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Wertpapierhandel : Analysten erwarten Rekordzahlen von Goldman

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Investmentbank Goldman dürfte die Konkurrenz abermals deklassieren. Zum Auftakt der Berichtssaison für das zweite Quartal sind aber nicht alle Prognosen für die amerikanischen Banken positiv. Bei Kreditkarten und Firmenkrediten werden Verluste befürchtet.

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          Wall Street kennt derzeit nur ein Thema: Goldman Sachs. Die amerikanische Investmentbank dürfte nach Einschätzung von Analysten aufgrund von Rekordergebnissen im Wertpapierhandel einen Gewinn von mehr als 2 Milliarden Dollar für das jüngste Quartal bekanntgeben. Goldman, die im Gegensatz zur Konkurrenz die Finanzkrise mit nur einem Verlustquartal überstanden hatte, gibt am heutigen Dienstag den Startschuss zur Berichtssaison der amerikanischen Banken für das zweite Jahresviertel. Behalten die Auguren recht, wird Goldman die Konkurrenz erneut deklassieren.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Insgesamt glauben Analysten, dass Banken mit einer starken Kapitalmarktsparte im vergangenen Quartal gut verdient haben. Die Schwankungen im Anleihemarkt und der Anstieg der Aktienkurse boten ausreichend Chancen auf einen schnellen Gewinn. Zudem hat sich der Markt für Wertpapieremissionen wieder erholt, von dem Investmenthäuser wie Goldman ebenfalls profitieren. Allein amerikanische Banken hatten auf Drängen der Regierung kürzlich mehr als 60 Milliarden Dollar mit der Ausgabe neuer Aktien eingesammelt.

          Entscheidend ist der Trend im Kreditgeschäft

          Aber Wertpapierhandel ist nur ein Bereich des Finanzgeschäfts. „Der Handel ist wichtig, aber für die Entwicklung der Bankenbranche ist der Trend im Kreditgeschäft entscheidend, und dort wird es noch eine Menge Schmerzen geben“, sagt Douglas Elliott, Bankenfachmann bei der Denkfabrik Brookings Institution.

          An der Wall Street wird derzeit unterstellt, dass Banken erneut ihre Rückstellungen für notleidende Kredite anheben müssen. Für Institute, die einen stärkeren Schwerpunkt auf das Kreditgeschäft mit Verbrauchern und Firmenkunden legen, dürfte das zweite Quartal daher nicht so rosig ausgefallen sein. Diese Sparten leiden unter der Rezession und einer auf fast 10 Prozent gestiegenen Arbeitslosenquote. Nach Angaben des amerikanischen Bankenverbandes ABA befinden sich die Ausfälle bei Kreditkarten auf Rekordniveau.

          Universalbanken mit einer großen Wertpapierabteilung könnten daher relativ solide Ergebnisse melden. Regionale Banken, die stärker vom Kreditgeschäft abhängen, werden nach Einschätzung von Analysten aber stärker vom Abschwung getroffen. Am gefährlichsten wird die Lage für kleine Banken sein. In diesem Jahr hat die Einlagensicherungsbehörde FDIC schon 52 meist kleine Institute geschlossen - so viele wie seit 1992 nicht mehr. Mittlerweile stehen nach Angaben der Behörde 305 Banken auf der „Problemliste“ gefährdeter Institute.

          Hohe Ausfallraten in der Kreditkartensparte

          Nach Angaben des Finanzinformationsdienstes Thomson Reuters zählen Finanzdienstleister zu den Segmenten im amerikanischen Aktienindex S&P 500, für die Analysten im zweiten Quartal die größten Einbußen erwarten. Bankanalysten prognostizieren für die Branche einen durchschnittlichen Gewinnrückgang um 55 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Zum Vergleich: Für den gesamten S&P 500 kalkulieren die Auguren derzeit mit einem Gewinnrückgang um 35,7 Prozent.

          Neben Goldman Sachs werden in dieser Woche die drei größten amerikanischen Kreditinstitute ihre Ergebnisse präsentieren. Am Donnerstag wird JP Morgan Chase die Börsianer beschäftigen, am Freitag folgen die Citigroup und Bank of America. JP Morgan gehörte wie Goldman Sachs zu den zehn Banken, die kürzlich die auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im vergangenen Jahr erhaltenen staatlichen Kapitalspritzen zurückgezahlt haben. Analysten rechnen für die Bank, die als einer der Gewinner der Finanzkrise gilt, mit einem Quartalsgewinn. Das Ergebnis dürfte aber, wie bei den Konkurrenten auch, von der Höhe der Rückstellungen für faule Kredite abhängen. Jamie Dimon, der Vorstandschef von JP Morgan, hatte jüngst von hohen Ausfallraten in der Kreditkartensparte gesprochen.

          Lage der Banken stabilisiert

          Amerikanische Banken haben allerdings die Zinsen für Kreditkarten und eine Reihe anderer Gebühren angehoben. Allein die Citigroup hat ihre Einkünfte auf diese Weise um 500 Millionen Dollar im Quartal gesteigert, schätzt Analyst Richard Bove vom Wertpapierhaus Rochdale. Für die Citigroup rechnen Analysten mit einem Verlust. Bei der Bank of America, die zusammen mit der Citigroup die meisten Staatshilfen erhalten hat, erwarten die Experten dagegen einen Gewinn.

          Wie schon im vergangenen Quartal wird sich auch die Lockerung der Bewertungskriterien für faule Wertpapiere positiv in den Resultaten der Banken niederschlagen. Die vom Bilanzierungsrat FASB verfügten Änderungen erleichtern es den Banken, die Preise für Wertpapiere nach eigenen Modellen zu bewerten. Die amerikanische Regierung hat in der vergangenen Woche das Programm zur Entsorgung giftiger Wertpapiere und fauler Kredite in den Bilanzen der Banken bereits deutlich verkleinert. Das Finanzministerium reduzierte das Programm für den Wertpapierkauf, weil sich die Lage der Banken in den vergangenen Monaten stabilisiert hat.

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