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Schwerer Stand für Versicherer : Wie Versicherer in Bankkredite investieren

Geldanlage der Versicherer: gebündelte Infrastrukturkredite zum Beispiel für Windräder Bild: dpa

Versicherer ticken anders als Banken. Unternehmen wie Prime Capital helfen, Bankkredite für Versicherer investierbar zu machen.

          Trotz extrem niedriger Zinsen am Kapitalmarkt müssen Versicherer das Geld ihrer Kunden so anlegen, dass sie verlässliche Renditen erzielen. Die den Lebensversicherungskunden zugesagte Verzinsung (Garantie plus Überschussbeteiligung) von für dieses Jahr gut 3 Prozent lässt sich mit risikoarmen Anleihen allerdings allein kaum mehr erreichen.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein vielfach den Versicherern gewiesener Ausweg lautet: Investiert in alternative Anlagen wie Infrastruktur, Flugzeuge oder Windparks. „Aber das ist für Versicherer gar nicht so leicht“, berichten Thomas Keller und Andreas Kalusche. Sie sind Mitglieder des Management-Teams der Prime Capital AG. Ihr Unternehmen hat sich auch darauf spezialisiert, zwischen Versicherern und Banken zu vermitteln, damit eigentlich illiquide Bankkredite für Versicherer „investierbar“ werden.

          Immer schärfere Regeln, die staatliche Aufseher in Reaktion auf die Finanzkrise ersinnen, erlauben Versicherern nur sehr eingeschränkt die Investition in alternative Anlagen. Hinzu kommt: Die Banken als Kreditgeber für Infrastrukturprojekten wollen die Kreditrisiken meist nur teilweise weitergeben. Und wenn, dann wollen sie die Kredite nur an verlässliche Partner übertragen. Denn die Banken wollen die Beziehung zum Kreditkunden nicht riskieren.

          „Viele Versicherer sind ziemlich frustriert, weil sie an keine Assets herankommen. Die Banken geben gemessen an den Anlagewünschen der Versicherer zu wenig Kreditrisiken in den Markt ab“, erzählen Keller und Kalusche. Und die Kapitalanlagegesellschaften auch der Versicherer kämen an die Kredite noch schwieriger heran.

          Dem Kunden erklären, wie Versicherer ticken

          Schon vor drei Jahren haben sich daher als erste einige große französische Versicherer mit Bankpartnern zusammengetan. Beispiele für derartige strategische Kooperationen sind die Zusammenarbeit von Axa mit der Commerzbank und mit der Société Générale oder von Macif mit Natixis; in Deutschland ist die Bayerische Versorgungskammer, die größte Pensionseinrichtung hierzulande, mit der zur NordLB gehörenden Deutschen Hypo eine Verbindung eingegangen. Zuletzt schloss sich Talanx, die drittgrößte deutsche Versicherung, dem Gemeinschaftsunternehmen der Norddeutschen Landesbank und des Bankhauses Lampe an, wie am 22. Januar berichtet.

          Kalusche und Keller betrachten dieses Gemeinschaftsunternehmen namens Caplantic als potentiellen Wettbewerber für Prime Capital, lassen sich von ihm jedoch nicht beunruhigen: „Wir haben zwei bis drei Jahre Erfahrungsvorsprung.“ Außerdem habe Prime Capital einen anderen Ansatz: „Wir sind bankenunabhängig. Wir versuchen aber nicht, die Banken zu umgehen, sondern betrachten uns als enger strategischer Partner von Banken. Wir erklären ihnen, wie Versicherer ticken. Wir stellen die Formate, die Vehikel, bereit, damit Versicherer in Bankkredite investieren können. Schließlich ist die Welt der Banken und der Versicherer doch sehr verschieden“, sagen Keller und Kalusche.

          Ein großer Unterschied ist, dass Versicherer in möglichst liquide Wertpapiere investieren wollen, um die Eigenkapitalbindung und die Buchungspflichten klein zu halten. Geld in einem einzigen (Bank-)Kredit anzulegen, ist für sie daher keine gute Lösung. Das heißt: Die Bankenkredite müssen gebündelt werden, damit sie für Versicherer „investierbar“ sind.

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