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Weltwirtschaft : Asien holt im Investmentbanking rasant auf

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Börse in Shanghai: Acht der zehn größten Börseneinführungen im Jahr 2010 wurden von Unternehmen aus Fernost lanciert Bild: dpa

Die Finanzkrise beutelt die Banken im Westen nach wie vor. Dies zeigen die Jahresdaten von den Analysegesellschaften Dealogic und Thomson Reuter. Die Schwellenländer hingegen holen auf.

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          Die deutliche Beruhigung an den Finanzmärkten nach der schweren Bankenkrise hat zu einem wieder besseren Geschäft der Investmentbanken mit höheren Erträgen geführt. Mit 69 Milliarden Dollar haben die großen Investmentbanken im Jahr 2010 rund 13 Prozent mehr verdient als im Jahr 2009. Aber die Finanzkrise hat tiefe Spuren hinterlassen, zeigen Jahresdaten der Analysegesellschaften Dealogic und Thomson Reuter.

          Ehemals starke Marktteilnehmer wie die vom Staat gerettete Royal Bank of Scotland fallen im globalen Geschäft immer weiter zurück. Institute, die strauchelnde Banken der Konkurrenz aufkauften, wie dies Bank of America mit Merrill Lynch oder Barclays mit Lehman Brothers taten, haben sich eine stärkere Position im Investmentbanking erkauft.

          Keine Bank hat sich bei den Erträgen im Investmentbanking aus eigener Kraft so stark nach vorn geschoben wie die Deutsche Bank. Nach Angaben von Dealogic hat sie ihre Nettoerträge im Investmentbanking um 30 Prozent auf 3,68 Milliarden Dollar und damit auf einen Marktanteil von 5,3 Prozent verbessert. Sie liegt nach JP Morgan, Bank of America Merrill Lynch, Goldman Sachs und Morgan Stanley auf Platz 5 der globalen List und auf Platz 1 der europäischen Liste. Obwohl sie Teile von Lehman Brothers übernahmen, haben sich weder Barclays noch Nomura im Nettoertrag des Investmentbanking gegenüber der Konkurrenz im vergangenen Jahr hocharbeiten können.

          Nordamerika ist noch immer der größte Markt der Welt

          Innerhalb des Investmentbanking hat sich das Geschäft gegenüber früheren Jahren erheblich verschoben: noch immer ist Nordamerika der größte Markt der Welt. Dort sind die Erträge im vergangenen Jahr um 30 Prozent auf 33,8 Milliarden Dollar gestiegen. Damit wirft der Markt fast die Hälfte des Investmentbanking-Einkommens ab. Europa hat - sicher auch wegen der Unsicherheit um die Schuldenkrise in der Währungsunion - deutlich verloren. Die Nettoerträge fielen um 17 Prozent auf 16,8 Milliarden Dollar zurück. Damit warf das europäische Investmentbanking nur noch 24 Prozent der globalen Erträge der Branche ab.

          Die Schwellenländer hingegen holen auf, was erklärt, warum einige westliche Banken die Schwäche der Konkurrenz genutzt haben, um ihre Marktanteile dort auszuweiten. Das Einkommen der Banken aus dem Investmentbanking in Asien macht mit 15,2 Milliarden Dollar mittlerweile 22 Prozent des globalen Kuchens aus. Ein Drittel des Geschäftes entfällt mittlerweile auf China, wo sich die Erträge der Branche im vergangenen Jahr mehr als verzehnfacht haben.

          Das Aufstreben der Schwellenländer lässt sich auch an der Geschäftsverteilung nach Produktgruppen erkennen und erklärt, warum westliche Börsen mittlerweile zittern, dass ihnen auf Dauer Geschäft abhanden kommen könnte: Das Geschäft an den Aktienmärkten war 2010 nicht üppig, das Emissionsvolumen konnte sich erst gegen Ende des Jahres erholen, und insgesamt sanken die Nettoerträge für die Banken aus dem Aktiengeschäft sogar um 11 Prozent. Dass aber das Aktiengeschäft überhaupt so erträglich abschnitt, lag an den gigantischen Börsenzugängen aus dem asiatisch-pazifischen Raum. Acht der zehn größten Börseneinführungen im Jahr 2010 wurden von Unternehmen aus Fernost lanciert. Asiatische Kapitalaufnahmen machten 66 Prozent des globalen Emissionsvolumens aus, das über Börseneinführungen generiert wurde. Es war ein Rekordjahr für Asien - in Europa hingegen brach das Volumen des Aktienmarktgeschäftes um 35 Prozent ein.

          Emissionen aus den Schwellenländern legten um fast 40 Prozent zu

          Eine ähnliche Entwicklung ist im Übernahmegeschäft der Unternehmen und Banken zu erkennen: Übernahmen in den Vereinigten Staaten erholten sich gegenüber 2009 und machen nun einen globalen Marktanteil von 32 Prozent aus. Auch das Geschäft in Europa läuft wieder besser und verbuchte einen Marktanteil von 29 Prozent. Deutlich stärker aber legten Käufe und Übernahmen im asiatisch-pazifischen Raum zu, wo das Geschäft auf Rekordumfänge stieg. Fast ein Viertel des Übernahmevolumens entfällt mittlerweile auf die Fernostregion.

          Die Stärke Asiens und Lateinamerikas spiegelt sich auch im Kapitalmarktgeschäft wieder, dessen Emissionsvolumen global nach Angaben von Dealogic um 2 Prozent auf 6,05 Billionen Dollar nachgab, in den Schwellenländern aber auf einen Rekord von 758,7 Milliarden Dollar kletterte. Nach Angaben von Thomson Reuters schnellten die Emissionen von Unternehmensanleihen und Schuldverschreibungen von indischen, brasilianischen, mexikanischen und russischen Unternehmen so in die Höhe, dass die Emissionen aus den Schwellenländern um fast 40 Prozent zulegten.

          An den westlichen Kapitalmärkten erholte sich das Geschäft mit strukturierter Finanzierungen und das Emissionsgeschäft mit Hypothekenbesicherten Anleihen wieder kräftig, nicht aber die Produktreihe von forderungsbesicherten sonstigen Kapitalmarktprodukten (Asset-Backed Securities, ABS), deren Emissionsvolumen das vierte Jahr in Folge schrumpfte.

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