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Wasserversorgung : Aktie von Aqua Society ist hoch riskant

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Bild: OTC Bulletin Board

Wasser ist für viele die Börsen-Story der Zukunft. Eines Tages könnte dies auch die Story von Aqua Society sein. Bis dahin ist sehr viel Mut zum Risiko gefragt.

          5 Min.

          Der umkämpfteste Rohstoff der Welt ist sicherlich derzeit Öl, der Treibstoff der modernen Wirtschaft. Doch Dürren in Thailand und Spanien lehren, daß der Grundstoff des Lebens immer wichtiger werden könnte: Wasser.

          Ein Gutteil der Spannungen im Nahen Osten, gerade etwa der Kampf um die Golan-Höhen beruht nicht nur auf strategischen Überlegungen. Der Höhenzug ist zwar unfruchtbar, aber niederschlagsreich und von hoher Bedeutung für die Wasserversorgung der Region.

          Geheimtip im Wasserbereich

          Für längerfristig orientierte Anleger sind Investitionen in Titel von Unternehmen, die im Feld der Wasserversorgung daher durchaus interessant. Der Kurs des spanischen Wasserversorgers Aguas de Barcelona etwa hat sich seit Anfang 2003 verdoppelt, ebenso wie der des Herstellers von Wasseraufbereitungstechnik BWT.

          Der Chart zeigt die Kursentwicklung der Aktie von Aqua Society in Deutschland in den vergangenen Monaten.

          Wie immer machen auch Geheimtips die Runde - Aktien von kleinen Unternehmen aus dem Sektor wie etwa Aqua Society. Aqua Society nennt eine Technologie ihr eigen, mit Hilfe derer Trinkwasser durch Kondensation in der Atmosphäre enthaltener Feuchtigkeit gewonnen werden kann. Derzeit wurde von dem Gerät ein Prototyp gebaut und harrt der energetisch Optimierung.

          Genese aus der Kältetechnik

          Seine Kernkompetenz sieht das Unternehmen allerdings im Energiebereich, und zwar in der Optimierung von Kälteanlagen. Das Management-Team habe mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Entwicklung, Konstruktion, Instandhaltung und Optimierung von Großkälteanlagen (z.B. für den Bergbau und Tunnelbau). Aqua Society hält nach eigenem Bekunden Patente und Nutzungsrechte für Wärmetauscher- und Kältetechnologien.

          Neben dem als Prototyp vorhandenen, „Aquamission“ genannten Gerät zur Trinkwassergewinnung hat Aqua Society im Bereich Kühltechnologie noch einen weiteren Prototyp im Bau. Das „Thermomission“ genannte Gerät dient der Optimierung von Kälteanlagen für Kühlhäuser, indem aus der Abwärme elektrische Energie erzeugt und diese in das System rückgeführt werde, so daß der Energieverbrauch der Anlage sinkt.

          Im Einsatz befindlich ist offenbar schon das dritte Gerät: das Thermomobil. Dieses ist eine mobile und flexibel einsetzbare Kühltransportlösung, mit deren Hilfe nahezu jedes herkömmliche Transportfahrzeug in ein Kühltransportfahrzeug umgewandelt werden könne, ohne daß dieses nicht mehr für den ursprünglichen Zweck eingesetzt werden könne. Das Thermomobil werde bereits erfolgreich vom Deutschen Roten Kreuz für Blut- und Organtransporte eingesetzt.

          Aufträge und Interesse aus aller Welt

          Indes hat Aqua Society einige Aufträge bekannt gegeben. Es lägen mehrere Anfragen und Aufträge osteuropäischer und asiatischer Bergbauunternehmen vor. Ein tschechisches Bergwerk habe Aqua Society mit der Errichtung von energiereduzierenden Kältemittelverdichtern beauftragt, ein polnisches mit der Lieferung von Komponenten für dezentrale Kälteanlagen. Aus China liege eine Anfrage zur Projektierung sämtlicher Kälte- und Wasseranlagen für ein neues Steinkohlebergwerk vor sowie mehrere Aufforderungen, Angebote einzureichen.

          Vor allem aber habe man einen Exklusivauftrag mit einem Erstvolumen von 3,5 Millionen Euro des Ministeriums für Gesundheit und Bevölkerung der Elfenbeinküste zur Sanierung des staatlichen Gesundheitswesens. In diesem Zuge, so das Unternehmen, werde man ein Transport- und Kühlsystem für Blutkonserven aufbauen, das sämtliche Krankenhäuser des Landes mit Plasma und Blutspenden versorgt. Dabei soll das Thermomobil zum Einsatz kommen. Über Nachfolgeaufträge werde verhandelt.

          Bislang ohne Umsätze

          Wie die kurze Beschreibung zeigt, ist Aqua Society zur Zeit im wesentlichen ein Forschungs- und Entwicklungsunternehmen. Dementsprechend verzeichnete Aqua Society bislang keine Umsätze aber einen satten Verlust im ersten Halbjahr in Höhe von 23,67 Millionen Dollar - indes nicht aufgrund hoher Forschungs- und Entwicklungskosten. Vielmehr wurden im ersten Quartal 2005 Aktienoptionen im Wert von insgesamt 22,48 Millionen Dollar an Berater und „NIcht-Mitarbeiter“ ausgegeben, die als Kosten verbucht wurden und so 95 Prozent des Gesamtverlustes bewirkten.

          Für Forschung und Entwicklung will das Unternehmen rund zwei Millionen Dollar im laufenden Jahr aufwenden - abhängig davon, inwieweit es gelingt, ausreichend liquide Mittel aufzutreiben. Zu diesem Zweck hat das Unternehmen mittlerweile zwei Privatplazierungen begeben, bei der Optionen und Aktien an Investoren verkauft wurden. Die Ende Juni zum Preis von 1,98 Dollar plazierten 1,23 Millionen Aktien sind mit einer Haltefrist von zwölf Monaten belegt, ebenso wie eventuelle Aktien, die nach Ausübung der Optionen emittiert würden. Über die Haltefrist der 416.666 Aktien aus der Privatplazierung vom Oktober 2004 liegen keine Informationen vor.

          Ein Investment in die im amerikanischen Freiverkehr (Over-the-counter Bulletin Board, OTCBB) heimischen Aktie von Aqua Society ist aufgrund der fehlenden Unternehmensgeschichte höchst riskant und ausgesprochen spekulativ. Die Geschichte des OTCBB ist voll von Unternehmen mit großen Plänen und ausgewiesenem technischen Know-How, dene es niemals gelang, sich am Markt erfolgreich zu behaupten.

          Sic transit gloria mundi

          Die aus einer amerikansichen Universität hervorgegangene Rhombic Corporation etwa sorgte in den Neunzigern und Anfang des Jahrhunderts mit erfolgversprechenden Hightech-Projekten wie einer Nuklearbatterie, einem revolutionären Browser oder eine Plasmastaubbeschichtung zur Eindämmung von Radioaktivität für Aufsehen. Sogar eine Forschungskooperation mit einer EADS-Tochter konnte man vorweisen.

          Doch es gab Ärger um Rechte, die Nuklearbatterie stellte sich als zu gefährlich für den kommerziellen Betrieb heraus und der Browser überstand das Entwicklungsstadium nicht. Die Forschungskooperation wurde gekündigt. Der Aktienkurs verfiel von einem Hoch bei 27 Dollar Anfang 2000 innerhalb von zwei Jahren auf 25 Cents. Heute heißt das Unternehmen Silverado Financial und vertreibt Hypothekenkredite. Der Aktienkurs lag zuletzt bei 13 Cents. Sic transit gloria mundi.

          Nanopierce sorgten zur selben Zeit mit einer Klebetechnik zur einfachen Herstellung elektrischer Kontakte für Furore. Setzte das Unternehmen 2001 noch 132.000 Dollar um, so waren es 2004 nur noch 34.000. Der Kurs, der Anfang 2000 bei rund sieben Dollar gelegen hatte, ist mittlerweile auf neun Cents durchgesackt.

          Haifischbecken Freiverkehr

          Auch die Notiz am OTCBB selbst ist nicht ohne Gefahren. Denn der Freiverkehr gilt als Haifischbecken. Joseph T. Slechta, Vorstandschef der dort gleichfalls notierten LAM Pharmaceuticals klagte im Sommer 2002: „Wenn wir gewußt hätten, wie es dort zugeht, wir wären nie dort hingegangen.“

          Denn die Freiverkehrswerte werden von den Market Makern nicht nur im Kundenauftrag, sondern auch auf eigene Rechnung gehandelt. Sie dürfen dabei sogar in die Differenz der anstehenden Kauf- und Verkaufsgebote hineintraden. Trotz der Verschärfung der Regularien in den vergangenen Jahren wird immer noch über die Market Maker geklagt.

          Das Tückische an einer Notiz am OTCBB ist, daß ein Aufstieg in den regulären Nasdaq-Handel auch von der Kursentwicklung abhängt. So muß für den Übergang vom OTCBB zum SmallCap Market der Angebotspreis über 90 Tage hinweg vier Dollar überschritten haben. Das aber sind viele Market Maker bestrebt zu verhindern.

          Hochriskantes Investment

          Aktuell entwickelt sich der Kurs von Aqua Society am Bulletin Board zufriedenstellend. Nach der Aufnahme des Geschäftsbetriebs im Mantel der früheren VG Tech zog der Kurs im vergangenen Herbst innerhalb von rund 14 Tagen von einem auf über vier Dollar an - eine sehr typische Entwicklung für amerikanische Freiverkehrswerte. Seitdem geht der Kurs in der Tendenz seitwärts und notierte am Donnerstag zuletzt bei 3,45 Dollar.

          Ein Investment in die Aktie von Aqua Society ist hoch riskant. Falls sich die Ergebnisse nicht so entwicklen wie erhofft, es unvorhergesehene Schwierigkeiten mit den Forschungsprojekten gibt, könnte es Kursrückschläge geben. Dann könnte die Aktie auch ins Visier von Zockern geraten, die die Aktie „shorten“. Auch weitere Privatplazierungen bergen latente Risiken. Nicht nur, daß in einem Jahr 1,2 Millionen Aktien zum Verkauf freiwerden, die im Einkauf fast nur halb so viel gekostet haben wie der aktuelle Kurs. Es ist auch nicht gesagt, daß zukünftige Privatplazierungen zu ähnlich, vergleichsweise günstigen Bedingungen vorgenommen werden können. Diese könnten ebenso die Kurse drücken.

          Möglicherweise lauert bei Aqua Society die Story des Jahrhunderts. Diese zu finden ist letztlich das Bestreben jedes Börsianers. Doch bei jeder dieser Chancen lauert erfahrungsgemäß ein Risiko, daß um vieles höher ist.

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