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Gedankenspiele : K+S bastelt an der Verteidigungsstrategie

Dass die Potash-Offerte den fundamentalen Unternehmenswert nicht reflektiere, gelte - zweitens - „auch für unser Salzgeschäft“, sagte Steiner damals. Zahlen nannte er nicht. Aber Insider berichten, K+S veranschlage diese Bewertungslücke intern mit 3 bis 4 Euro je Aktie.

Das wirft die Frage auf, warum der Wert nicht sichtbar ist. Hier könnte eine eigenständig notierte Salzsparte helfen, denn sie würde am Markt für alle erkennbar bewertet. Allerdings kreisen die Börsenphantasien um Morton Salt, also die Amerika-Einheit, die zwar einen Großteil des Geschäfts, aber nicht alles ausmacht. K+S hatte die Gesellschaft im Jahre 2009 erworben. Zur Salzsparte gehören ferner die viel kleinere Gesellschaft Esco, die das angestammte K+S-Salzgeschäft in Europa betreut, und die für Südamerika zuständige K+S Chile; sie besteht im Wesentlichen aus der 2006 erworbenen Sociedad Punta de Lobos (SPL).

K+S begründete den Kauf von Morton Salt damit, das Geschäft so besser zu diversifizieren: was Produkte wie auch die Absatzregionen angeht - denn das Unternehmen erwarb mit einem Schlag ein Amerika-Geschäft. Wenn der Winter in Europa mild ist und deswegen hier das Tausalzgeschäft schlecht läuft, bringt vielleicht ein kälterer Winter in den Vereinigten Staaten Ausgleich.

„Ich glaube, Sie können sehr ruhig schlafen"

Doch intern wurde noch ein zweites Motiv deutlich: K+S konstruierte sich auf diese Weise damals schon eine kleine Giftpille, nämlich eine Konglomeratstruktur mit zwei ähnlich großen Säulen. Die hat den Nachteil, dass die Börse Mischkonzerne oft mit einem Abschlag bestraft - aber den Vorteil, dass sie potentielle Bieter abschreckt. Vorstandschef Steiner erläuterte das in einer internen Unternehmensveranstaltung kurz nach der Morton-Salt-Übernahme 2009. Dort sprachen Mitarbeiter ihn auf die Gefahr einer Übernahme durch Potash an, denn entsprechende Gerüchte machten damals wieder einmal die Runde. Steiner beruhigte die Mitarbeiter mit dem Giftpillen-Argument: K+S passe mit seiner großen Salzsparte gar nicht mehr zur Potash; die Kanadier seien schließlich beinahe ausschließlich Düngerproduzent. „Ich glaube, Sie können sehr ruhig schlafen“, befand der Chef.

Aus dem ruhigen Schlaf wurden die K+S-Mitarbeiter dann vergangenes Jahr doch gerissen. Sofort sorgte man sich über eine mögliche Zerschlagung. Potash besänftigte: Man werde K+S erhalten, einschließlich der Salzsparte. Solche Zusagen sind allerdings selten bindend und nach einer Schamfrist schnell vergessen. Manche Branchenexperten rechnen damit, dass der kanadische Konkurrent irgendwann mit einer neuen Offerte kommt - was den K+S-Vorstand unter noch mehr Druck brächte.

Der Vorstand muss den Aktionären also beweisen, dass er ihnen mit einer alleinstehenden K+S ähnlich viel Wert schafft, wie das Potash mit den 41 Euro je Aktie getan hätte. Er setzt darauf, dass erstens „Legacy“ und zweitens eingeleitete Sparprogramme den Kurs treiben. „Spätestens wenn im Sommer 2016 unser neues Legacy-Werk in Kanada in Betrieb genommen wird, sollte auch der Kapitalmarkt den wahren Wert unseres Unternehmens erkennen“, schrieb Steiner kürzlich an Mitarbeiter. „Aber: Die Zukunft wird uns nicht geschenkt. Wir müssen weiterhin mit Programmen wie ,Fit‘ und ,Salz 2020‘ kontinuierlich unsere Kosten senken und die Effizienz im gesamten Unternehmen steigern.“

In einem schwachen Donnerstaghandel gehört die K+S-Aktie mit einem Plus von 0,60 Prozent auf 20,79 Euro zu den größten Dax-Gewinnern, während der Leitindex selbst über 2 Prozent verliert.

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