollte, mehr auszuschütten und damit einen Teilerfolg erzielte.

          Kursverluste wie bei Apple im zweiten Quartal nutzen Substanzwert-Investoren immer wieder für Zukäufe: Wenn sich die Lage des Unternehmens nicht grundsätzlich verändert hat, bekommen sie denselben Substanzwert für weniger Geld.

          Buffett hat mit Apple wenig zu tun

          Aber vielleicht wird alles gar nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. An neue Großaktionäre muss sich Apple wohl kaum gewöhnen: Nach der Aufstockung ist Berkshire Hathaway mit nur 0,28 Prozent an Apple beteiligt. Und von den Verkäufern hatte bloß David Einhorn mit 0,13 Prozent der Aktien einen nennenswert großen Anteil. Selbst Icahn besaß in guten Zeiten weniger als ein Prozent der Apple-Aktien.

          Da hat Buffett Beteiligungen ganz anderer Größenordnung: 26,7 Prozent etwa hält er am Lebensmittelkonzern Kraft Heinz, 16 Prozent an American Express, knapp zehn Prozent an der Bank Wells Fargo. Apples größte Aktionäre mit Anteilen von vier bis sechs Prozent sind wiederum Fondsgesellschaften wie Vanguard, Blackrock oder State Street.

          Kenner von Buffetts Holding Berkshire Hathaway messen den Apple-Zukäufen daher auch weniger Bedeutung zu. Über kleine Investments wie bei Apple entscheidet der 85jährige Buffett schon nicht mehr selbst. Es gehört zu seiner Nachfolgeregelung, dass die ihn unterstützenden Manager mittlerweile mehr Freiheiten genießen. Und die Grundsatzentscheidung zum Kauf von Apple-Aktien war seinerzeit schon nicht von Buffett, sondern von Todd Combs oder Ted Weschler getroffen worden.

          BERKSH. H.B NEW DL-,00333

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          Dergleichen Investments sind für Berkshire Nebengeschäfte, und Buffett selbst befasst sich vor allem setzt längst mit den großen Beteiligungen. Mehr solche Geschäfte in der Zukunft, könne man indes so werten, dass die Spielräume von Combs und Weschler größer würden, meint etwa Bloomberg-Kolumnistin Gillian Tan.

          Außerdem ist gar nicht gesagt, dass Apples Wachstum dauerhaft schrumpft. Viele Investoren warten auf ein neues iPhone in diesem Jahr, von dem sie sich einen neuen Wachstumsschub versprechen. Und in China will der Konzern angreifen und seine Investitionen in dem wichtigen, zusehends schwierigen Markt erhöhen. Bis zum Jahresende soll ein Forschungs- und Entwicklungszentrum entstehen Kürzlich erst hatte Apple für eine Milliarde Dollar den chinesischen Mitfahrdienst Didi Chuxing übernommen.

          Wenn mit dem neuen iPhone und den Aktivitäten in China das Wachstum wieder zulegt und der Kurs entsprechend steigt, hätte das „Orakel von Omaha“ einmal mehr die Nase vorn gehabt.

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