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Schwächelnde Renditen : Viele Luxusaktien verlieren ihren Glanz

Hermes - eine der Luxusmarken die sich nur wenige leisten können Bild: AFP

Der Luxusmarkt ist in diesem Jahr weniger stark gewachsen als im vergangenen. Denn Chinesen und Russen sind nicht mehr so kauffreudig. Doch es gibt auch Chancen.

          Niemals zuvor gab es auf der Welt mehr Millionäre und Milliardäre. Und niemals zuvor war die Bevölkerung insgesamt so reich. Auf rund 260 Billionen Dollar schätzt die Schweizer Bank Credit Suisse die globalen Privatvermögen in diesem Jahr, Tendenz steigend. Doch dem Markt für Luxusgüter scheint dies derzeit wenig zu nutzen, die Lust auf Erlesenes lässt nach. Dies bekommen auch viele Anleger zu spüren, die Luxusaktien besitzen.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          In der Jahresbilanz weit hinten liegt zum Beispiel die Aktie der italienischen Modemarke Prada mit einem Kursverlust von gut einem Drittel. Hier fielen die Zahlen für das dritte Quartal noch schlechter aus als erwartet. Der Verlust ist um mehr als 40 Prozent auf 75 Millionen Euro gestiegen. Vor allem im Kerngeschäft mit Lederwaren ist der Umsatz hier gefallen. Der Schweizer Uhrenhersteller Swatch Group, der auch dem Luxussegment zugerechnet wird, hat ein Viertel seines Börsenwertes eingebüßt.

          Gerade Uhren sind als Luxusobjekte weniger gefragt. Die sonst so erfolgsverwöhnte Aktie des deutschen Modekonzerns Hugo Boss oder der Titel des französische Luxusherstellers Kering (vormals PPR) haben sich in diesem Jahr unter dem Strich kaum verändert. Doch es gibt auch andere Beispiele: Besonders gut fällt die Kursbilanz für die Aktie des dänischen Schmuckkonzerns Pandora aus, die fast 70 Prozent zulegt hat und zu den Jahresbesten im Stoxx 600 zählt. Auch Hermès und Christian Dior liegen prozentual zweistellig im Plus.

          Gleich mehrere Faktoren haben den Luxusmarkt in diesem Jahr belastet. Scilla Huang Sun, die gemeinsam mit Andrea Gerst den JB Luxury Brands Fund von Swiss & Global Asset Management verwaltet, verweist auf das schwächer als erwartete Wachstum der Weltwirtschaft und zahlreiche Krisen, wie zwischen der Ukraine und Russland oder im Nahen Osten, und ihre Folgen. Auch negative Währungseinflüsse bekamen Luxushersteller in diesem Jahr deutlich zu spüren. Dies führte auch Prada-Chef Patrizio Bertelli an, als er vor kurzem vor einem ähnlich mageren zweiten Halbjahr warnte.

          Besonders gefragt: Luxusautos in Schwellenländern

          Vor allem das schwächere Wirtschaftswachstum im wichtigen Absatzland China belastet den Luxusmarkt. Zusätzlich wirken sich dort die Antikorruptionskampagnen negativ auf die Umsätze aus. Die üppigen Geschenke werden weniger. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Bain sind die Luxusausgaben in China in diesem Jahr deswegen erstmals zurückgegangen, wenn auch nur um 2 Prozent. Der Luxusmarkt insgesamt ist allerdings um 2 Prozent auf 223 Milliarden Euro gewachsen. Doch die Begeisterung für Luxus lässt nach.

          Im Vorjahr wuchs der Markt noch mit 3 Prozent. Nord- und Südamerika hätten ihre Stellung als Wachstumsregionen Nummer eins behauptet, vor Japan und Europa, heißt es von Bain. Das wieder erwachende Interesse an Luxus in etablierten Märkten wie den Vereinigten Staaten und Japan hätten dazu beigetragen dem Abwärtstrend entgegenzuwirken. Dennoch werden Schwellenländer immer wichtiger. Mittlerweile trügen sie 60 Prozent zum Wachstum der Luxusindustrie bei, sagt Huang Sun. Vor allem der Nahe Osten entwickle sich gut, während sich die Nachfrage in einigen asiatischen Ländern verlangsame.

          Im Sommer, vor der Verhängung der Sanktionen gegen Russland, lagen die Prognosen zum diesjährigen Wachstum des Marktes von Bain noch bei 4 bis 6 Prozent. In vielen Luxusgeschäften bleiben nun aber offenbar auch die kauffreudigen Russen aus. Für 2015 erwartet Huang Sun ein Wachstum des Luxusmarktes von 5 bis 7 Prozent und eine weitere leichte Verbesserung der Margen. Bain hält sich dagegen in der aktuellen Studie mit Prognosen für das kommende Jahr zurück.

          Und welche Art von Luxus ist besonders gefragt? Laut Bain sind dies zum Beispiel Rundumerlebnisse im internationalen Tourismus. Besonders deutlich gewachsen ist demnach in diesem Jahr der Markt für Luxusautos (10 Prozent). Vor allem in Schwellenländern gelten sie als Statussymbole. Auch das Geschäft mit Privatflugzeugen hat deswegen um 9 Prozent zugelegt. Die Nachfrage nach exklusiven Hotels ist ähnlich deutlich gestiegen.

          Deutsche haben gestiegene Kauflust

          Unter den Luxusgütern des persönlichen Gebrauchs dominieren hochwertige Accessoires mit einem Anteil von fast einem Drittel, das Wachstum beträgt hier 4 Prozent. Erstmals seit 2007 hat der Zuwachs bei teuren Schuhen den der Lederwaren deutlich überstiegen. Bei Uhren habe vor allem wegen der Schwäche in Asien die Wachstumsdynamik nachgelassen, sagt Bain. Hier rechnen Fachleute im kommenden Jahr durch die Uhr des amerikanischen Elektronikkonzerns Apple, die Apple Watch, mit zusätzlichem Druck. Sie verfügt über weit mehr als die klassischen Funktionen einer Uhr. Zudem soll es sie in verschiedenen Luxusvarianten auch mit Goldlegierungen geben.

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