https://www.faz.net/-gv6-8ur6i

Aktienkurse : Der Fluch der Trump-Tweets an der Wall Street

  • -Aktualisiert am

Selbst Papa Donald schaut zu ihr auf: Ivanka Trump stellt ihre Mode vor. Bild: ddp Images

Der amerikanische Präsident bringt regelmäßig die Aktienkurse einzelner Unternehmen unter Druck. Ein Titel hat sich diesem Trend jetzt erstmals entzogen.

          Die Aktie der Kaufhauskette Nordstrom hat möglicherweise als erster Titel an der Wall Street den Fluch des twitternden Trump gebrochen. Der Aktienkurs von Nordstrom reagierte nach einem sehr kurzzeitigen Rückschlag mit überaus deutlichen Kursgewinnen auf die heftige und überraschende Kritik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump an der Zusammensetzung ihres Sortiments. Trump hatte seit seiner Wahl vor etwas mehr als drei Monaten mit Kurznachrichten auf der Plattform Twitter eine ganze Reihe einzelner Unternehmen attackiert und deren Aktienkurse damit regelmäßig unter Druck gebracht.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Nordstrom will die Modemarke von Trumps Tochter Ivanka aus den Regalen nehmen. Der Präsident warf der Kette am Mittwoch anderthalb Stunden nach Börseneröffnung in einem Tweet deswegen eine „unfaire Behandlung“ seiner Tochter vor. „Sie ist ein großartiger Mensch – sie bringt mich immer dazu, das Richtige zu tun! Schrecklich!“, schrieb Trump. Nordstrom begründete die Entscheidung mit nachlassendem Umsatz der „Ivanka Trump“-Kollektion. Ein Sprecher des Weißen Hauses bezeichnete die Entscheidung aber als politisch motiviert, als „direkten Angriff auf seine Politik und ihren Namen“.

          Die Nordstrom-Aktien kletterten am Mittwoch dennoch um 4 Prozent und entwickelten sich damit deutlich besser als der Branchendurchschnitt. Der S&P Retail Select Index, ein Branchenbarometer für ausgewählte Einzelhandelsketten, stieg am gleichen Tag nur um 1,3 Prozent. Beflügelt wurden die Einzelhändler auch von optimistischen Prognosen des nationalen Verbandes National Retail Federation. Der Verband rechnet für 2017 mit einen Umsatzwachstum von Einzelhändlern um 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch am Donnerstag tendierten die Nordstrom-Aktien mit einem Plus von 2,3 Prozent abermals überdurchschnittlich fest. Der Aufwärtstrend setzte sich am Freitag an der New Yorker Börse fort.

          Die Aktien des Rüstungskonzern Lockheed Martin konnten sich einem Twitter-Angriff Trumps im Dezember dagegen nicht entziehen. Trump maßregelte das Unternehmen wegen den „außer Kontrolle geratenen“ Kosten für das Kampfflugzeug F-35. Der Kurs des Unternehmens sackte an dem Tag im Verlauf des Handels um 4 Prozent ab und schloss schließlich mit einem Minus von 2,5 Prozent. Das amerikanische Verteidigungsministerium ist ein wichtiger Kunde von Lockheed Martin. Der Konzern gehört seit der Wahl von Trump nach einem anfänglichen Kursanstieg zu den Nachzüglern an der Börse.

          Zahlreiche Angriffsziele

          Auch der Aktienkurs des Luftfahrtkonzerns Boeing ging im Dezember in die Knie, als Trump auf Twitter damit drohte, einen Auftrag für den Bau einer neuen Präsidentenmaschine (Air Force One) zu stornieren, weil die dafür veranschlagten Kosten nach Angaben von Trump auf mehr als 4 Milliarden Dollar gestiegen seien – mehr als doppelt so hoch wie ursprünglich geplant. Josh Earnest, Sprecher von Trumps Vorgänger Barack Obama, stellte Trumps Kalkulationen damals aber in Frage. „Einige der Statistiken, die zitiert wurden, scheinen nicht den Charakter der Vereinbarung zwischen Boeing und dem Verteidigungsministerium zu reflektieren“, sagte Earnest damals. Daraufhin erholte sich der Aktienkurs von Boeing wieder von den Verlusten im frühen Handel.

          Autohersteller, die außerhalb der Vereinigten Staaten produzieren, sind auch ein wiederholtes Angriffsziel von Trump. Im vergangenen Monat drohte Trump dem japanischen Autohersteller Toyota mit einer Einfuhrsteuer, sollte das Unternehmen an seinen Plänen festhalten, Fahrzeuge in einem neuen Werk in Mexiko zu bauen. „NIEMALS! Baut Fabrik in den Vereinigten Staaten oder zahlt hohe Einfuhrsteuer.“, twitterte Trump. Der Aktienkurs von Toyota schloss an diesem Tag um 0,6 Prozent niedriger und die Titel anderer japanischer Autohersteller gaben ebenfalls nach. In einem Interview vor seiner Amtseinführung hatte Trump auch den großen deutschen Autoherstellern ihre Produktion in Mexiko vorgeworfen, obwohl alle auch Fabriken in den Vereinigten Staaten betreiben.

          Trump gegen die Pharmabranche

          Auch Pharmaaktien sind nach Angriffen von Trump wiederholt unter Druck geraten. Die Titel gehören seit der Wahl Trumps generell zu den Verlierern an der Börse, weil Trump die hohen Preise für Medikamente angeprangert hat. „Wir müssen ein Bieterverfahren für die Pharmabranche einführen, weil sie ungestraft davon kommen“, schimpfte Trump – in diesem Fall allerdings nicht auf Twitter, sondern auf einer Pressekonferenz. Die Aktienkurse von Pharmaunternehmen und Biotechnologietitel stürzten daraufhin ab. Die staatliche Krankenversicherung für Senioren, Medicare, kann aus rechtlichen Gründen die Preise von verschreibungspflichtigen Medikamenten derzeit nicht mit den Herstellern verhandeln.

          Kurz nach der Wahl waren die Kurse zunächst gestiegen, weil Investoren darauf wetteten, dass Maßnahmen gegen hohe Preise auf Trumps Prioritätenliste nicht sonderlich weit oben standen. Größere Angst hatten Aktionäre von Pharmaunternehmen damals vor Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton, die sich schon 2015 gegen „Wucherpreise“ stark gemacht hatte – ebenfalls in einem Tweet, der zu kräftigen Kursverlusten bei Biotechnologieaktien führte.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.