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Spekulationen : Das Spiel der Hedgefonds mit der Deutschen Bank

  • -Aktualisiert am

Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt Bild: Reuters

Ein paar Hedgefonds kehren der Deutschen Bank den Rücken. Der Aktienkurs sinkt zeitweise unter zehn Euro. Was ist im Hintergrund los, fallen die Heuschrecken über Deutschlands größtes Bankhaus her?

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          Jetzt muss sogar der Daimler-Chef schon die Deutsche Bank verteidigen. „Ich glaube, dass die genannten Banken sehr solide sind und dass wir uns da keine Gedanken machen müssen“, sagt Dieter Zetsche am Freitag auf einer Automesse über die Deutsche Bank und die Commerzbank. Was ist da los, dass ein Automanager sich über die Solidität von Banken äußern muss?

          Die Deutsche Bank kommt nicht zur Ruhe. Der Börsenkurs ist weiter auf Talfahrt, die Aktie stürzte am Vormittag zwischenzeitlich unter zehn Euro. Vorstandschef John Cryan rief die Mitarbeiter in einer E-Mail auf, Vertrauen in die Deutsche Bank zu bewahren. Am Markt seien „Kräfte“ unterwegs, die dieses Vertrauen schwächen wollten.

          Es stimmt, einige Hedgefonds haben ihr Geschäft mit der Deutschen Bank reduziert. Die Kunden im sogenannten „Derivate-Clearing“ hätten einige überschüssige Geldbestände und Positionen abgezogen, berichtete unter anderem die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag unter Berufung auf ein internes Dokument der Bank.

          Unter Derivate-Clearing versteht man die Abwicklung von Geschäften mit komplizierten Finanzprodukten. Dabei wird die Stabilität des Geschäftspartners als wichtig empfunden. Die große Mehrheit der mehr als 200 Derivate-Clearing-Kunden habe allerdings keine Veränderungen vorgenommen. Ein Sprecher sagte, man sei zuversichtlich, dass sich die Mehrzahl der Investoren der stabilen Lage der Bank bewusst sei. Anleger reagierten beunruhigt. Deutsche-Bank-Manager Barry Bausano sprach derweil hier von normalen Schwankungen. Es habe in dieser Woche sowohl Zu- als auch Abflüsse gegeben.

          Schlechte Nachrichten schaffen Unruhe - und das ist auch gewollt

          Deutsche Bank-Chef Cryan schrieb in seiner Mail an seine Mitarbeiter, „einige wenige Hedgefonds-Kunden“ hätten die Bank verlassen. Das sorge aber „zu Unrecht" für Unruhe, denn die Deutsche Bank habe mehr als 20 Millionen Kunden. Dennoch steht die Nachricht im Raum, dass zehn Hedgefonds ihre Beteiligung an der größten deutschen Bank ganz oder teilweise abgezogen haben. Zu ihnen gehören Millennium Partners, Capula Investment und Rokos Capital Management. Das wiederum passiert nicht selten. Hier raus, dort rein. Schon ein Funke Unsicherheit kann reichen, damit es sich lohnt, das Geld anderswohin zu schieben – immerhin wird es auch immer teurer, Geschäfte mit der Deutschen Bank gegen eine Insolvenz der Bank zu versichern.

          Gleichzeitig spekulieren Hedgefonds gegen die Deutsche Bank. Sind es die selben? Das ist längst nicht sicher. Die „New York Times“ spekuliert, der berüchtigte Investor George Soros könne dabei sein – Soros sagt dazu nichts. In diesem Fall halten sich die Spekulanten an die einfache Börsenregel: billig kaufen, teuer verkaufen. Es geht um viel Geld. Das geht auch – oder bestens – mit Short-Käufen, den sogenannten Leerverkäufen. Was hier passiert ist folgendes:

          Mit einer Short-Position spekuliert der Investor, zum Beispiel durch einen Leerverkauf, auf den fallenden Kurs einer Aktie. Sie können in Erwartung sinkender Kurse die Aktien verkaufen, um sie später billiger einzusammeln. Für die Erfüllung haben die Händler zwei Tage Zeit. Wenn sie ihre Position länger halten wollen, müssen sie sich bei Banken oder Fonds die Wertpapiere leihen, was in den liquiden Aktien aber kein Problem ist. Für fallende Kurse braucht man aber auch die entsprechenden Nachrichten. Bei der Deutschen Bank gab es die in jüngster Zeit zuhauf.

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