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Gedankenspiele : K+S bastelt an der Verteidigungsstrategie

K+S will seine Tausalzsparte in den Vordergrund rücken. Bild: ddp

Der Düngerkonzern K+S hat eine Übernahme abgewehrt. Vorerst. Ein Konzept muss her, um die Unabhängigkeit zu sichern. Dabei gibt es kühne Gedankenspiele. An der Börse kommen diese augenscheinlich gut an.

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          Das Damoklesschwert einer Übernahme schwebt über dem Düngerkonzern K+S. Voriges Jahr blockte er einen Vorstoß des Wettbewerbers Potash aus Kanada zwar ab - aber die Aktie verliert seitdem immer weiter an Wert. So bastelt der Vorstand an einer Strategie, den Kurs zu treiben und eine neue Übernahmeofferte zu verhindern. Dabei rückt er seit geraumer Zeit seine zweite Sparte stärker in den Vordergrund: den Geschäftsbereich „Salz“, der Produkte außerhalb der Landwirtschaft herstellt. Tausalz etwa, Speisesalz und Spezialsalze für die Industrie. In Interviews und Präsentationen für Anleger betont K+S den Wert dieses Zweitgeschäfts.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vorstandschef Norbert Steiner besucht persönlich Fondsmanager, denn einige von ihnen sind aufgebracht über die verpasste Übernahmeprämie. Auch andere Führungskräfte touren durch die Welt, um für K+S zu werben. Dublin, Edinburgh, London, Lyon. Zuletzt New York, Anfang der Woche auf einem Seminar der Commerzbank. Finanzvorstand Burkhard Lohr präsentierte dort, auch Thorsten Boeckers, Leiter der Abteilung Investorenbeziehungen.

          Intern arbeiten die Abteilungen, die für Finanzen, Strategie und Übernahmen zuständig sind, an allerlei Ideen, wie das Dasein als eigenständiges Unternehmen zu sichern sei. Kühne Gedankenspiele sind dabei, auch für die „Salz“-Sparte - genauer: für die amerikanische Tochtergesellschaft Morton Salt, die einen Großteil dieses Geschäftsbereichs ausmacht.

          Der Börsengang von Morton Salt steht im Raum

          Nach Informationen dieser Zeitung haben nämlich Manager die Idee aufgeworfen, Morton Salt teilweise an die Börse zu bringen: in den Vereinigten Staaten und mit einem Minderheitsanteil. Das verlautet aus guten Quellen, die mit diesen Gedankenspielen vertraut sind und die keine offenkundigen Eigeninteressen am Bekanntwerden der Pläne haben. Wie konkret die Idee ist, darüber variieren die Einschätzungen - vermutlich noch sehr vage. Im Management soll es unterschiedliche Meinungen dazu geben. Morton-Salt-Chef Christian Herrmann sähe einen solchen Schritt gerne, heißt es. Beschlossen sei bisher nichts - und wenn, dann würde ein solcher Gang aufs Parkett noch geraume Zeit dauern. „Von einer Entscheidung ist das Unternehmen noch weit entfernt“, sagt ein Insider. Ob der Vorstandsvorsitzende Steiner zu überzeugen ist, sei offen. Sein Mandat läuft im Mai 2017 aus. Was danach kommt, hängt von seinem Nachfolger ab. Ein Unternehmenssprecher lehnte jeglichen Kommentar ab.

          So unbestimmt die Gedankenspiele sind: Sie demonstrieren, wie K+S versucht, sich eigenständig zu behaupten. Der Charme eines Teilbörsengangs von Morton Salt wäre zweierlei: Er könnte als „Giftpille“ dienen, denn vermutlich würde es komplizierter werden, K+S zu übernehmen. Und er machte den Wert der Salzsparte transparenter.

          Denn dass dieser Wert bisher nicht recht zum Ausdruck komme, hat das Unternehmen als Schwäche identifiziert. Bevor Potash im vorigen Frühjahr in einer informellen Offerte 41 Euro je K+S-Aktie bot, wurde das Papier an der Börse zu 29 Euro gehandelt. Steiner wies den Preis der Offerte mit zwei Hauptargumenten zurück: Erstens berücksichtige er nicht die im Bau befindliche Kalimine „Legacy“ in Kanada, die zum „Geschäftsbereich Kali- und Magnesiumprodukte“ gehört; diese Sparte steht für das Düngergeschäft und steht in der Wahrnehmung bisher im Vordergrund. „Legacy“ sei im Kurs noch nicht eingepreist und zusätzliche 11 bis 21 Euro je Aktie wert, so Steiner.

          Dass die Potash-Offerte den fundamentalen Unternehmenswert nicht reflektiere, gelte - zweitens - „auch für unser Salzgeschäft“, sagte Steiner damals. Zahlen nannte er nicht. Aber Insider berichten, K+S veranschlage diese Bewertungslücke intern mit 3 bis 4 Euro je Aktie.

          Das wirft die Frage auf, warum der Wert nicht sichtbar ist. Hier könnte eine eigenständig notierte Salzsparte helfen, denn sie würde am Markt für alle erkennbar bewertet. Allerdings kreisen die Börsenphantasien um Morton Salt, also die Amerika-Einheit, die zwar einen Großteil des Geschäfts, aber nicht alles ausmacht. K+S hatte die Gesellschaft im Jahre 2009 erworben. Zur Salzsparte gehören ferner die viel kleinere Gesellschaft Esco, die das angestammte K+S-Salzgeschäft in Europa betreut, und die für Südamerika zuständige K+S Chile; sie besteht im Wesentlichen aus der 2006 erworbenen Sociedad Punta de Lobos (SPL).

          K+S begründete den Kauf von Morton Salt damit, das Geschäft so besser zu diversifizieren: was Produkte wie auch die Absatzregionen angeht - denn das Unternehmen erwarb mit einem Schlag ein Amerika-Geschäft. Wenn der Winter in Europa mild ist und deswegen hier das Tausalzgeschäft schlecht läuft, bringt vielleicht ein kälterer Winter in den Vereinigten Staaten Ausgleich.

          „Ich glaube, Sie können sehr ruhig schlafen"

          Doch intern wurde noch ein zweites Motiv deutlich: K+S konstruierte sich auf diese Weise damals schon eine kleine Giftpille, nämlich eine Konglomeratstruktur mit zwei ähnlich großen Säulen. Die hat den Nachteil, dass die Börse Mischkonzerne oft mit einem Abschlag bestraft - aber den Vorteil, dass sie potentielle Bieter abschreckt. Vorstandschef Steiner erläuterte das in einer internen Unternehmensveranstaltung kurz nach der Morton-Salt-Übernahme 2009. Dort sprachen Mitarbeiter ihn auf die Gefahr einer Übernahme durch Potash an, denn entsprechende Gerüchte machten damals wieder einmal die Runde. Steiner beruhigte die Mitarbeiter mit dem Giftpillen-Argument: K+S passe mit seiner großen Salzsparte gar nicht mehr zur Potash; die Kanadier seien schließlich beinahe ausschließlich Düngerproduzent. „Ich glaube, Sie können sehr ruhig schlafen“, befand der Chef.

          Aus dem ruhigen Schlaf wurden die K+S-Mitarbeiter dann vergangenes Jahr doch gerissen. Sofort sorgte man sich über eine mögliche Zerschlagung. Potash besänftigte: Man werde K+S erhalten, einschließlich der Salzsparte. Solche Zusagen sind allerdings selten bindend und nach einer Schamfrist schnell vergessen. Manche Branchenexperten rechnen damit, dass der kanadische Konkurrent irgendwann mit einer neuen Offerte kommt - was den K+S-Vorstand unter noch mehr Druck brächte.

          Der Vorstand muss den Aktionären also beweisen, dass er ihnen mit einer alleinstehenden K+S ähnlich viel Wert schafft, wie das Potash mit den 41 Euro je Aktie getan hätte. Er setzt darauf, dass erstens „Legacy“ und zweitens eingeleitete Sparprogramme den Kurs treiben. „Spätestens wenn im Sommer 2016 unser neues Legacy-Werk in Kanada in Betrieb genommen wird, sollte auch der Kapitalmarkt den wahren Wert unseres Unternehmens erkennen“, schrieb Steiner kürzlich an Mitarbeiter. „Aber: Die Zukunft wird uns nicht geschenkt. Wir müssen weiterhin mit Programmen wie ,Fit‘ und ,Salz 2020‘ kontinuierlich unsere Kosten senken und die Effizienz im gesamten Unternehmen steigern.“

          In einem schwachen Donnerstaghandel gehört die K+S-Aktie mit einem Plus von 0,60 Prozent auf 20,79 Euro zu den größten Dax-Gewinnern, während der Leitindex selbst über 2 Prozent verliert.

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