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Windkraft : Nordex kommt aus dem Windschatten

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Es wird wieder mehr montiert Bild: dpa

Windkraftaktien lassen sich nicht über einen Kamm scheren. Im Unterschied zu anderen kann Nordex mit positiven Zahlen aufwarten.

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          Mit deutlichen Kursgewinnen von 13,2 Prozent auf 3,68 Euro reagiert die Aktie des Windkraftanlagen-Hersteller Nordex auf die Ertragszahlen des dritten Quartals des Geschäftsjahres 2001/2002. Immerhin hat das Unternehmen mit einem Gewinn vor Steuern und Zinsen von 5,4 Millionen Euro deutlich mehr verdient als in der Vergleichsperiode des Vorjahres. Allerdings ist der Überschuss auf Grund höherer Steuern gleichzeitig von 5,1 auf 3,9 Millionen gesunken.

          Wichtiger jedoch als die nackten Zahlen ist der Ausblick. Und dort bestätigt das Unternehmen das prognostizierte Wachstum von 30 Prozent auf einen Umsatz von 460 Millionen Euro. Bis zum 30. Juni 2002 verbuchte Nordex nach eigenen Angaben neue Aufträge in Höhe von 330 Millionen Euro nach 295 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Allein im dritten Quartal habe Nordex neue Order für etwa 150 Millionen Euro erhalten. Damit scheint sich die verhaltene Geschäftsentwicklung des ersten Halbjahres deutlich zu verbessern.

          „Sprunghaftes“ Geschäft

          Nach Einschätzung der Analysten der Berenberg Bank sind die Zahlen von Nordex wie erwartet ausgefallen. Positiv sei, dass wieder ein deutlicher Schub beim Auftragseingang zu verzeichnen gewesen war. Das Anlageurteil „Akkumulieren“ wird beibehalten. Fundamental sei der Titel deutlich unterbewertet, doch leide das Papier unter der Ungewissheit bezüglich eines möglichen Regierungswechsels in Berlin.

          Damit wird auch unmittelbar deutlich, wo das Problem der Hersteller von Winkraftanlagen grundsätzlich liegt. Einmal in der „Objektbezogenheit“. Falls Windparkbetreiber neue Projekte umsetzen können und dabei Nordex als Lieferant wählen, dann winken große Aufträge. Wenn es dagegen zu Verzögerungen kommt, kann die Planung relativ schnell aus dem Ruder laufen. Das Geschäft ist folglich ziemlich sprunghaft.

          Zum Zweiten spielt nicht nur die Konkurrenz eine Rolle, sondern auch die Politik. So stammt ein großer Teil der Aufträge aus dem Inland. Hier ist das Klima für alternative Energien unter der aktuellen Bundesregierung verbunden mit entsprechenden Förderungen günstig, muss es allerdings bei einem denkbaren Regierungswechsel nicht bleiben. Das bedeutet, dann könnten nicht nur Genehmigungsprozesse schwieriger werden, sondern bei Wegfall der Förderung dürfte auch die betriebswirtschaftliche Basis erodieren.

          Nordex versucht zu diversifizieren

          So ist es positiv, wenn Nordex sich um mehr Aufträge aus dem Ausland bemüht, um sich unabhängiger zu machen. Im vergangenen Monat konnten Aufträge in Höhe von 18 Millionen Euro aus Irland, den Niederlanden, Norwegen und Schottland gewonnen werden. Gleichzeitig scheint der Trend zu Windkraftanlagen mit größeren Rotoren zu gehen, bei denen Nordex gut im Geschäft zu sein scheint.

          Mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwas mehr als zehn für das Jahr 2003 ist die Aktie nicht sonderlich teuer. Stellt sich nur die Frage, ob sich die Gewinne effektiv auch so einstellen werden. Und da sieht es zumindest momentan nicht schlecht aus. Charttechnisch deutet sich nach den massiven Kursverlusten der jüngeren Vergangenheit eine Art Bodenbildung ab. Sollte sie sich bestätigen und wird klar, dass das politische Klima auch nach den Wahlen zu Gunsten alternativer Energien wirkt, könnte die Aktie durchaus interessant sein. Allerdings höchstens als kleine Beimischung zu einem gut diversifizierten Depot.

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