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Der Rubel und die Börsenkurse : Russlands Märkte suchen ihre neue Normalität

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Flüssig: Russische Unternehmen, die wie Norilsk Nickel in Russland produzieren und auf den Weltmärkten verkaufen, profitieren vom schwachen Rubel. Bild: Reuters

Der niedrige Ölpreis, die Krise in der Ostukraine und westliche Sanktionen haben die Wirtschaft in Russland schwer getroffen. An der Börse stehen viele Kurse dennoch relativ gut. Manche Unternehmen profitieren vom schwachen Rubel.

          Wenn sich ein Land in der größten außenpolitischen Krise seit mehr als zwanzig Jahren befindet, ist es nicht verwunderlich, wenn Investoren unberechenbar agieren. Im Februar war am Moskauer Aktienmarkt ein interessantes Phänomen zu beobachten: Der Leitindex Micex, der die 50 wichtigsten und liquidesten Aktien des Schwellenlandes abbildet, kletterte entgegen aller Plausibilität auf über 1800 Punkte und erreichte damit das höchste Niveau seit rund vier Jahren.

          Noch im Dezember 2014 war das Barometer wegen des Verfalls von Rubel und Erdölpreis unter Druck geraten und notierte unter 1500 Zählern. Inzwischen ist der Micex von seinem Februar-Hoch wieder deutlich zurückgefallen und notiert nun bei rund 1600 Punkten. Die hohe Volatilität zeigt Anlegern, dass an der russischen Börse derzeit kaum etwas als sicher gelten kann – das scheint die neue Normalität in der Gemengelage aus niedrigem Erdölpreis, Sanktionen und Ukraine-Konflikt zu sein. Und für Investoren aus dem Ausland ist die Lage nochmals komplizierter.

          Das Währungsrisiko für ausländische Anleger

          Hinter dem überraschenden Aufstieg des Micex im Januar und Februar steckten sowohl eine leichte Erholung der Erdölnotiz von rund 50 auf 60 Dollar je Fass Brent-Öl wie auch eine gewisse Entspannung in der Ostukraine. Der abermalige Anlauf zur Umsetzung des Friedensabkommens von Minsk, der unter großen Anstrengungen von Kanzlerin Angela Merkel vorangetrieben wurde, erschien als Silberstreif am Horizont. Dass manche Anleger diesen Hoffnungsschimmer vielleicht etwas zu euphorisch aufnahmen, legten die Bewertungen der Aktien nahe: In Relation zu den erwarteten Unternehmensgewinnen für 2015 waren die russischen Titel im Februar so teuer wie zuletzt 2012, als die Wirtschaft noch halbwegs rund lief.

          Davon kann derzeit keine Rede sein, eine Rezession in dem Schwellenland gilt im laufenden Jahr als höchstwahrscheinlich. Im Januar lag das Bruttoinlandsprodukt nach einer ersten Schätzung des Wirtschaftsministeriums bereits 1,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Reallöhne sanken aufgrund der hohen Inflation in den ersten zwei Monaten des Jahres um 9,1 Prozent; die Investitionen lagen 6,4 Prozent niedriger. Dass sich die Industrieproduktion noch recht stabil hält, wird durch einige Sondereffekte erklärt, darunter hohe Militärausgaben in neue Ausrüstung und die Herstellung von Röhren für den Bau von Erdgaspipelines im Fernen Osten.

          Viele der Schwierigkeiten sind nicht nur auf seit langem bestehende strukturelle Probleme oder die Sanktionen des Westens zurückzuführen, sondern auch auf den Kursverlust des Rubels. Ein schwacher Rubel verteuert Importe und erhöht den Wert von Fremdwährungsschulden im Ausland, wo sich viele Firmen bevorzugt refinanzierten – und er erhöht das Risiko für ausländische Anleger. Der überraschend starke Aktienindex Micex beruht auf Valoren, die in Rubel kotiert sind.

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